Auch wenn in der Mittelstraße 34 heuer vermutlich der erste Weihnachtsbaum Bambergs in dieser Saison steht: Mit einer Weihnachtsausstellung im herkömmlichen Sinn hat die kleine Schau nichts zu tun, die jetzt unter dem Titel "Wirsing, Krippe, Eierringe" im Gärtner- und Häckermuseum eröffnet wurde.

Sie widmet sich der Weihnachtszeit, wie sie früher in der Bamberger Gärtnerei begangen worden ist, und will Antworten auf die Frage geben, die sich manchem Besucher stellen mag: Was machten die Erwerbsgärtner im Winter, wenn ihre Arbeit draußen erledigt war? Was prägte die Weihnachtszeit in der Gärtnerei in vergangenen Zeiten?


Hinweise ausdrücklich erwünscht

Erschöpfende Antworten gibt die Ausstellung nicht, will und kann sie wohl auch nicht. Im Gegenteil: Besucher werden ausdrücklich ermutigt, Aspekte zum Thema, die sie in der Schau vermissen, niederzuschreiben. Wie Museumskuratur Hubertus Habel bei der Eröffnung sagte, hofft er auf viele Einträge in dem noch leeren Buch, das auf dem Dachboden des Museums für ergänzende Hinweise bereit liegt. Die Informationen sollen in die künftige Museumsarbeit einfließen.

Eine wesentliche Grundlage der Ausstellung stellen laut Habel Interviews dar, die er mit Mitgliedern alteingesessener Gärtnersfamilien geführt hat. So erfuhr er beispielsweise, was in der Weihnachtszeit üblicherweise gegessen wurde: An Heiligabend gab es mittags Linsen, am Ersten Feiertag bei der Oma einen Gansbraten, zu dem sich alle Geschwister an der Festtafel versammelten. Kulinarische Traditionen also, die bis heute - oder wieder - in vielen Bamberger Familien und Gasthäusern gepflegt werden.


Sammlung aus Gebäck

Aus der Sammlung des Museumsvereins sind etliche kleine Gebäckstücke zu sehen, die einst mit Hilfe von hölzernen Modeln hergestellt worden sind. Ursprünglich dienten die Bilder aus Teig oder "Wassermarzipan" als Baumschmuck, berichtete Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing den Gästen bei der Ausstellungseröffnung.

Süß im heutigen Sinn sei der essbare Christbaumschmuck nicht gewesen, aber bei den Kindern bis ins 19. Jahrhundert heiß begehrt, wenn der Baum im Januar geleert wurde. Eißing vermutet: "Damit würden Sie heute wahrscheinlich kein Kind mehr hinter dem Ofen vorlocken können."

Die Weihnachtszeit endete für die Gärtner früher nicht an Dreikönig sondern mit Sebastiani (10. Januar). Daran erinnerte in einem Grußwort der Vorsitzende des Museumsvereins erinnert, Pankraz Deuber.


Christbaum im Fenster

Und zur Sebastiani-Prozession in Bamberg-Nord wurden die geschmückten Weihnachtsbäume in die Fenster gestellt, hat Habel bei seinen Recherchen erfahren. Die Familie Eckenweber stellte dem Museumsmann ein altes Foto von diesem Brauch zur Verfügung. Die Aufnahme diente als Vorlage für den Christbaum, der während der Ausstellung im Museum gezeigt wird.

So wie die Gärtner im Winter sich mehr Ruhe gönnen konnten, so war auch das Gärtner- und Häckermuseum bisher immer ab Allerheiligen geschlossen. "Wirsing, Krippe, Eierringe" sei auch insofern ein Wagnis, gibt Habel zu verstehen.


Haus ohne Heizung

Er dankte ausdrücklich allen, die am Zustandekommen der Ausstellung mitgewirkt haben. Dazu gehören auch die Kräfte, die im Winter an der Museums-Kasse sitzen werden. Wären sie dazu nicht bereit gewesen, gäbe es diese Schau nicht. Man muss wissen, dass das historische Gärtnerhaus in der Mittelstraße 34 nicht beheizt werden kann. Deshalb werden die Beschäftigten auch jeweils nur 90 Minuten aushalten müssen . . .


Die Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Wirsing, Krippe, Eierringe - Weihnachtszeit in der Bamberger Gärtnerei" ist im Oktober während der regulären Öffnungszeiten des Museums von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Ab November und bis einschließlich 6. Januar ist sie nur sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Das Gärtner- und Häckermuseum befindet sich in der Mittelstraße 34 in Bamberg.