Mehmed*, 16 Jahre, macht es Spaß, mit dem Rad zu fahren. Ein paar Runden dreht er auf dem Übungsplatz, hält mal an der Stoppstelle an, streckt den Arm nach links, macht den Schulterblick und biegt ab. Bei dem jungen Flüchtling klappt das Radeln schon ganz gut.

Er lacht jetzt. Und fährt weiter. Vorbei an Polizeihauptmeister Jürgen Gleußner, der lobt: "Jawohl, geht doch!" Der Polizist kann aber auch anders und streng die Regeln des Straßenverkehrs erklären, ja manchmal mit Nachdruck unter Einsatz seiner Arme. Dann zeigt er zur Ampel auf dem Verkehrsübungsplatz: "Hier ist rot. Anhalten!"

Gleußner und seine Kollegen der Polizei Bamberg-Land bringen jedes Jahr über 1600 Viertklässler im Landkreis das Fahrradfahren bei. Die Kinder sollen sich im Straßenverkehr zurechtfinden und Sicherheit auf dem Rad gewinnen. Nun haben die Beamten erstmals auch unbegleitete jugendliche Flüchtlinge wie Mehmed auf dem Übungsplatz in Burgebrach geschult. Die Jugendlichen leben in Hirschaid und Pettstadt in Wohngruppen. Sie alle müssen einen Kurs ablegen, bevor sie auf der Straße mit dem Rad fahren dürfen. So ist es von der Caritas, die die Jugendwohngruppe betreut, angedacht.


Absicherung für Caritas

"Es ist auch eine Absicherung für uns", sagt Erzieher Felix Forscht. "Wir zeigen den Jugendlichen, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält", sagt Jürgen Gleußner. Es ist aber auch eine Möglichkeit, den etwas Unsichereren eine Übungseinheit zu geben.

Bevor es auf den Platz nach Burgebrach ging, hat Erzieher Daniel Butze mit seinen Kollegen und den Jugendlichen die Fahrräder auf Vordermann gebracht. Die Polizisten um Gleußner achten darauf, dass an den Rädern alles verkehrssicher angebracht ist, geben Tipps. "Es ist besser, wenn man einen Helm aufhat", sagt Polizeihauptkommissar Peter Krauß. Gerade wenn man nicht so sicher auf dem Fahrrad sei, mit einem Helm fühle man sich besser.

Am Anfang der Übungseinheit läuft Polizist Gleußner die Strecke mit den Jugendlichen ab. Erklärt, an welcher Stelle sie sich wie zu verhalten haben. In einem fremden Land ist es am Anfang schwer, jedes Verkehrsschild zu verstehen. Ist das alles erklärt, geht es aufs Rad.


Der erste Radausflug steht an

Die Freude steht den Jungs ins Gesicht geschrieben. Mehmed grinst. "Radfahren ist für die Jungs enorm wichtig", sagt Erzieher Felix Forscht. Es bedeutet ein Stück Freiheit für die Jugendlichen. Jetzt, wo die Schulung erfolgreich abgelegt ist, kann er also starten, der erste gemeinsame Radausflug der Jugendgruppe. Und die Polizei will nach dieser Premiere auch in Zukunft weitere Verkehrstrainingskurse für Flüchtlinge anbieten. Schließlich ist für die das Fahrrad meist das einzige Fortbewegungsmittel.

* Name wurde von der Redaktion geändert.