Über das Wochenende sind sie plötzlich aufgeploppt, fast wie im Vorspann der Fernsehsendung "Löwenzahn": Gelbe Farbtupfer auf Asphalt oder vor grauen Betonwänden, dazu ein Schildchen mit der Aufschrift "Ich mach Bamberg bunt".

Schnell ist klar: Es handelt sich nicht etwa um zufälligen Wildwuchs, sondern um eigens platzierte "Sanvitalia" beziehungsweise "Aztekengold". 52 Pflänzchen hat ein Bamberger in der Stadt verteilt. Seinen richtigen Namen möchte er nicht bekanntgeben, er möchte schlicht "Dodu" genannt werden.

Die Botschaft seiner Aktion ist eindeutig - "Ich mach Bamberg bunt." Das will "Dodu" auch im übertragenen Sinne verstanden wissen: "Es geht zum einen darum, die Stadt ein bisschen farbiger zu machen. Zum anderen soll die Aktion auch ein Zeichen für kulturelle Vielfalt sein", sagt der Blumen-Verteiler.
Dabei war das Ganze ursprünglich dazu gedacht, seiner Lebensgefährtin eine Freude zu machen. Das Paar wollte an seinen Lieblingsplätzen jeweils ein kleines Pflänzchen hinterlassen, um sich beim Vorbeispazieren daran zu erfreuen und die ein oder andere Erinnerung zu teilen.

"Irgendwie hat sich das dann weiterentwickelt", sagt "Dodu". "Warum nicht graue Plätze ,pimpen‘? In so manches Asphaltloch hat so ein kleiner Blumentopf schön rein gepasst." Am Wochenende sind er und seine Freundin los gezogen, die beiden haben zum Beispiel am Bahnhof in einen angegrauten Sandsteinblumenkasten ein kleines Pflänzchen "Aztekengold" gesetzt.

Auch in der Unterführung in der Zollnerstraße oder vor dem Eingang zu Universität in der Feldkirchenstraße sind die gelben Blümchen postiert. Selbst ein Metallpoller in der Sandstraße hat ein gelbes Häubchen aufbekommen. Allerdings: In vielen Fällen stehen die "Sanvitalia" sozusagen nackig ohne Übertopf da. Das erschwert den Wunsch von "Dodu" - "ich hoffe, dass sich jemand drum kümmert."

Dies hat just auch Holger Düring von der Bamberger Polizei festgestellt. Die Ordnungshüter haben auf den Betonsockel vor der Polizeiinspektion in der Schildstraße ebenfalls einen gelben Fabklecks bekommen. "Die Blume schaut etwas traurig, sie hat leider keinen Übertopf", sagt Düring. "Würde ich sie so gießen, wird nur die ganze Erde weg geschwemmt."


Nicht um Erlaubnis gebeten

Doch bei aller Freude, die Blumen für gewöhnlich auslösen - wie ist das mit der Erlaubnis? Denn gefragt hat der "Dodu" niemanden, bevor er seine Pflänzchen verteilt hat. "Also wir freuen uns über den Blumengruß", sagt Holger Düring von der Polizei.

Wie schaut es bei der Stadtverwaltung aus? Sprecher Steffen Schützwohl spricht im übertragenen Sinne von einem Spagat. Denn eigentlich handle es sich um eine genehmigungspflichtige Sondernutzung. Auf der anderen Seite wollen man wegen ein paar Blumengrüßen jetzt auch nicht "den bürokratischen Hammer rausholen".
Doch Schützwohl stellt klar: Mittelfristig werde man aufpassen, dass nicht jeder sich bemüßigt fühlt, im öffentlichen Raum ungefragt Aktionen durchzuführen.

Einen Punkt sieht die Stadtverwaltung bereits im aktuellen Fall sehr kritisch: "Eine Blume auf der Weißenburgstraße ist nicht mehr lustig. Ein Auto macht sie vielleicht noch platt, aber wenn ein Radfahrer sie übersieht, ist es nicht ganz ungefährlich. Es ist nicht erwünscht, dass jemand etwas auf die Straße legt."
Die Frage ist eh, wie viel von den blumigen Farbtupfern noch übrig bleibt. Viele "Sanvitalia" sind wegen fehlenden Übertopfes und Wassers bereits am Vertrocknen.