Dieser Weg wird sicher zum "Renner" werden: der Themenwanderweg "Zeegenbachtal" von Zeegendorf bis Amlingstadt. Noch ist er nicht beschildert. Wenn es aber soweit ist - spätestens nach den Sommerferien - darf man mit einer hohen Besucherfrequenz rechnen.

Tourismusmanagerin Bianca Müller, die seit Anfang des Jahres im gemeinsamen Auftrag der Gemeinden Strullendorf, Litzendorf und Memmelsdorf die "Fränkische Toskana" zu einer neuen touristischen Blüte bringen will, hat die "Pionierwanderung" ausgetüftelt, zusammen mit der Mediengruppe Oberfranken als FT-Leserwanderung gestaltet und zwei sachkundige Führer gewinnen können: den Diplom-Biologen Ulrich Schwantes vom Arbeitskreis Lokale Agenda und Karl Körner vom Heimatkundlichen Verein Zeegenbachtal.


80 Teilnehmer

Das Angebot schlug ein: In Nullkommanichts hatten sich 80 Teilnehmer angemeldet. Schon eine halbe Stunde vor Abmarsch gab es am Samstag kaum mehr freie Plätze auf dem Parkplatz des Gasthauses Stark. Unter den Teilnehmern war Strullendorfs Bürgermeister Wolfgang Desel, der einige in seiner Gemeinde lebende Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan zur Wanderung mitgebracht hatte, um ihnen ihre neue Heimat zu zeigen.

Es stellte sich heraus, dass auch die meisten Bamberger diese Ecke im Landkreis noch nicht kennen! Bisher ist kein Wanderweg ausgeschildert, weshalb sich kaum jemand hierher "verirrt". Umso mehr staunten die Teilnehmer über das, was sie zu sehen bekamen: die Schönheit der in ihr festlichstes Mai-Kleid gewandeten Natur, die Wallfahrtskapelle am Steinknock und das Örtchen Mistendorf mit seinen gepflegten Gehöften und den vier Fachwerkhäusern am Lindenplatz.


"Feuersalamander reichlich"

Ulrich Schwantes brachte den Gästen die Besonderheiten der Landschaft nahe. Für den Albtrauf, den man nach einem kurzen Anstieg gleich hinter Zeegendorf erreicht, ist der Buchenwald typisch. Hier gibt es "Feuersalamander reichlich". Sie finden in dem Bach, der zuweilen trocken fällt, ideale Lebensbedingungen. Als eine der häufig vorkommenden Pflanzen zeigte Schwantes den Gästen die Knoblauchsrauke.

Am Beispiel einer großen, sich neben dem Waldrand in einem Wasserschutzgebiet erstreckenden Wiese mit Streuobstbäumen erläuterte er deren Pflege. Nach den Richtlinien des so genannten Vertrags-Naturschutzes mäht der Bauer die Wiese zwei Mal im Jahr. Der Schnitt darf aber nicht liegenbleiben, sondern muss abgefahren werden.

Karl Körner wiederum informiert die Wanderer über Historie und Kultur des Zeegenbachtales, das schon in der Altsteinzeit besiedelt war. Für Mistendorf war in der jüngeren Geschichte besonders das 17. Jahrhundert ereignisreich: Im 30-jährigen Krieg wurde das Dorf 1633 von den Schweden in Schutt und Asche gelegt, 1634 brach die Pest aus, die die Bevölkerung um die Hälfte dezimierte.

Die Kirche war zu jener Zeit stark befestigt. In kriegerischen Zeiten wurden dort Lebensmittel gelagert, und die Menschen konnten sich in Sicherheit bringen. 1659 gab es den Aufsehen erregenden Hostienfund in einer hohlen Eiche, die den Steinknock bis heute zum Ziel von Prozessionen macht - mit der inzwischen dritten Kapelle, erbaut im neugotischen Stil. Besondere Bewunderung erfuhren die vier Bauernhäuser aus Fachwerk am Lindenplatz, die von ihren Besitzern liebevoll restauriert worden sind.