Wer beim Stichwort Fasten nur Hungerkuren im Sinn hat, kann sich allerdings in den nächsten Wochen anderweitig inspirieren lassen. Und zwar auf einem sportlichen Pilgerweg durch Bamberg, der nicht nur gesundheitsfördernd ist, sondern auch eine Begegnung mit neuen Eindrücken ermöglicht. Oder eine intensive Form der Auseinandersetzung mit dem eigenen satten Leben.

Erstmals lädt ein Ökumenischer Fastenweg über die sieben Hügel der Domstadt dazu ein, bekannte Orte einmal anders zu erkunden. "Das ist Pilgern für einen Kurswechsel", sagt Andreas Schneider, der als freiberuflicher katholischer Theologe mit Kooperationspartnern den Fastenweg organisiert hat. Pilgern sei "in und modern", ein "Kurswechsel im Lebensstil notwendig". Denn "wir leben über unsere Verhältnisse", so Schneider. Die Menschheit bräuchte eigentlich mehrere Planeten mit Ressourcen für alle, die so konsumieren wollten wie die Industrienationen. Doch die Rohstoffe der einen Erde werden immer knapper, das Klima verändert sich zunehmend, Ernährung, Einkauf, Handel und Anbau stehen in einer Kette und entscheiden über Lebensverhältnisse hier und weltweit.

"Wir wollen zur Veränderung motivieren, schließlich hat alles Tun oder Unterlassen Folgen - entweder positive oder eben negative", begründet Andreas Schneider den Fastenweg. Dieser umfasst sechs Stationen von der Erlöserkirche am Kunigundendamm über die Institutskirche am Holzmarkt bis zur Kirche St. Urban im Babenberger Viertel. Mit Plakaten, Fotos, Impulsen geht es mal um das "Geheimnis des Teilens", mal um "Lebensmittelver(sch)wendung", mal um den "Brennpunkt Philippinen" und die Kinderhilfe "Mabuhay". In der St. Stephanskirche haben Konfirmanden eine Installation zum Thema Textilien erarbeitet: "Edle Mode billig produziert" prangern die Jugendlichen am Beispiel einer in Fernost zum Spottpreis hergestellten Jeans an, an der nur die Textilkonzerne, nicht aber die Näherinnen verdienen.


Blick auch auf Nichtglaubende

Im Weltladen an der Kapuzinerstraße dreht sich alles um fair gehandelte Waren und ihre Anbieter, in der benachbarten Geschäftsstelle des Bund Naturschutz Bamberg um "Energie fasten statt Strom fressen". Gerade diese beiden Stationen verdeutlichen, dass mit dem Fastenweg nicht nur Christen angesprochen werden sollen, sondern auch Kirchenferne oder Nichtglaubende. Denn schließlich "hinterlässt jeder einen ökologischen Fußabdruck mit seiner Art und Weise zu konsumieren und zu leben", betont Organisator Schneider. Mit diesem entwicklungspolitischen Thema wolle der Fastenweg eine breite Öffentlichkeit erreichen.

Gleichwohl bietet dieser Fastenweg - auch wenn er nicht aus einer rein kirchlichen Ecke kommt - die Chance, in der Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest einen Kern der christlichen Botschaft herüber zu bringen: nämlich die Welt mit all seinen Lebewesen als Gottes Schöpfung zu sehen, die es zu bewahren gilt. "Die Fastenzeit ist ein Aufruf zur Umkehr", sagt Theologe Schneider und präsentiert denn auch eine "verbindende Klammer": Bischof Crispin Barrete Varquez, der sich in seiner philippinischen Heimat für die Armen und Obdachlosen nach dem verheerenden Taifun Haiyan im November 2013 engagiert, wird die Eröffnung des Ökumenischen Fastenweges am Mittwoch, 25. Februar, um 17.30 Uhr in der Institutskirche aktiv mitgestalten. Varquez, Bischof der Diözese Borongan, ist ohnehin als Gast des Bischöflichen Entwicklungshilfswerks Misereor in der Fastenzeit im Erzbistum Bamberg unterwegs.

Die sechs Stationen sind von Donnerstag, 26. Februar, bis Samstag, 28. März, geöffnet. An jeder Station wird ein Faltblatt mit näheren Informationen ausliegen. Am Samstag, 21. März, gibt es von 14 bis 18 Uhr einen gemeinsamen Aktionstag der Stationen, an dem auch jeweils Ansprechpartner vor Ort sein werden.

Der Eine Welt Laden Fürth e. V., dessen Vorsitzender Andreas Schneider ist, hat im Jahr 2013 erstmals in Fürth einen Fastenweg initiiert. 2015 wird dieses Projekt auf die Metropolregion Nürnberg ausgeweitet. Es gibt Fastenwege eben in Bamberg, Jugendhaus Burg Feuerstein, Erlangen, Forchheim-Buttenheim-Altendorf, Lauf/Pegnitz, Neumarkt/Oberpfalz, Nürnberg und Stein. Grundidee ist nach Schneiders Worten eine notwendige Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil und seinem ökonomischen, ökologischen und globalen Kontext. Mehr im Netz unter www.weltladen-fuerth.de/bildungsangebote/fastenwege-2015 oder telefonisch bei Andreas Schneider unter 0951 / 2091854.