Flohauben, Pelzdecken und Holzkarussell - das Mittelalter hatte die Dorfsee, also Wiesen und Weiher hinterm imposanten Schloss, fest in seiner Hand: Das mittelalterliche Pilgerlager samt Markt war einer der Höhepunkte der Veranstaltungen zum Jubiläum "550 Jahre Wallfahrt zum Heiligen Blut"; wie Dekan Albert Müller es formulierte, es war das "i-Tüpfelchen".

Mit dieser zweitägigen Veran staltung knüpfte man nicht nur an den Erfolg des Pilgermarktes zum Jubiläum "650 Jahre Marktrecht" 2013 an, sondern übertraf diesen noch bei Weitem. Begeisterung pur also, bei Mittelalter-Fans aus ganz Franken und darüber hinaus, die hier ihre Zelte aufgeschlagen hatten und ihrerseits das ganz besondere Ambiente priesen. Auch die Burgwindheimer selbst waren durch die Bank überwältigt, was die Mittelalter-Freaks rund um Heinrich Vay auf die Beine gestellt hatten. Ein ganzes Jahr lang organisierte das Trüppchen dieses Spektakulum, das mit einem historischen Festzug vom Schloss aus die Dorfsee eroberte.

Aber erst, als der Herold, Ritter von Windeheim (Gerhard Karbacher) die Lager- und Marktordnung kundgetan und den Pfarrer nicht nur spontan stilecht gewandet, sondern kurzfristig auch noch zum "Fürst-Abt" ernannt hatte.

Für fröhliches Lagerleben sorgten insgesamt 28 Gruppen, die hier mit ihren Zelten, Wappen, Insignien, Geschichten und Handwerkskünsten frühere Zeiten neu aufleben ließen. Mittendrin die Burgwindheimer Truppe, die sonst ihrerseits solche Veranstaltungen bereist. "Jede Gruppe lebt da ihre Geschichte", erklärt Vay. Die Burgwindheimer, oder besser gesagt "Franci Repatrio", sind ein Pilgertross, der im Heiligen Land war und sich auf dem Heimweg befindet, lassen Georg Schmitt und Wolfgang Proth wissen, die neben dem Ritter von Winde heim ebenfalls zu der sieben Mann starken Truppe gehören. Die hat übrigens vor einigen Jahren über einen historischen Stammtisch zu einander gefunden.

Es geht um Geschichte und Geschichten. Jeder taucht in seine Zeit ein und lebt diese zumindest an den Tagen historischer Veranstaltungen. "Man ist praktisch zwei Personen, und lebt damit in zwei Welten", führt Vay aus. Eine Szene für sich, in der man sich kennt. Deswegen konnten die Burgwindheimer auch so viele dafür gewinnen, das Mittelalter-Lager mit Leben zu erfüllen. Weil es doch etlichehistorische Veranstaltungen gibt, sind auch kommerzielle darunter, bei der für Teilnahme gezahlt wird. Das gibt der Burgwindheimer Fundus nicht her, und so freuen Vay, Schmitt, Proth und Karbacher umso mehr über die gute Resonanz.

Dieses Wochenende ist ihr Wochenende, denn sie bekommen Lob pur von allen Seiten. Etliche finden gar, man sollte die Veranstaltung nicht auf die Jubiläen begrenzen, sondern zur festen Institution machen. "Franci Repatrio" will erst einmal dieses Lager ordentlich über die Bühne bringen. Auf der heizen stilecht, bekannte Mittelalter-Gruppen wie "Schattenschweif" ein, nach Art des Mittelalters. Geschwitzt wurde viel an den beiden Tagen. Zu aller Freude blieb es nicht nur trocken, sondern auch sturmfrei. Wie die Zeltgemeinde auf Nachfrage immer wieder versichert, sind die Unterkünfte allesamt wasserfest, aber Wind wäre ein Problem.

Zum Glück gab es den nicht. Davon profitierten auch die Pilger der Neuzeit, also die aus Volkach und aus Mönchherrnsdorf. Auch sie mischten sich nach dem spirituellen Teil ins Vergnügen des Lagerlebens.
Ritter duellierten sich da lautstark und mit Fangemeinden am Rande. Handwerker erklärten ihre alte Kunst. Daneben fanden Freunde der Historie, was das Herz begehrt: vom Klappstuhl der Römer bis hin zum Reisethron und Lagerfell, daneben eine breite Auswahl an Waffen aller Art.

"Richtig schön war's", bilanzieren am Ende des munteren Lagertreibens ein zufriedener Heinrich Vay und sein Tross. Nicht nur der findet, Mittelalter und Burgwindheim ist bei besonderen Gelegenheiten eine gute Kombination.