"Es ist sehr schön hier", lispelt der kleine Mario und präsentiert seine lehmhaltigen Stiefel. Die Erzieherin Jasmin Dykast kann ihr Glück kaum fassen, dass sie ihre Teilzeitstelle ausgerechnet hier bekommen hat und Bürgermeister Jochen Hack (FWG) strahlt übers ganze Gesicht: Er ist glücklich über das vollendete Werk, weil sich einerseits das eigene Töchterchen im nagelneuen Waldkindergarten sehr wohl fühlt und hauptsächlich, weil die Gemeinde eine famose Lösung gefunden hat, um die hohe Nachfrage nach Kindergartenplätzen zu befriedigen.

Hack war am Entscheidungsprozess noch als Gemeinderat beteiligt und so vergaß er es nicht, die Väter des Gedankens zu würdigen: den Revierförster Uwe Reisenweber, der seine Bachelorarbeit über das Thema Waldkindergarten geschrieben hat, und Altbürgermeister Jürgen Schmitt. Die beiden hatten aus einem Randthema beim Kennenlernen die Idee geboren, mit einer Kita in den Gemeindewald auszuweichen.

Bei strahlendem Sonnenschein wurde am Sonntagnachmittag die Einweihung gefeiert, "halb Pettstadt" freute sich mit.

Es hat nicht lange gedauert, bis mit ideeller und tätiger Hilfe der Rechtlergemeinschaft und ihres Vorsitzenden Friedrich Linz in der Waldabteilung "Fuchsschlag" am Mainberg ein geeigneter Bauplatz ausfindig gemacht und vorbereitet war. Und im Gemeinderat wurde man sich einig, den zur Linderung der Platznot der Kindertagesstätte "St. Anna" gedachten Waldkindergarten in solider Zimmermannsarbeit fertigen zu lassen. Den Bestimmungen genügt hätte auch ein Bauwagen.

Mit einem Aufwand von 70.000 Euro aus der Gemeindekasse entstand jedoch ein romantisches, schmuckes Holzhäuschen, das in Anlehnung an den Flurnamen "Fuchsbau" genannt wurde. Folgerichtig wird er von kleinen "Füchsen" bevölkert: Zwölf Mädchen und Buben zogen mit Erzieherin Jasmin Dykast sowie Susanne Müller und Sabrina Krämer am 1. September ein, sechs können noch hinzukommen.

Die gemeinsamen Stunden beginnen (und enden) an einem kleinen Parkplatz am Waldrand. Von hier machen sich die Kleinen mit den Erzieherinnen auf den Weg zum "Fuchsbau" und formieren sich dort auf dem "Waldsofa" (aus Baumstümpfen) zum Morgenkreis. Nach dem Händewaschen wird gefrühstückt und danach genießen die Kinder die Freispielzeit bis zum Mittagessen.


Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Inspirationen "lauern" auf Schritt und Tritt. Bei schlechtem Wetter verkriechen sich die "Füchse" in den Bau. Es wird gemalt oder gebastelt: Mobile aus Zapfen und Rinde, Eicheln und Wurzeln oder auch eine erste Bilderausstellung kindlicher Kunstwerke entstehen. Am Ende der gemeinsamen Stunden wird aufgeräumt und beim "Abschlusskreis" wird der Tag reflektiert. Und wenn's mal "pressiert"? "Auch damit haben wir kein Problem", versichert Gruppenleiterin Jasmin Dykast. In einem Geviert aus Sichtschutzfolie befinden sich zwei Plumpsklos. Ja, da müssten die an zentimetergenaue Kindergarten-Bauvorschriften gewöhnten Erwachsenen schon ein wenig umdenken.

"Kinder haben ein Recht darauf, dass ihnen möglichst viel Gutes widerfährt!", sagt Bürgermeister Jochen Hack. Das Gute, das ein Waldkindergarten vermittelt, ist freilich von anderer Natur als das Programm eines Regel-Kindergartens. Aber: Aus dem "Fuchsbau" will schon niemand mehr raus.

Pfarrer Hermann Komnick erbat Gottes Schutz und Segen für die Kinder und das Personal, auf dass sie sich in der freien Natur wohlfühlen werden. Peter Beierwaltes empfand als Vertreter der Katholischen Kirchenstiftung und Träger der Pettstadter Kindertagesstätte St. Anna Glück, Freude und Dankbarkeit über das gelungene Werk. Mit Gesang und Spiel leiteten die kleinen Pettstadter zur geselligen Einweihungsfeier über. Bei Kaffee und Kuchen oder einer zünftigen Brotzeit blieben junge und alte Pettstadter noch lange unter der wärmenden Herbstsonne zusammen.