Schippen oder Grillen an Weihnachten? Kaum sind die ersten Krümel vom Himmel gefallen und der Stress in den Autowerkstätten vorbei, wendet sich die Aufmerksamkeit vom Winterreifen ab und der wirklich wichtigen Frage zu: Gibt es heuer weiße Weihnachten? Die Antwort der meisten Experten ist eindeutig: ja, vielleicht.

In den vergangenen Tagen überschlagen sich Wetterdienste mit mittel- und langfristigen Prognosen. Der frühe Wintereinbruch ist die wichtigste Zutat für das Vorhersage-Menü, dazu der Kaltluftsee über Sibirien und ein gestörter Polarwirbel. Ein bisschen Hundertjähriger Kalender und ein wenig Königskerze vervollständigen das Rezept, doch am Ende serviert jeder Koch einen anderen Brei: "Droht ein Jahrhundertwinter?" und "Der Winter wird sehr mild." Das sind zwei per Zufall ausgewählte Schlagzeilen der letzten Tage.


Präzise Prognose "unseriös"

Sind langfristige Wettervorhersagen Kaffeesatzleserei? "Im Prinzip ja", sagt ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Für die amtlichen Wetterforscher ist es schon "unseriös", präzise Vorhersagen treffen zu wollen, wie das Wetter in einigen Tagen sein wird. "Bei zwei bis drei Tagen hat man eine verlässliche Grundlage, für bis zu zehn Tage gibt es einen Trend, der mit einiger Wahrscheinlichkeit so eintreffen wird, darüber hinaus wird es unberechenbar", so der DWD.

Das verlässliche Chaos ist der bestimmende Faktor für das mitteleuropäische Wetter. Zwischen dem stabilen, im Winter eisigen Kontinentalklima im Osten und dem wechselhaft-milden Atlantikklima im Westen sitzt auch Franken beim Wetter zwischen den Stühlen: Entscheidend für "unner Wädder" ist die Position der Drucksysteme. Der Klassiker ist Islandtief plus Azorenhoch: Da sich auf der Nordhalbkugel Tiefdruckgebiete gegen und Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, wird so milde und feuchte Luft vom Meer ins Land geschaufelt.

Die Vorgänge am Himmel sind dynamisch. Also bleiben diese Drucksysteme nicht ortsfest, und sie sind auch nicht alleine. Das Grundmuster kennt unzählige Varianten, an denen sich die größten Computer die Zähne ausbeißen; kleinste Veränderungen führen zu völlig anderen Resultaten. Beispiel: Zieht ein Atlantiktief zum Festland, ergeben sich für Deutschland je nach Zugbahn gänzlich andere Wetterverläufe: Wandert das Tief im Norden vorbei, zapft es kalte Polarluft an, entscheidet es sich für einen südlichen Kurs, weht ein Hauch von Mittelmeer...

Schon eine Prognose über das Verhalten der großen Drucksysteme ist schwierig bis unmöglich. Auf einigen Wetterportalen steht aktuell der "Polarwirbel" im Mittelpunkt, ein Drucksystem über dem Nordmeer, das die großen Luftströme beeinflusst. Weil die Polarregion bislang sehr mild ist, so heißt es, gerät dieser Wirbel durcheinander, und in der Folge habe mildes Westwetter hierzulande kaum eine Chance. Stattdessen drohten 2016/17 immer wieder Einbrüche eisiger Luft aus Russland. Die Mechanik ist korrekt beschrieben, pflichtet der DWD bei; sobald man aber versucht, aus großräumigen Klimaphänomenen kleinräumige Wettervorhersagen für längere Zeit abzuleiten, wird es esoterisch. "Dann könnte man ebenso sagen, der Winter wird hart, weil die Katze viele Mäuse frisst. Kann sein, kann aber auch nicht sein", sagt der Meteorologe Dominik Jung (wetter.net).


Faszination Volksweisheiten

All die Wissenschaft kommt aber am Ende doch nicht gegen die Faszination volkstümlicher Wetterprognosen an. Da menschelt es, auch wenn es an Präzision fehlt. So sollte es laut dem Hundertjährigen Kalender Anfang November "schön mild" gewesen sein und seit 10. November regnerisch und neblig. Auch im Sommer sieht der "Hundertjährige" oft alt aus: Den Hitzerekord in Kitzingen am 7. August 2015 hat der Abt aus Kloster Langheim im 17. Jahrhundert so vorhergesagt: "Den ganzen Tag Regen."

Zu Prominenz hat es auch die Königskerze von Sepp Hasslinger aus Benediktbeuren gebracht. Der 74 Jahre alte ehemalige Hüttenwirt las im Sommer 2015 am Blütenstand der Pflanze in seinem Garten ab, dass der Winter 2015/16 kalt und schneereich wird. Der Winter fiel aus. Heuer spricht Hasslingers Königskerze von einem milden Winter. Hat der Sepp diesmal recht, oder liegt er wieder daneben? Die Wahrscheinlichkeit für beide Optionen dürfte ziemlich genau gleich hoch sein ...

Prima, dass es auch in Franken eine Königskerze gibt und dass man sich auf die eher verlassen kann. Wilfried Küffner in Creußen lag in den vergangenen Jahren ziemlich gut mit seinen Prognosen. Entscheidend ist, so sagt er, dass man sich die Blütenstände der Königskerze zur richtigen Zeit anschaut, um Mariä Himmelfahrt (15. August). Im Sommer 2014 und 2015 zeigte die Wetterkerze in Oberfranken milde Winter mit wenig Schnee an. Passt.

Für 2016/17 rechnete Küffner nach dem Studium der Blüten mit einem frühen Wintereinbruch und Schnee Ende Oktober; bis Weihnachten soll es immer wieder mal krümeln, dann bleibt es bis Ende Februar 2017 wenig winterlich, aber im März könnte es noch einmal weiß werden in Franken.

Dass diese Prognose sich ganz gut mit den Modellen der europäischen und der amerikanischen Klimaforscher deckt, mag einer der vielen Zufälle sein, die das chaotische Wetter bestimmen. Aber vielleicht tun sich Pflanzen wirklich leichter zu spüren, was die besten Computer nicht berechnen können.

Orakel Wie wird der Winter? Offenkundig sind sich die Experten da nicht einig. Vielleicht sitzt die Wetter-Kompetenz ja in Franken. Also, infranken-Nutzer: Gibt es bei euch ein Wetter-Orakel, der fast immer Recht hat, eine Bauernregel, die sich immer wieder bewährt? Wissen Sie also, wie das Winterwetter wird?

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