Schön ist es hier schon lange. So soll es auch in Zukunft bleiben. Und zwar beides amtlich bestätigt. 1977 hat Oberleiterbach den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" gewonnen - und zwar auf Bundesebene. Inzwischen heißt der Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" und Oberleiterbach ist im Rennen um Gold wieder dabei. Den Kreiswettbewerb 2016 hat der Ort im Markt Zapfendorf bereits gewonnen - und ganz nebenbei noch einen weiteren Titel errungen: Bioenergiedorf. Es ist das erste im Landkreis Bamberg - eines von rund 120 in ganz Deutschland.

Der Titel "Bioenergiedorf" ist natürlich ein Pfund mit dem sich im Dorfwettbewerb ordentlich wuchern lässt, wissen auch Harald Hümmer und Reiner Zapf-Willmer, Vorstände der Energiegenossenschaft Oberleiterbach. Es steckt aber noch viel mehr dahinter, als der Wunsch erneut zum Golddorf gekürt zu werden. "Die Klimaallianz Bamberg hat sich die Energieautarkie bis 2035 zum Ziel gesetzt. Oberleiterbach hat die Energiewende heute schon mehr als erreicht", stellt Robert Martin, Klimaschutzbeauftragter des Landkreises, fest.

Dazu braucht es aber auch engagierte und fachlich versierte Mitstreiter vor Ort. Und zwar nicht nur aus dem technischen, sondern auch aus dem kaufmännischen Bereich. Denn "die Energiewende muss sich rechnen, sonst funktioniert sie nicht", sind sich Martin und Hümmer einig. In Oberleiterbach funktioniert es.

"In einem Bioenergiedorf wird das Ziel verfolgt, den überwiegenden Anteil der Wärme- und Stromversorgung auf die Basis des erneuerbaren Energieträgers Biomasse umzustellen", lautet die Anforderung an den vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vergebenen Titel. Das heißt, mindestens 50 Prozent des Energiebedarfs eines Ortes sollen aus regional erzeugter Bioenergie stammen.

In Oberleiterbach werden zwei Drittel der benötigten Wärmeenergie durch die örtliche Biogasanlage und das Heizhaus der Energiegenossenschaft geliefert. Mehr als die Hälfte der Haushalte im Dorf sind an das Nahwärmenetz angeschlossen. Überwachen und steuern lässt sich dieses Netz bis zu den einzelnen Abnehmern von einem Rechner im Heizhaus, der auf dem neuesten Stand der Technik ist, wie Zapf-Willmer erläutert. Wobei die Hackschnitzelheizung nur zur Abdeckung der Spitzenlast bei extremer Kälte oder als Sicherung bei einem Ausfall der Biogasanlage benötigt wird.

Beim Strom sind die Oberleiterbacher noch einen Schritt weiter: 100 Prozent beträgt hier die Selbstversorgungsquote. Ins Netz eingespeist wird noch mehr. Und es wird vor Ort sogar ein Vielfaches des Eigenbedarfs aus erneuerbaren Energien produziert, wenn man die große Photovoltaikanlage auf dem Gebiet der ehemals selbstständigen Gemeinde dazu nimmt, rechnet Martin vor.

Auch die weiteren Anforderungen an ein Bioenergiedorf erfüllt Oberleiterbach locker: Die entsprechenden Anlagen sollen sich mindestens teilweise im Eigentum der Wärmekunden oder der Landwirte vor Ort befinden, die nachhaltig bereitgestellte Biomasse aus der unmittelbaren Umgebung stammen, heißt es. 34 Mitglieder zählt die Energiegenossenschaft derzeit. Sie sorgen für eine Anschlussquote, ohne die das Nahwärmenetz nicht wirtschaftlich zu betreiben wäre.

"Die Idee dafür wurde 2009 bei den Vorbereitungen zur Dorferneuerung geboren", erinnert sich Harald Hümmer. Ohne die positive Resonanz der Dorfgemeinschaft wäre das Vorhaben jedoch nicht realisierbar gewesen. Heute ist es sogar ein Vorzeigeprojekt für interessierte Besucher, die bis aus China und Afrika nach Oberleiterbach, das oberfränkische Dorf mit Zukunft, kommen.