Rechts die Turnhalle der Schule, links der Kindergarten "Regenbogen" und in der Mitte eine große Baustelle. In der Friedrich-Ebert-Straße in Oberhaid geht seit November letzten Jahres eine unübersehbare Veränderung vor sich: Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) baut hier eine Wohnanlage mit 48 Plätzen für Pflegebedürftige und 16 behindertengerecht gestalteten Eigentumswohnungen. Zum Pflegebereich gehören Gemeinschaftsräume, in denen alle Bürger der Gemeinde und von außerhalb willkommen sind. Zur Wohnanlage gehört ein Hol- und Bring-Service, der dafür sorgt, dass alle, die möchten, an der Gemeinschaft teilhaben können.

Die Oberhaider Vereine wie Ortskultur-, Obst- und Gartenbauverein haben schon jetzt, lange vor Abschluss der Bauarbeiten, angeklopft, um durch Veranstaltungen das neue Wohnheim zu einem Zentrum des gemeinschaftlichen Zusammenseins zu machen. Ein Sommerfest zusammen mit dem Kindergarten ist als erstes generationenübergreifendes Projekt bereits in Aussicht und die Kinder freuen sich auf kommende Oma- und Opa-Tage im neuen Haus. Denn allem demografischen Wandel zum Trotz ist der Oberhaider Kindergarten mit 100 Kindern voll besetzt.

"Oberhaid ist eine familienorientierte Gemeinde, man könnte fast schon sagen, ein Verbund von Großfamilien", erzählt Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD). Der Bau des Komplexes ist deshalb auch ein Versuch, auf die daraus folgenden Bedürfnisse einzugehen. "Die Pflegeheime im Umkreis sind überfüllt, so dass die Menschen, wenn sie zum Pflegefall werden, oft 60 oder 70 Kilometer weit wegziehen müssen - das reißt Familien auseinander", schildert Joneitis die Situation.

Doch nicht nur Senioren werden vom Konzept der Awo angesprochen. "Wir haben auch Anfragen von behinderten Menschen bekommen. An den Eigentumswohnungen besteht ebenfalls ein großes Interesse", berichtet Werner Dippold, Geschäftsführer der Awo in Bamberg. Ein noch berufstätiges, kinderloses Ehepaar um die 50 zum Beispiel möchte das bisherige Haus verkaufen und sich eine Eigentumswohnung in dieser neuen Gemeinschaft nehmen. Eine Frau würde gern ihre Mutter, die sich nicht mehr selbst versorgen kann, im Pflegebereich unterbringen und sich selbst eine der Eigentumswohnungen kaufen, um möglichst nah bei ihr zu sein.

Neben der Möglichkeit des dauerhaften Wohnens besteht noch die Möglichkeit der Kurzzeitpflege. Eine Sozialraumanalyse, die 2009 in Oberhaid durchgeführt wurde, zeigt, dass der Bedarf in diesem Bereich besonders groß ist. Werner Dippold ist stolz: "Diese Option entlastet die Angehörigen. Viele Heime haben gar nicht die Möglichkeit, so etwas anzubieten, wir können das von vornherein einkalkulieren." Kurzzeitpflege ermöglicht Familien, die sich selbst um die pflegebedürftigen Angehörigen kümmern, auch einmal in den Urlaub zu fahren oder einen Ausflug zu machen.

Eine ältere Dame, die mit ihrem Gehwagen an der Baustelle vorbeiläuft, findet, dass "das neue Heim eine gute Sache" ist. "Ich freu' mich darüber, auch wenn ich nicht einziehe oder es vielleicht nicht mehr erlebe, dass es fertig wird."

"Der Pflegebereich als erster Bauteil wird plangemäß im Frühjahr 2013 bezugsfertig sein. Und auch die Eigentumswohnungen werden im nächsten Jahr fertig", erklärt Werner Dippold. Aber jetzt freuen sich die Oberhaider erst einmal auf das Richtfest, das noch im September gefeiert werden soll.