Die Marktgemeinde stößt bei der Ausweisung von Gewerbeflächen im Umfeld des Möbelhauses Neubert an ihre Grenzen. Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrserschließung zwischen der Autobahn-Anschlussstelle und der Staatsstraße Richtung Altendorf können weitere Unternehmen kaum noch angesiedelt werden. Deutlich wurde dies aufgrund der Ablehnung des Bebauungsplans für das neue Gewerbegebiet "Hohe Beete I" durch die Verkehrsbehörde am Landratsamt und auch die Bezirksregierung ließ sich für das Gesamtkonzept nicht überzeugen.

Im Winkel Industriestraße/Maximilianstraße sollen zwei weitere Möbelgeschäfte entstehen: ein 2000 Quadratmeter großes Plana-Küchenland und ein Möbeldiscounter "Poco" mit einer Verkaufsfläche von 8000 Quadratmetern. Auf Empfehlung der Bezirksregierung wurde der Bauleitplan geteilt, da für das kleinere der beiden Projekte rasch und problemlos grünes Licht zu bekommen ist, auch von der Bamberger Verkehrsbehörde. Durch das weitere Küchenfachgeschäft entsteht aller Voraussicht nach keine erhebliche Verkehrsbelastung, auch wenn Gemeinderat Klaus Busch (WG Hirschaid) jedes weitere Auto in dem Gebiet eins zu viel ist.

Hinsichtlich des Möbeldiscounters, der sich wie andernorts ganz bewusst in der Nähe eines Markenhändlers platzieren möchte, verlangt die Regierung von Oberfranken die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens.


Gutachter soll prüfen



Außerdem wird, wie Ingenieur Frank Schönfelder vom Planungsbüro Strunz berichtete, der Bauherr des Poco-Marktes die Auswirkungen der geplanten Filiale auf die Frequentierung des Verkehrskreisels sowie auf die Erschließungsstraßen gutachterlich prüfen lassen. Eine eventuell notwendige Ertüchtigung des Verkehrskreisels am Eingang zum Gewerbegebiet könne man vertraglich dem Bauherrn des Möbeldiscounters zur Auflage machen, erläuterte der Stadtplaner. Schwieriger wird es aber, wenn die seit langem ins Auge gefasste östliche Entlastungsstraße erforderlich wird.

Sollte dies zur Auflage gemacht werden, stirbt nach Ansicht von Bürgermeister Andreas Schlund (CSU) nicht nur der Bau des neuen Möbelgeschäfts, dann "passiert dort die nächsten 20 Jahre nichts mehr!" Über Planung, Grunderwerb und das Genehmigungsverfahren vergingen allein schon fünf Jahre. Und da ist vom finanziellen Aufwand noch gar nicht die Rede. "Derzeit können wir uns die große Lösung unmöglich leisten," warnte Hans Wichert von der WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand.

Eine Salamitaktik witterten Georg Kestler und Kurt Barthelmes von der Freien Wähler-Fraktion. Sie wünschten erst das Gesamtkonzept für die Verkehrs- und Bauleitplanung, während Elke Eberl sich weniger bange machen lässt: "Wir können uns nicht länger dagegen sperren, dass in dem Gebiet etwas vorangeht," meinte die CSU-Gemeinderätin.


Eine Gegenstimme



Als einziger war SPD-Gemeinderat Josef Haas kategorisch gegen die beiden Bauvorhaben. Die weitere Versiegelung des Bodens ist ihm ein Graus, die Eingriffe in die Lebensräume von Bodenbrütern und Eidechsen ebenso und schließlich bekannte Haas seine Abneigung gegen den Wachstumsfetischismus.

So wurden alle Beschlüsse zur Fortsetzung der Bauleitplanung für das Baugebiet "Hohe Beete I" mit einer Gegenstimme gefasst. Die Pläne werden nach Einarbeitung der Stellungnahmen zu den Erinnerungen der Träger öffentlicher Belange erneut zur Einsichtnahme aufgelegt. Unter den geforderten Auflagen ist bemerkenswert, dass das Landratsamt Bamberg für beide Märkte die Versickerung des Niederschlagswassers fordert. Eine Ableitung in einen Vorfluter oder in die vorhandene Mischwasserkanalisation wird nicht gestattet. Deren Kapazität ist ohnehin schon erschöpft, räumte Stadtplaner Schönfelder ein.