Zeit rettet Leben. Die direkte Internetverbindung zwischen Rettungsdienst und Klinik spart Zeit. Diese beiden Faktoren genügen schon, damit Hendrik Bachmann, Chefarzt für Kardiologie und Intensivmedizin an der Juraklinik Scheßlitz, den Sinn und Zweck der neuen sogenannten telemedizinischen Anbindung aufzeigen kann.

Seit dem 17. Februar kommt die digitale Datenübertragung zwischen den Rettungsdiensten im Landkreis und den beiden Kliniken in Scheßlitz und Burgebrach zum Einsatz. Sie sind damit Vorreiter in Franken. Der Vorteil: Notfallpatienten kommen mit Voranmeldung in die Klinik. Dort hat man dann wichtige Angaben über den Patienten und die Art der Verletzung oder Erkrankung vorliegen und kann entsprechende Vorbereitungen treffen, schon bevor der Rettungswagen eintrifft.

Voraussetzung ist natürlich, dass die Sanitäter alle relevanten Erkenntnisse und Daten in ein Tablet eingeben. Möglich ist es beispielsweise auch, gleich ein EKG oder andere Messwerte zu übermitteln. Über drei Stufen, grün, gelb und rot können die Sanitäter die Dringlichkeit des Falles vorab übermitteln. Die Kliniken können dann auch oft schon auf Patientenakten zurückgreifen, Führt Bachmann zudem an. Schließlich seien viele schon einmal zur Behandlung da gewesen.

Einfachere Erfassung

Doch macht das den Sanitätern nicht zusätzliche Arbeit? "Wir haben schon jetzt viel Dokumentationsarbeit und müssen alles in dreifacher Ausfertigung handschriftlich erfassen", sagt Karl-Heinz Utzmann, Leiter des BRK-Rettungsdienstes in Bamberg. Mit dem Tablet kann alles schneller übertragen werden. "Man darf halt dabei nur nicht vergessen, den Patienten weiter zu beatmen", fügt er, nicht ganz ernst gemeint, hinzu. Das das ohne Weiteres funktioniert demonstriert Utzmanns Kollege von der Scheßlitzer Rettungswache, Johannes Arneth.

Die Digitale Anbindung ist schließlich auch ein Projekt der Rettungsdienste. Die Einführung wird zu 100 Prozent staatlich gefördert. Die Kliniken beziehungsweise deren Träger müssen dagegen derzeit selbst in die Tasche greifen, wenn sie sich an dieser sinnvollen Sache beteiligen wollen. Ursache dieser Diskrepanz ist, dass das Rettungswesen dem Innenministerium zugeordnet ist, Kliniken - und auch Notärzte - dagegen dem Gesundheitsministerium.

Stille Post entfällt

Einen weiteren Vorteil des Systems für die Kliniken führt Marc Nettelmann, Leitender Notarzt für Bamberg/Scheßlitz an. "Das Stille-Post-Phänomen fällt weg", stellt er fest. Bislang nahm die Rettungsleitstelle den Notruf auf, informierte dann den Rettungsdienst, der meldete sich über Funk bei der Klinik, wo dann die Information an die Aufnahme oder die entsprechende medizinische Abteilung weitergegeben wurde. "Da wird aus einer Patientin, Jahrgang 79 mit Beschwerden XY, schon mal ein 79-jähriger Patient mit YX." Bei den 55 Patienten, die bis Freitagnachmittag digital vorangemeldet wurden, dürfte eine solche, nach Erfahrungen sowohl der Ärzte als auch der Sanitäter beinahe alltägliche Fehlmeldung nicht vorgekommen sein.