Es geht um ein Baugebiet, um das in Bamberg seit elf Jahren gerungen wird - ohne sichtbares Ergebnis. Rund 100 Baurechte sollen auf einer Terrasse oberhalb der Regnitz entstehen: für 45 frei stehende Einfamilienhäuser, 54 Ketten- und Reihenhäuser und 16 Geschosswohnungen, ein Angebot, das im ausgehungerten Bamberger Immobilienmarkt auf großes Inter-esse stoßen dürfte.

Doch wenige Tage vor dem voraussichtlichen Ende des Verfahrens spricht Georg Wörner, Chef der benachbarten Brauerei Kaiserdom, von Wortbruch und von einer Normenkontrollklage. Bis Juli sei er davon ausgegangen, dass im städtebaulichen Vertrag für das ehemalige Ziegelei-Gelände eine Klageverzichtserklärung eingearbeitet sein würde. Sie sollte es allen Käufern unmöglich machen, nach dem Hausbau gerichtlich gegen die Imissionen der Brauerei vorzugehen. Doch die Verzichtserklärung gibt es offenbar nicht.

Das hat Folgen: Wenn am Mittwoch der Satzungsbeschluss für das neue Baugebiet mit rund 100 Baurechten wie geplant fallen sollte, dann wird dies also eines nicht bedeuten - einen schnellen Einstieg in die Besiedlung der Industriebrache. Wörner droht, alle rechtlichen Hebel in Bewegung zu setzen, um den Bebauungsplan zu torpedieren, sollte der Stadtrat seine Argumente wegwischen. Der Unternehmer fürchtet "den Anfang vom Ende" für die seit 1967 an der Breitäckerstraße gelegenen Brauerei, würde man die Existenz des Standorts nicht in der von ihm gewünschten Weise absichern. "Es geht hier um 140 Arbeitsplätze. Wir sind das größte Unternehmen in Bamberg-West und ein wichtiger Gewerbesteuerzahler."


Bis zur Schnüffelstudie

Der Konflikt Wohngebiet neben Brauerei kocht nicht zum ersten Mal hoch. Um die Bauplätze auf einstigem Lehmabbaugebiet möglich zu machen, wurde eine ganze Reihe von Untersuchungen angestellt - bis hin zu einer Schnüffelstudie genannten "Geruchsrasterbegehung". Dafür haben Spezialisten der Intensität von Bierduftstoffen rund um Kaiserdom nachgespürt - zu Kosten von 30 000 (!) Euro.

Neben dem zuletzt 90-seitigen Katalog von Anmerkungen zum Planverfahren gibt es weitere Kritikpunkte. So haben Gerhard Henzler und sechs renommierte Mitstreiter dem Stadtrat am Wochenende eine aus acht Forderungen bestehende Resolution übermittelt.

Ziel ist es, "nach elf Jahren doch noch eine Denkpause zu erreichen".
Henzler, der Ende der 80er Jahre mit großem Erfolg die Ökosiedlung Cherbonhof konzipierte, kritisiert nicht nur die mangelnde Ästhetik des Neubaugebiets und die große Zahl von "Energie und Flächen fressenden frei stehenden Einfamilienhäusern".

Er prangert außerdem an, dass Bamberg die Chance verpasst, zum Vorbild zukunftsorientierten Städtebaus zu werden und jungen Familien ebenso wie älteren Menschen eine qualitätvolle Heimat zu geben. Die sieht er in außen liegenden Gemeinschaftsgärten und vor allem in Atriumreihenhäusern, die nach dem Vorbild am Cherbonhof zu Gruppensiedlungen zusammengefasst werden, was Gärten mit Privatsphäre ebenso wie großzügigen öffentlichen Freiraum möglich mache - ohne die eigenheimtypische Gefahr der "sozialen Isolation". Sogar mehr Baurechte seien so möglich. Ca. 60 Prozent, schätzt Henzler.


Eigentümer ist verwundert

Bei Eigentümer Andreas Gumbmann löst diese Sichtweise Verwunderung aus. Gumbmann bezeichnet den Entwurf seines Architekten Franz Ullrich als sehr gelungen, gerade unter sozialen Gesichtspunkten. Mit dem Baulandmodell der Stadt "ist für fast jeden Geldbeutel etwas dabei". Auch das Nein zu einer Klageverzichtserklärung begründet er: Jenseits der auch als Lärmschutz dienenden Geschossbebauung sei diese Einschränkung im Grundbuch nicht nötig.

Im Stadtrat sind die Meinungen geteilt. Den Grünen spricht Henzler mit seiner Forderung nach einer verdichten Bauweise "aus der Seele". "Einfamilienhäuser sind ein Auslaufmodell", findet auch Ursula Sowa.
Helmut Müller (CSU) warnt dagegen davor, den Zug für eine Minderheit nach so vielen Jahren noch einmal aufzuhalten "Seit 15 Jahren wird über eine zweite Ökosiedlung geredet, aber es fehlt bis heute an Interessenten dafür."