Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) sieht schon die Felle für die Region davonschwimmen: "Wenn der dritte Nationalpark in Bayern im Spessart errichtet wird, dann bedeutet das einen riesigen wirtschaftlichen Schaden für den Steigerwald", sagt er. Beispiel öffentlicher Nahverkehr: Der Steigerwald leidet laut Schneider darunter, dass er unter drei Gebietskörperschaften getrennt ist. Wer von Ebrach in den Landkreis Schweinfurt wolle, müsse über Bamberg fahren. Durch einen Nationalpark im Steigerwald könne es gelingen, die Netze so miteinander zu verknüpfen, dass alle einen Vorteil davon hätten.

Schneider war einer von mehreren Befürwortern eines Nationalparks, die am Montag zu einer Pressekonferenz in Bamberg eingeladen hatten. Gemeinsam richteten Bewohner der Steiger-waldregion, aber auch Naturschützer aus ganz Bayern einen letzten, fast etwas verzweifelt klingenden Appell an die Kommunalpolitiker in Franken, die Gelegenheit für eine solche, national bedeutsame Bildungs- und Forschungseinrichtung nicht achtlos wegzuschieben.


2017 fällt die Entscheidung

Dabei geht es in einem ersten Schritt nicht einmal um die Frage ob Naturpark oder Nationalpark. Der Steigerwald solle nur die Chancen wahren und in das Auswahlverfahren für den dritten Nationalpark aufgenommen werden, forderte der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) Hubert Weiger. Schon bald könne es zu spät sein. Weiger rechnet 2017 mit einer Entscheidung für eine der mindestens vier Regionen im Freistaat, die sich derzeit im Rennen befinden, u.a. Spessart und Rhön.


Konkunkturprogramm erster Güte

Für den BN-Chef haben sich die Ausgangsbedingungen der Debatte grundsätzlich verschoben. "Es ist jetzt klar, dass ein dritter Nationalpark in Bayern kommen wird. Die Steuergelder bis zu 20 Millionen Euro im Jahr werden ausgegeben. Wenn sich der Steigerwald nicht bewegt, dann eben anderswo." Auch inhaltlich fühlt sich der BN bestätigt. Viele seiner Argumente für einen Nationalpark fänden sich auf der Seite des Umweltministeriums www.np3.bayern.dewieder. Dort ist auch von einem Konjunkturprogramm erster Güte für die Region die Rede.
Für Weiger ist deshalb auch klar, dass die Bedingungen, unter denen Gemeinden im Verlauf der zehnjährigen Debatte ihre Ablehnung erklärt hatten, heute nicht mehr zutreffen. "Die Karten sind neu gemischt. Wir appellieren an die Politik, neu nachzudenken. Die Bevölkerung hat sich bereits bewegt."

Ob dies wirklich so ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Zwar verweisen die Befürworter auf die Ergebnisse einer repräsentativen Emnid-Umfrage. Demnach soll die Zustimmung auch in der Steigerwald-Kernregion um 14 Punkte auf 50 Prozent gestiegen sein. Doch die Nationalparkgegner um Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) weisen das als abwegig zurück.

Benedikt Schmitt vom Verein Nationalpark nimmt in dieser Situation den Freistaat in die Pflicht. "Wer sagt, dass die Mehrheit gegen einen Nationalpark sei, soll es mit einer Befragung beweisen."


Kommentar des Autors:

Erst prüfen, dann entscheiden

Zehn Jahre wird in der Region diskutiert. Nicht immer mit dem nötigen Sachverstand, nicht immer mit der gebotenen Sachlichkeit.

Dennoch hat der Streit um Sinn und Unsinn eines großen Schutzgebietes im grünen Herzen Frankens viel bewirkt.

Weder den Baumwipfelpfad in Ebrach und noch das Nachhaltigkeitszentrum in Handthal würde es heute geben, hätte sich der Bamberger Altlandrat Günther Denzler (CSU) im März 2007 nicht hingestellt und sich - allen Anfeindungen zum Trotz - für ein politisches Ziel ausgesprochen, das er für zukunftsträchtig hielt: erst einen Nationalpark, dann ein Weltnaturerbe im Steigerwald.

Wie umkämpft das Ganze sein würde, erwies sich erst danach. Denzler mag das Großprojekt ungeschickt angegangen sein - es war vor allem der Freistaat, der bis heute seine Moderationsaufgabe nicht wahrgenommen hat und der nicht für Information sorgte, wo der Stammtisch regierte.

Bis heute sind die wesentlichen Steigerwaldfragen nicht geklärt. Man muss kein Befürworter sein, um zu sagen: Sollte unsere Region aus dem Suchfeld für einen Nationalpark ausscheiden, ist eine große Chance vertan.

Eine Binsenweisheit: Fundiert entscheiden kann nur, wer genug Informationen hat.