"Die Beschäftigten lassen sich nicht an der Nase herumführen. So müssen wir eben mit Warnstreiks den Druck auf die Deutschen Post AG erhöhen", unterstrich Patrick Gerson, Gewerkschaftssekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Bayernweit traten am Mittwoch zahlreiche Postbeschäftigte in den Warnstreik - auch in Bamberg, wo rund 40 Briefträger und Zusteller ihre Arbeit vorübergehend niederlegten.

Im Paketzentrum der Niederlassung Würzburg, zu dem auch Bamberg gehört, ist es inzwischen der dritten Streik. Das bekommt auch die Bevölkerung zu spüren: Rund 15 000 Briefe und an die 4000 Pakete blieben gesten liegen und konnten in Bamberg sowie in den Gemeinden Litzendorf, Memmelsdorf, Gundelsheim und in Teilen des Zustellstützpunktes Hirschaid nicht zugestellt werden.

36-Stunden-Woche soll her

Die Streikenden fordern die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. "Das Paketaufkommen nimmt immer mehr zu und damit auch die tägliche Arbeitsbelastung", schilderte Gerson. Damit aber die Postbeschäftigten auch noch ihr Rentenalter erreichen, müssten die Beschäftigten dringend entlastet werden.

Hinzu komme noch der Bruch des Vertrages zum Schutz vor Fremdvergabe durch die Deutsche Post AG und ihre Flucht aus dem bestehenden Haustarifvertrag. Mit dem Aufbau eines flächendeckenden Netzes für die Paketzustellung in den zu diesem Zweck zum Jahresanfang gegründeten 49 Regionalgesellschaften verstoße die Deutsche Post AG gegen den zwischen den Tarifvertragsparteien abgeschlossenen Schutzvertrag. Er regelt, dass das Unternehmen bei der Zustellung von Briefen und Paketen maximal 990 Paketzustellbezirke an konzerninterne oder externe Unternehmen vergeben darf. Für diesen Schutz verzichten die Beschäftigten unter anderem auf Kurzpausen und arbeitsfreie Tage. Mit der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich soll dieser Vertragsbruch kompensiert werden, fordert die Gewerkschaft Verdi.

Die Deutsche Post lehnt ein Entgegenkommen für ihre rund 140.000 Tarifkräfte bislang ab. Daher schließt Gerson nicht aus, dass es in den nächsten Tagen in der Region Bamberg zu weiteren Warnstreiks kommen könnte. Wie es nach den Verhandlungen am 8. und 9. Mai weitergeht, hängt laut Gewerkschaft von der Arbeitgeberseite ab. Sollte die Deutsche Post weiter kein vernünftiges Angebot vorlegen, scheue man auch nicht vor der Ausweitung der Streiks zurück.