Mürsbach hat Gold. Nach 12.03 Uhr verbreitete sich am Donnerstag die frohe Kunde zwar nicht via Verkündhaus, dafür aber via Handy, Facebook und Telefon im ganzen Ort. Um 12.03 hatte Anton Hübl, Leiter der Bewertungskommission "Unser Dorf hat Zukunft", Sabina Sitzmann-Simon persönlich über den Sieg unterrichtet. Ab da bewegte sich der ganze 400-Seelen-Ort allmählich auf den emotionalen Ausnahmezustand zu.

Für die Präsentation des schmucken Fachwerk-Ortes am Dienstag im Landeswettbewerb hatten sich die Bewohner in einer konzertierten Gemeinschaftsaktion intensiv vorbereitet und die 12-köpfige Kommission mit positiven Eindrücken regelrecht überwältigt. So stellte es sich zumindest für den Beobachter dar. Sabina Sitzmann-Simon, Sprecherin aller Ortsvereine, hatte die Expertengruppe mit ebenso großem Engagement wie Kompetenz und Emotion durchs Dorf geführt. Sie war die Ansprechpartnerin für die Kommission und so erfuhr sie auch als Erste vom Sieg.

"Sicherheitshalber hatten wir keine Feier vorbereitet", verrät sie zwischen Telefonaten und Handy-Gesprächen um 12.10 Uhr. Man habe lieber etwas tiefgestapelt bei den eigenen Erwartungen, damit die Enttäuschung nicht so groß würde, sagt sie. Mit der früheren Gemeindeglocke und mit dem Fahrrad machte sie sich umgehend auf den Weg durchs Dorf, um alle an der Freude teilhaben zu lassen. Mit Maria Süppel, ihrer "Vize", wie Sitzmann-Simon sie liebevoll nennt, startet sie hupend einen Mini-Autokorso. "Die Müllmänner dachten schon, wir wollen uns beschweren", lacht Maria Süppel. Aber dann erklärten die Damen den Herren, dass diese den Müll aus Bayerns schönstem Dorf wegräumen.

Irgendwann, nachdem diejenigen in Kenntnis gesetzt sind, die am meisten mitorganisiert haben, steht fest, dass um 14 Uhr in der Sutte gefeiert wird. Genauer gesagt ab 14 Uhr. Aber das steht da noch nicht fest. Zwischen Infranken-Online-Portal, Lokalradio, Handy und Facebook ist der ganze Ort unterwegs. Nadja Hälterlein hat zuerst eine SMS ihrer Pferde-Freundin Sibylle Schmittlutz erhalten, dann ins Netz geschaut und schließlich selbst die Eltern angerufen, die nach der Präsentation in den Urlaub gefahren sind. "Die fiebern so mit, die müssen es unbedingt gleich erfahren", sagt die Tochter. Nach dem Gespräch mit der Zeitung wird auch sie eine Zeit lang nicht von Handy und Telefon wegkommen. Wie die ganzen Mürsbacher, die jetzt noch nicht auf der Straße sind und ihren Gefühlen freien Lauf ließen, bis sie endlich in der Sutte zum Feiern zusammenkommen. Warum die Sutte? "Weil dorthin alle gleich weit müssen", erklärt Sitzmann-Simon in der Sutte.

Dorthin treibt es auch den Rattelsdorfer Bürgermeister. Bruno Kellner (VU), das stellen vor allem die Damen fest, trägt heute einen grauen Anzug (nach dem braunen vom Wettbewerbs-Dienstag). Kellner herzt, kost und gratuliert allen an der Sutte Versammelten. Dann muss er ins Landratsamt. Claudia Kühnel, Kreisfachberaterin vom Landratsamt hat heute eigentlich frei, wie Sitzmann-Simon weiß. Dann kommt die Beraterin jedoch höchstpersönlich und wird mit tosendem Applaus empfangen. "Sie hat uns gecoached", erklären die Mürsbacher begeistert, prosten sich zu, umarmen, ja feiern sich. Eine richtige Feier wird es mit Sicherheit noch geben, sagen Süppel und Sitzmann-Simon. Sie und die anderen Feiernden haben auch schon Pläne für den Bundeswettbewerb: Mit einem Kreativkinderspielplatz und Bäumen an den Bänken in der Flur....

Auch Kemmern ist stolz


Die Kemmerner sind gleichfalls stolz auf ihre Leistung, zu Bayerns schönsten 15 Dörfern zu gehören. So stieß man auch hier auf die Leistung an. Aus dem Wettbewerb nimmt Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) Anregungen von außen und somit neue Impulse mit. Auch die Erfahrungen möchte er nicht missen. Für die Mürsbacher freut er sich. Dass nicht zwei Dörfer aus demselben Regierungsbezirk weiterkommen würden, sei indes fast klar gewesen.

Wieder im Rathaus, kommt Bürgermeister Bruno Kellner gar nicht aus dem Schwelgen. "Besser geht's nicht", bringt er es auf den Punkt. Zusammen mit Sommerach und Böbing (Landkreis Weilheim-Schongau) die Nummer 1 zu sein, "das ist schon was". Ein Riesenkompliment zollt er den Mürsbacher Akteuren. Der grandiose Erfolg werde noch zu feiern sein, verspricht er. Die Mürsbacher indes saßen ihrerseits trotz zeitweiligen Regens gestern noch lange beisammen.