Im mittelalterlichen Paris und nicht nur dort gab es einen absonderlichen Brauch: Vor den Altar wurde ein Esel geführt und zur von einem Narrenbischof zelebrierten Messe sang die Gemeinde Zweideutiges und imitierte Tierlaute wie eben das Iah des Grautiers.

Nun, so extrem wird es am Faschingssonntag im Hegelsaal der Konzerthalle nicht zugehen. Lebende Tiere haben nun mal keinen Zutritt in die heiligen Hallen der Bamberger Symphoniker. Sagt Bratschist Christof Kuen, der als eine Art Oberorganisator des Faschingskonzerts wirkt. Das sich, ganz seriös, in die Kammermusikreihe der Bamberger Symphoniker einfügt und mit dem in Bamberg bestens bekannten Minitheater-Impresario und Vortragskünstler Martin Neubauer einen kongenialen Mitstreiter gefunden hat. Eine in früheren Konzerten bereits bewährte Kooperation, übrigens.

Sich tierisch zu vergeigen, ist wohl Inhalt schwärzester Symphoniker-Alpträume. Ein Faschingskonzert "Tierisch vergeigt" zu nennen hingegen so abseitig nicht. Wenn der Untertitel dann noch lautet "Neues aus dem Orchesterzoo" ist die Richtung noch deutlicher vorgegeben. Die Neubauers neue Nummer, eine "Welturaufführung", "Nei die Symphoniker", ebenso einschlägt. Also abwechselnd Musik und Dichtkunst wird geboten sein.

Sich ergänzend und immer unter dem Leitmotiv "Tier" stehend. Nein, aus "Peter und der Wolf" wird nichts gespielt. Dafür der "Hummelflug" Rimski-Korsakows in einer Bearbeitung für Bläser.
Denn es spielen das Berganza-Streichquartett um Christof Kuen und ein Bläserquintett mit Horn, Oboe, Querflöte, Fagott und Klarinette.
So gesellt sich Karl Valentins "Zoobesuch" zu Klassikern von Haydn und Mozart, Gedichte von Storm ("Morgen im Hühnerstall") und Heine zu Anton Rázeks "Katzenständchen". Ganz modern wird's mit Paul Hindemiths "Mistfinken" und dem italienischen Komponisten Luciano Berio ("Opus Number Zoo"). Aber nicht so modern, dass irgend jemand verschreckt würde, auch wenn die Musik manchmal "lautmalerisch bis zum Skurrilen" sein soll.
Neubauer wäre nicht Neubauer, hätte er seine musikalischen Mitstreiter nicht zum Vergessenen, Abseitigen gedrängt. So hat Mozart nicht nur komponiert, sondern auch gedichtet: "Der kunstreiche Hund" ist ein "skurril-zwielichtiges Gedicht", sagt das Faschingskonzertduo, und es wird in einer "Welturaufführungsminiatur" zu Gehör gebracht. In 30 Minuten zusammengeschnipselt, gestehen Kuen und Neubauer. Viel besser als die Berliner Philharmoniker, die sich monatelang mit der Rekonstruktion von Bruckners fragmentarischer Neunter Symphonie befassten.

Was ist überhaupt komische Musik?

Schubert behauptete ja, die könne es gar nicht geben. Sie entsteht aus Verfremdung, Übertreibung, Brechung, stellt Martin Neubauer eine These auf, und Kuen stimmt ihr zu. Musik kann man auch auf Nichtinstrumenten erzeugen, wie die singende Säge oder das Wiener Gemüseorchester beweisen. Musikparodien sind wieder ein anderes Feld (man suche auf Youtube einmal nach Spike Jones).
Wie dem auch sei, für einen launigen Sonntagvormittag dürfte gesorgt sein.