Dank einiger bildhauerischer Werke an stark frequentierten Plätzen sorgt Kunst unter freiem Himmel in der Weltkulturerbestadt Bamberg immer wieder für Gesprächsstoff. "In Bamberg wird das Thema sehr stark durch den Skulpturenweg bestimmt", meint Architekt Christoph Gatz. Er moderierte eine Diskussion, die im Rahmen des Kontaktfestivals stattfand.

Und weil einige der Kunstobjekte - man denke etwa an die "Liegende mit Frucht" von Fernando Botero am Heumarkt oder den "Apoll" von Markus Lüpertz an der Elisabethenkirche - durchaus umstritten sind, bat Gatz seinen Mitdiskutanten Bernd Goldmann, noch einmal zu erklären, ob Bamberg den Skulpturenweg wirklich "nötig hat".

Pro und Contra

Goldmann, langjähriger Leiter des Internationalen Künstlerhauses "Villa Concordia" und auch im Rentenalter noch umtriebiger Kulturschaffender, hatte einst die Botero-Ausstellung nach Bamberg geholt. Ohne ihn gäbe es den Skulpturenweg nicht.

Goldmann antwortete: "Nein, nötig hat die Stadt ihn nicht. Bamberg ist eine Kulturstadt. Aber durch die Zwiesprache zwischen historisch gewachsener Architektur und moderner Kunst schafft er eine zusätzliche Facette."

Als besonders gelungenes Beispiel nannte Goldmann das Pfahlplätzchen, wo die Pfahlskulptur von Joannis Avramidis besonders gut mit den umliegenden Gebäuden und dem Chor der Oberen Pfarre im Hintergrund harmoniere.

Bernd Wagenhäuser, freischaffender Stahlbildhauer und seit 1981 in Bamberg tätig, beklagte, dass in der Stadt zu wenig Wettbewerbe für bildende Künstler ausgeschrieben würden. Wagenhäuser hat unter anderem den Skulpturenpark auf der Wiese neben der Konzert- und Kongresshalle gestaltet und die Großskulptur am Markusplatz geschaffen.
"Wir haben für 40 Millionen Euro das Theater umgebaut", meint der gebürtige Hesse. "Aber für Kunst am Bau ist kein Geld da."

Auch Frage des Standorts?

Bürgermeister und Kulturreferent Christian Lange (CSU) gab zu bedenken: "Wir können nur das ausgeben, was der Stadtrat uns zur Verfügung stellt." Allerdings fördere die Stadt ja auch alternative Kulturveranstaltungen wie das Kontakt-Festival mit großzügigen Summen. Deshalb könne man nicht behaupten, dass vom Kulturetat nur die "Hochkultur" profitiere. Lange kann sich noch mehr Kunst unter Bambergs freiem Himmel vorstellen, wünscht sich aber eine Strategie, die berücksichtige, welches Kunstwerk an welchen Ort passe.

Stadtplaner Franz Ullrich, auch Vorstandsmitglied im örtlichen Kunstverein, stört sich daran, dass das Thema in Bamberg immer nur mit bildhauerischen Werken in Verbindung gebracht wird: "Der öffentliche Raum wird durch Skulpturen nicht zwangsläufig besser."

Stattdessen brachte Ullrich auch "grüne" Kunstwerke ins Gespräch, die sich in die Natur integrieren.

Martin Köhl, langjähriger Leiter der städtischen Volkshochschule und freier Autor, würde dagegen den öffentlichen Raum in Bamberg, auf dem Kunst zu bewundern ist, gerne erweitern: "Warum gibt es außerhalb des Weltkulturerbes so wenig davon?" Er machte auch konkrete Vorschläge: "Die Wiese neben der Uni in der Feldkirchenstraße wäre ein idealer Ort für Skulpturen."