Für den Kosovaren Yussuf K. (Name von der Redaktion geändert) hat sich die Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland nicht erfüllt. Anstatt sich nach seiner Einreise im Jahre 2013 eine finanziell sichere Zukunft aufzubauen, wurde er im Jahr 2015 wegen schweren Bandendiebstahls mit Sachbeschädigungen zu zwei Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. "Ich bin an die falschen Leute gekommen", so sieht er das heute.


Er will in die Heimat zurück

Am Montag wurde der 22-Jährige, der in der JVA Ebrach einsitzt, erneut verurteilt. Das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg verhängte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter räuberischer Erpressung. Jetzt will Yussuf K. eigentlich nur noch zurück ins Kosovo: "Ich möchte so schnell wie möglich in meine Heimat und ein neues Leben beginnen!"

Die Tat, wegen der er am Montag verurteilt worden ist, hat er nicht allein begangen. Sein gleichaltriger Komplize Ugur W. (Name ebenfalls geändert) leistete sogar den größeren Tatbeitrag. Der gelernte Bodenleger mit türkischer Staatsangehörigkeit ist zu einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.


Hämatome und Schürfwunden

Beide Häftlinge hatten am 11. Dezember 2013 von einem Mitgefangenen verlangt, ihnen Tabak zu beschaffen - als "Ausgleich" für eine vorangegangene Beleidigung, wie Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch in der Anklage vortrug.

Als sich der Mann weigerte, drückte W. ihn gegen das Fenster und K. schlug mit der Faust auf seinen Rücken. Dann zog W. den Mann aufs Bett, wo er erneut geschlagen wurde und man ihm weitere Repressalien androhte. Das Opfer erlitt Hämatome und Schürfwunden und hatte Schmerzen am Unterkiefer.

Vor Gericht musste dieser Mann gestern aber nicht aussagen. Richterin Marion Aman hat ihn und weitere Zeugen wieder nach Ebrach zurückgeschickt. Ihre Vernehmung war nicht mehr nötig, nachdem die beiden Angeklagten den gegen sie erhobenen Vorwurf über ihre Verteidiger eingeräumt hatten.

Ihren Geständnissen vorausgegangen war ein so genanntes Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten. An dessen Ende stand eine Verständigung, in der man sich über die mögliche Spanne der Strafen einig geworden war.

Staatsanwalt Rosenbusch zählte in seinem Plädoyer auf, was hinsichtlich der Strafzumessung für und was gegen die Angeklagten spricht. Zugunsten rechnete er beiden das Geständnis und das im Gerichtssaal ausgesprochene Bedauern an, außerdem die nur leichten Verletzungen, die das Opfer davon getragen hat.

Zu Lasten legte er dem Angeklagten Yussuf K. die "erhebliche Straftat", die diesem nur sieben Monate vorher zweieinhalb Jahre Jugendstrafe eingebracht hatte. Auch für Ugur W. schlug sich dessen Vorstrafenliste negativ aus. Das Bundeszentralregister weist für den 22-Jährigen gleich sieben Einträge aus. Kaum war er strafmündig, wurde er auch schon straffällig, fasste Rosenbusch zusammen.

Richterin Aman hatte zuvor im Rahmen der Beweisaufnahme aus dem Strafregister von W. vorgelesen: Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung mit versuchter räuberischer Erpressung, Beleidigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Besitz von Betäubungsmitteln und Handeltreiben damit, dazu vier Fälle von besonders schwerem Raub, wofür er zuletzt zu vier Jahren Jugendstraße verurteilt wurde. Drei Mal ist W. laut Aman in der Bewährungszeit erneut straffällig geworden.

Der Staatsanwalt konnte deshalb für beide Angeklagte keine positive Sozialprognose erkennen. Für Rosenbusch wog besonders schwer, dass die beiden in der Justizvollzugsanstalt gewälttätig geworden sind. "Das ist für mich ein ganz erheblicher Minuspunkt", denn sie säßen in der JVA, um sich zu bessern, und nicht, um weitere Straftaten zu begehen. Für W. forderte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, für K. ein Jahr und einen Monat. Der Verteidiger von W., Rechtsanwalt Christoph Jahrdörfer, beantragte ein Jahr und einen Monat, Rechtsanwältin Mareen Basler für ihren Mandanten Yussuf K. elf Monate.

Die Vorsitzende des Schöffengerichts, Aman, betonte in der Urteilsbegründung, dass diese Strafen "am untersten Rand des Möglichen" angesiedelt seien. Über die Frage einer Aussetzung zur Bewährung "brauche ich kein Wort zu verlieren", sagte sie.

Ein zweiter Fall, der in der Anklageschrift stand, war zu Beginn der Hauptverhandlung auf Antrag des Staatsanwalts eingestellt worden, weil dafür die zu erwartende Strafe im Vergleich zur Haupttat "nicht beträchtlich ins Gewicht fällt", wie es in der Strafprozessordnung heißt: Die beiden Männer hatten einen deutschen Mithäftling aufgefordert, sich beim Duschen eine Unterhose anzuziehen. Sie fühlten sich als Moslems durch dessen Nacktheit gestört. Als der Mann sich weigerte, schlugen sie ihn mit Fäusten ins Gesicht.