Gärtnern auf der Fensterbank, das funktioniert das ganze Jahr über. Oder wie sieht"s aus? "Das schon", schränkt Birgit Pfister ein. "Aber man bekommt nicht immer das gleiche Ergebnis. Eine Pflanze, die im November keimt und austreibt - unter den Lichtbedingungen wie man sie zu Hause - hat, wächst auch. Allerdings: Ein Sonnenblumenkeim, der jetzt aus der Erde kommt, verzweigt sich sofort, während er im Winter nur lang und schwach nach oben schießt. Geilwuchs nennt man das."

Deshalb beliefert das Bamberger Unternehmen "Green for Life", das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Aussaat- und Anzuchtsets spezialisiert hat, seine Großkunden auch nur in einer bestimmten Zeit. Produziert wird beinahe das ganze Jahr durch, ausgeliefert wird ab der ersten Kalenderwoche bis in den späten Sommer hinein. Und im Herbst geht es dann schon wieder mit Glücksklee für den Jahreswechsel los.


Kinder im Blick

Vor allem Kinder haben die Pfisters mit den Produkten im Blick. "Kindertaugliches gibt es auf dem Gartensektor nicht so viel", sagt Peter Pfister. "Kinder lernen und beobachten gern. Und sie wollen rasch Erfolgserlebnisse haben. Deshalb verwenden wir schnellkeimendes Saatgut."

In Töpfchen, im Eimer, im Mini-Gewächshaus lassen sich die Blumen und Kräuter heranziehen. Neben eigenen Produktlinien fertigt "Green for Life" vor allem nach den Vorstellungen der Kundschaft. "Jeder will es ein bisschen individuell. Und das, was die eine Handelskette verkauft, soll nicht genau so aussehen, wie die Ware für eine andere."


Lizenz für "Die Maus"

Zwei Marken-Lizenzen haben den Umsatz der Firma beflügelt. "Der kleine Maulwurf" und noch viel mehr "Die Maus". Peter Pfister: "Dieser Sympathieträger ist ideal für das, was wir anbieten. Er verkörpert Neugier und ist extrem positiv besetzt.

Wir haben tatsächlich rund 250 Lizenzen analysiert. Sehr viele Disney-Charaktere waren darunter, und alles mögliche andere. In letzter Konsequenz lief es immer auf die Maus hinaus. Der Westdeutsche Rundfunk hat sofort zugestimmt, weil die Verantwortlichen das Konzept, Kinder spielend die Natur entdecken zu lassen, überzeugt hat."


Ohne Torf und Kompost

Neben dem Saatgut ist das Herzstück jedes Fensterbank-Gartensets torf- und kompostfreie Anzuchterde, bestehend aus zerkleinerten Schalen von Kokosnüssen und Fasern aus den unteren Teilen des Kokosblatts. Entweder als loses Material im Päckchen abgefüllt oder zum Taler oder Block gepresst (der durch Zugabe von Wasser im Pflanzgefäß aufgelockert wird). Bezogen wird dieser nachwachsende Rohstoff aus Sri Lanka. In der Bamberger Gutenbergstraße werden die Sets zusammengestellt, verpackt, etikettiert, gelagert und ausgeliefert.

Zwischen 20 und 50 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. "Das ist, genau wie unsere Produktion, saisonabhängig", erläutert Birgit Pfister. "Ab September wird die Produktion hochgefahren, damit Mitte Februar die Hauptabnehmer - der filialisierte Einzelhandel, Gartencenter, aber auch Zoofachgeschäfte - beliefert werden können. Deshalb ist im Moment hier auch recht viel Platz". Sie deutet auf die Produktionsfläche in der Halle. "Wir stellen immer nur die Maschinen auf, die wir gerade brauchen." An diesem Produktionstag werden ausschließlich Gewächshaus-Sets zusammengestellt. "70 Prozent des Umsatzes machen wir in den Monaten Januar bis April."


Nicht allein auf dem Markt

In elf Länder hat "Green for Life" schon geliefert. Weniger in Deutschland, als vielmehr im benachbarten europäischen Ausland sitzt die Konkurrenz. "Es ist nicht so, dass wir allein auf dem Markt wären", räumt Peter Pfister ein. "Fünf namhafte Mitbewerber gibt es." Wodurch hebt sich dann das, was aus Bamberg kommt, von anderem ab? "Durchs Marketing", sagt der gelernte Handelsfachwirt, der zuletzt in der Schweiz in einem Startup-Unternehmen tätig war, das sich mit ökologischer Pflanzenkultur befasste.

Dann jedoch zog es das Ehepaar wieder in die fränkische Heimat und begann in seinem Wohnort Merkendorf "mit einem Schreibtisch, einem PC, einer Garage und helfenden Händen hauptsächlich von Verwandten" die eigene Geschäftsidee umzusetzen.

"Schon bald sind wir ins IGZ gezogen und haben Lagerraum bei Speditionen gemietet. Seit November 2013 sind wir am Standort Gutenbergstraße. Das Büro war noch bis 2014 im IGZ. Und so langsam beginnt die Palettenkapazität von 1300 - angefangen haben wir mit 30 - in Spitzenzeiten auch schon wieder knapp zu werden."


Gentechnikfrei

Dem Konzept Anzucht und Aussaat wolle "Green for Life" treu bleiben", so Peter Pfister. "Vorstellbar wäre allerdings, im Bereich Zubehörhandel zu wachsen." Immer gelte es dabei, den ökologischen Auftrag im Blick zu behalten. "Wir arbeiten, wann immer es geht, regional orientiert, verwenden Einstoffverpackungen mit hohem Recyclinggehalt und gentechnikfreies Saatgut."

Der Online-Shop, den es schon länger gibt, ist vor einigen Wochen so richtig angelaufen. "Nun haben wir auch Kontakt zum Endkunden. Das kann oft sehr hilfreich sein.

Und wie gärtnern die Firmengründer daheim? "Auch nur auf der Fensterbank", verrät Peter Pfister. "Und auf einem Hochbeet, denn mehr ist auf dem Grundstück nicht möglich."