Mit dem Schmuddelwetter der vergangenen Tage wurde es extrem. "Es kamen nicht nur Beschwerden über verschmutze Straßen und Gehwege, sondern auch über verschmutzte Häuserfassaden", berichtet Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich (AfZ).

Das Leben ist nicht leicht für die Anwohner der Bahnbaustelle. Zum Lärm kommt der Dreck, den die an- und ab-, hin- und herfahrenden Laster und Schlepper auf und neben den Straßen verteilen. Betroffen sind insbesondere die Hauptstraßen, in Zapfendorf ebenso wie auch in Breitengüßbach.

Für Zapfendorf hofft Bürgermeister Dittrich, dass mit der Öffnung der Behelfsbrücke im Süden und der Westumfahrung ein Großteil des Baustellenverkehr aus der Ortsmitte herausgenommen wird. Wenn allerdings gleichzeitig der bisherige Bahnübergang im Norden gesperrt wird, müssen Fahrzeuge - Laster und Pendler-Pkw -, die aus Norden kommend nicht schon in Ebensfeld die Umleitung zur B 4 nach Rattelsdorf Richtung nehmen, erst durch den ganzen Ort bis zur Südbrücke und dann auf der Umgehung zurück zur Mainbrücke fahren. Erhalten bleiben wird dem Ortskern auch der Baustellenverkehr, der von und zur A 73 rollt. Begrüßen würde es der Bürgermeister, wenn sich der Schwerlastverkehr wenigstens an das inzwischen sogar auf der Staatsstraße angeordnete Tempo 30 halten würde.


Viel Verkehr im Wohngebiet

Die Belastung der Straßen - zum einen die Verschmutzung durch den Baustellenverkehr, zum anderen die Belastung durch den Umleitungsverkehr durch kleine Anwohnerstraßen, ist auch in Breitengüßbach aktuell das vordringlichste Problem, stellt Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (UBB) fest. Da ist die Belastung für die Anlieger in den bis dato ruhigen Wohngebieten, aber auch die Belastung für die Straßen, die auf einen derartigen Verkehr gar nicht ausgelegt sind.

Tempo 30 auf der B 4 in der Ortsdurchfahrt strebt auch Bürgermeisterin Reinfelder (UBB) als nächsten Schritt an. Die Gespräche mit dem zuständigen Straßenbauamt würden bereits geführt.

Um die Verschmutzung der Straßen in Grenzen zu halten sind in Breitengüßbach wie in Zapfendorf ständig Kehrmaschinen unterwegs. Neben der Zweifellos notwendigen Reinigungsarbeit haben diese, meint Reinfelder, auch noch einen praktischen Nebeneffekt: "Sie entschleunigen den Verkehr."


Trinkwasser gegen den Dreck

Was viele Leute allerdings heftig den Kopf schütteln lässt, ist die Tatsache, dass die Kehrmaschine das Wasser aus der jeweiligen kommunalen Wasserversorgung beziehen. Es wird also bestes Trinkwasser zur Reinigung auf die Straße gesprüht. In Zapfendorf und Breitengüßbach kommt das Wasser von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) aus der Ködeltalsperre im Frankenwald.

"Das tut uns auch ein bisschen weh", sagt Reinfelder. Nach ihrer Information hat die zuständige Firma auch einen Antrag auf Entnahme von Mainwasser - von dem es derzeit reichlich gibt - gestellt, aber bisher noch nicht die dafür notwendige wasserrechtliche Erlaubnis erhalten. Daher entnehmen die Straßenreiniger ihr Wasser jetzt unter anderem an einem Hydranten hinter der Kapelle in Unteroberndorf. Ein Anwohner und FT-Leser weist darauf hin, dass es in Unteroberndorf auch noch einen Tiefbrunnen gäbe, der seit dem Anschluss an die FWO nicht mehr genutzt wird.

Die Empörung über den Trinkwasserverbrauch scheint nachvollziehbar angesichts dessen, dass Oberfrankens wichtigstes Trinkwasserreservoir nach einem trockenen Frühjahr, Sommer und Herbst noch im November 2015 rekordverdächtige Tiefstände verzeichnete. Momentan ist die Talsperre jedoch wieder recht gut gefüllt. Und auch ein privater Normalverbraucher nimmt nur etwa zwei Prozent des Leitungswasser tatsächlich zum Trinken und Kochen her, während rund ein Drittel durch die Klospülung rauscht.


Auch Lärm bleibt ein Thema

Nicht völlig in den Hintergrund gerückt, aber derzeit erst an zweiter Stelle steht in Breitengüßbach das Thema Baulärm. Zwar hat eine Lärmmessung vom 11. Januar bis 19. Februar vor allem im Zusammenhang mit dem Abriss der Brücke in der Zückshuter Straße eine massive Überschreitung der zulässigen Schallpegel ergeben. Doch Ansonsten werden meist die - nicht gerade als leise zu bezeichnenden - 67,5 Dezibel gerade noch eingehalten. Erst jenseits dieser Marke sind die Bahn beziehungsweise die Baufirma verpflichtet, den mittleren Schallpegel etwa durch beschränkte Betriebszeiten für lautstarke Baumaschinen zu senken.
Eine Entschädigung für den übermäßigen Lärm der vergangenen Wochen gibt es jedoch nicht. Weil der Brückenabriss aber nicht nur Lärm, sondern auch enorm viel Staub gemacht hat, müssen die Verursacher hingegen für die Reinigung von Gräbern auf dem nahen Friedhof aufkommen.
Sowohl Reinfelder als auch Dittrich sehen aber auch positive Aspekte. Beide betonen die gute Zusammenarbeit mit der bauausführenden Firma. Und beide sehen es mit Freude, das etwa Bäcker, Metzger und Supermärkte in den Orten von den zahlreichen Bauarbeitern gut frequentiert werden.