Angefangen hat alles damit, dass ein Bürger Buttenheims Bürgermeister Michael Karmann (ZWdG/CSU) auf ein gemeindeeigenes Glasfasernetz aufmerksam machte, das in einem Ort in Hessen ausgebaut wurde. Das weckte bei Karmann Interesse. Schließlich ist es eine große Herausforderung, die Flächengemeinde komplett mit dem schnellen Internet auszubauen. Selbst mit der Förderung des Freistaats hätte der Markt noch viel Geld aufbringen müssen. Das Netz hätte aber einem Unternehmen gehört. Und das widerstrebte nicht nur Karmann.

Das Gespräch mit dem Bürger war vor einigen Monaten. Wenig später kam der Bürgermeister mit dem Berater Uwe Krabbe von der Hamburger Firma Lan-Consult zusammen. Gestern nun stellten Krabbe und Karmann mit den Bürgermeistern von Pettstadt, Jochen Hack (FWG), und Altendorf, Karl-Heinz Wagner (CSU), ihr Bürgernetz vor. Ein eigenes Glasfasernetz - das zumindest ist der Plan, den die drei Gemeinden hegen.

Stolze 8,2 Millionen Euro bringen die drei Kommunen dafür auf. Auf lange Sicht soll sich die Investition aber lohnen: Die Stadtnetz, eine Tochter der Stadtwerke Bamberg, hat den Zuschlag für den Netzbetrieb erhalten. Von dem Unternehmen kassieren die Gemeinden eine Pacht, so können die Kredite abgezahlt werden. Und irgendwann, nach gut 20 Jahren, gehört das Netz jeweils den Kommunen.

Einziger Knackpunkt: Es müssen genug Bürger bereit sein, Verträge mit der Stadtnetz abzuschließen. Mindestens 60 Prozent der Haushalte sind dazu erforderlich. So viele müssen sich zu Beginn mindestens an das geplante Hochleistungsnetz anschließen lassen. Nur dann lohne sich das Modell, erklärt Pettstadts Bürgermeister Hack.


60 Prozent der Haushalte erforderlich

Bis Mai soll die kritische Zahl erreicht sein. Damit das gelingt, wollen die Gemeinden die Bürger nun in Versammlungen informieren. Der Vorteil gegenüber dem geförderten Ausbau: Die Glasfaserkabel werden bis ins Haus verlegt. Im geförderten Verfahren nur bis zum Kabelverzweigerkasten. Auf den letzten Metern bleibt das Kupferkabel unter der Erde. Die Verluste seien hier sehr hoch: "Wer weit vom Kabelverzweiger weg ist, hat Pech", sagt Altendorfs Bürgermeister Wagner.

Mit Glasfaser sei man auf lange Sicht versorgt, sind sich die Bürgermeister einig: Damit sind idealerweise bis zu 500 Mbit/s möglich. Der Gebäude-Anschluss soll für Bürger kostenfrei sein, wenn sie sich bis April/Mai entscheiden, das Angebot anzunehmen. Ein Ausbau danach kostet. Die Zuversicht, genug Kunden zu finden, ist bei den Verantwortlichen groß.

Ein flächendeckendes gemeindeeignes Glasfasernetz gibt es im Landkreis bisher zwar nicht, aber auch im Memmelsdorfer Gemeindeteil Meedensdorf betreibt die Stadtnetz bereits ein Glasfaser-Internet, das der Gemeinde gehört. Und auch Strullendorf hat bereits 2011 mit der Telekom ein eigenes Breitbandnetz aufgebaut. Mit dem Unterschied, dass hier noch Kupferkabel verwendet wurden. Laut Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) soll im Juni der "Masterplan Glasfaser" erstellt sein. Zukünftig will man bei ohnehin anstehenden Tiefbauarbeiten sukzessive Leerrohre für einen später lückenlosen Glasfaserausbau mitplanen.

Auch Heiligenstadt sticht in diesem letzten Teil unserer Serie heraus. Der Flächengemeinde kosten die weiten Erschließungswege zwischen den Ortsteilen viel Geld. Bei nur 47 Einwohnern pro Quadratkilometer sind die Netzanbieter sehr verhalten. Ein gemeindeeigenes Netz wäre laut Bürgermeister Helmut Krämer (Einigkeit) aber aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht infrage gekommen. Doch will man nun mit Fördermitteln an den Ausbau gehen.

Hier geht es zu Teil 1 unserer Serie zum Breitbandausbau im Kreis Bamberg.

Hier gehtes zu Teil 2 unserer Serie.

Hier geht es zu <%TBR from="editor"%> Teil 3 unserer Serie.

Überblick: Breitbandausbau in den neun Gemeinden im Südosten/Osten von Bamberg:

1. Buttenheim:

Einwohner: ca. 3600
Ortsteile: 10
Förderung Bund:
ca. 50 000 Euro
Vorleistung:
ca. 4 Millionen Euro
Stand: Derzeit bis 50 Mbit/s, teilweise mit Kabel Deutschland bis zu 200 Mbit/s möglich, große Teile (u.a. Kälberberg) unterversorgt, später bis zu 500 Mbit/s
Betreiber: u.a.
später BürgerNet

2. Altendorf:

Einwohner: ca. 2100
Ortsteile: 2
Förderung Bund:
max. 50 000 Euro
Vorleistung:
ca. 2 Millionen Euro
Ausbaustand: Aktuell max. 30 Mbit/s, Kabel Deutschland deckt Teil ab mit bis zu 100 Mbit/s, später bis zu 500 Mbit/s
Betreiber: u.a.
später BürgerNet

3. Pettstadt:

Einwohner: ca. 2000
Stadtteile: 4
Förderung Bund:
max. 50 000 Euro
Vorleistung:
ca. 2 Millionen Euro
Stand: Derzeit in Pettstadt 30 bis 50 Mbit/s, am nordöstlichen Rand und in kleineren Teilen wie Schadlos, Neuhaus und Eichenhof 16 bis zu 30 Mbit/s, später bis zu 500 Mbit/s
Betreiber: Telekom, später BürgerNet

4. Litzendorf:

Einwohner: ca. 6100
Ortsteile: 8
Förderung: 80 %
Eigenanteil:
ca. 90 000 Euro
Stand: In einigen Teilen (Pödeldorf, Naisa, Litzendorf) bis zu 30 Mbit/s vorhanden. In übrigen Teilen bis zu 15 Mbit/s. Gewerbegebiet "Schlemmerwiesen" in Pödeldorf wird mit Glasfaser erschlossen, dann bis zu 200 Mbit/s möglich.
Betreiber: Telekom

5. Frensdorf:

Einwohner: ca.5000
Ortsteile: 14
Förderung: 70 %
Eigenanteil:
121 000 Euro
Stand: Aktuell max. 50 Mbit/s (Birkach, Abtsdorf und Vorra, große Teile von Frensdorf, Wingersdorf, Herrnsdorf, Schlüsselau bereits ausgebaut), in nächster Stufe wird Gemeinde auf 60 bis 100Mbit/s ausgebaut.
Betreiber: Telekom

6. Hirschaid:

Einwohner: ca. 12 000
Ortsteile: 11
Förderung: 80 %
Eigenanteil:
11 400 Euro
Stand: Ausbau-Beginn im aktuellen Förderverfahren ist auf dem Gemeindegebiet für das Frühjahr 2016 geplant. Nach dem Ausbau sollen laut den Vorgaben flächendeckend mindestens 30 Mbit/s möglich sein.
Betreiber: Telekom

7. Heiligenstadt i.Ofr.:

E in w ohner: ca. 3600
Ortsteile: 25
Förderung: noch offen
Eigenanteil:
noch offen
Stand: Heiligenstadt ist nur im Kern gut versorgt mit rund 40 Mbit/s, weitere Ortsteile teilweise aber mit Funk abgedeckt. 2017 soll das Gros der Arbeiten abgeschlossen sein, 2018 soll u.a. Tiefenpölz folgen.
Betreiber:
u.a. Telekom

8. Stegaurach:

Einwohner: ca. 7000
Ortsteile: 12
Förderung: 80 %
Investition:
ca. 280 000 Euro
Ausbaustand: Derzeit sind 16 Mbit/s möglich, danach 50 Mbit/s. Stegaurach, Debring und Waizendorf sind bereits von der Telekom (eigenwirtsch.) ausgebaut.
Betreiber: Telekom

9. Strullendorf:

Einwohner: ca. 7800
Ortsteile: 8
Förderung: altes Verfahren ausgeschöpft
Eigenanteil:
ca. 1 Million Euro
Stand: Schon ausgebaut, bei 95 % der Haushalte 30 Mbit/s und mehr verfügbar. Masterplan Glasfaser für FTTH/B in Planung, dann mind. 200 Mbit/s möglich
Betreiber: Telekom