Wir erleben die entscheidende Phase der Basketballsaison: die Finalserie der Play-offs. Nach einer leistungsbedingten Auszeit im vergangenen Jahr wieder mit Bamberger Beteiligung. Und dennoch wirkt der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Brose Baskets, Michael Stoschek, sehr entspannt. Warum? - Weil er nach dem Umbruch zu Saisonbeginn nicht mit dieser Entwicklung gerechnet hat. Vor dem dritten Spiel am Sonntag - einer der Kontrahenten wird sich einen Matchball erspielen - baut er auch auf die Unterstützung der Fans in der heimischen Brose Arena.

Finaleinzug. Eine ausgeglichene Finalserie. Hätten Sie dieses sportliche Ergebnis zu Beginn der Saison erwartet?
Michael Stoschek: Ich denke, dass aus der gesamten Organisation keiner vor der Saison mit so einem Abschneiden gerechnet hat. Man darf ja nicht vergessen, dass bis auf zwei Spieler eine komplett neue Mannschaft auf dem Parkett steht; dazu mit Andrea Trinchieri und seinem Team ein völlig neuer Trainerstab. Von daher haben wir die Saisonziele im September bewusst niedrig gehalten. Dass wir im Juni auf eine für uns alle - wie auch immer das Finale ausgeht - hervorragende Saison zurückblicken können, war so sicherlich nicht zu erwarten.

Was macht den Erfolg der Mannschaft aus?
Sie sagen das Wort in der Frage. Es ist eine Mannschaft, die auf dem Parkett steht. Das ist unser großer Vorteil. Andrea Trinchieri hat es über die Monate geschafft, aus sehr talentierten Einzelspielern ein Team, eine Einheit zu formen, in der jeder für jeden kämpft. Ich glaube ein entscheidender Entwicklungsschritt zu diesem Wir-Gefühl war das verlorene Pokalfinale. Das hat die Jungs noch enger zusammengeschweißt.
 
Spielbericht: Verrückter Sieg der Brose Baskets

Der Sieg am Mittwoch in München war sehr hart erkämpft. Was bedeutet dieser für das Team und für das Heimspiel am Sonntag?
Der Sieg ist das Eine. Das Zustandekommen aber das viel Entscheidendere. Die Mannschaft hat über 30 Minuten nicht gut gespielt. Und dennoch hat sie es geschafft, die Bayern zu besiegen. Das zeugt von enormer Moral. Das zeigt aber auch die Klasse von Andrea Trinchieri, der es geschafft hat, das Spiel durch geschicktes Umstellen in der Verteidigung und Team-Spiel in der Offense zurück zu holen. Jetzt liegt das Momentum bei uns. Wir haben den Heimvorteil zurück. Das Wichtigste: Wir müssen die Emotionen, diese positive Energie mitnehmen ins Spiel am Sonntag.

Der sechste Mann - Freak City - war in der zweiten Halbzeit des ersten Finalspiels in Bamberg sehr zaghaft. Was erwarten Sie vom Publikum in der Brose Arena?
Bedingungslose Unterstützung. Ich gebe Ihnen recht, dass dies noch besser geht. Ich bin mir aber sicher, die Fans wissen, dass es am Sonntag auch auf sie ankommen wird. Die 300, die in München mit dabei waren, haben teilweise mehr Stimmung gemacht, als die 5500 Bayern-Fans. Dazu waren 2000 Menschen auf dem Maxplatz beim Public Viewing. Die Begeisterung ist spürbar. Am Sonntag werden wir es in der Halle erleben, davon bin ich überzeugt.
 
Bildergalerie: alle Bilder vom Public Viewing auf dem Maxplatz

Welche Überlegungen gibt es - unabhängig vom Ausgang der Finalserie - für die kommende Saison?
Überlegungen gibt es viele. Allerdings sind diese auch abhängig vom Finalausgang. Würden wir Meister und in der Euroleague spielen, dann wird die eine oder andere Verhandlung sicherlich einfacher. Daher ist es zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, über dieses Thema zu reden. Ich kann aber so viel versprechen: Die Mannschaft in der nächsten Saison wird definitiv den Stil weiter verfolgen, den wir in dieser Spielzeit sehen: begeisternden, spektakulären Basketball.

Die Fragen stellte Frank Förtsch.