Es ist mehr als nur die Sache mit den Schlüsseln. Und: Es trifft immer mehr Menschen - Demenz! 9300 Einwohner zählt Memmelsdorf. Davon sind derzeit 488 im Alter von 65 Jahren und darüber. Prognosen besagen, in den nächsten Jahren werden 30 Prozent und mehr der über 65-Jährigen an dieser neuen Volkskrankheit der Älteren erkranken. Als erste Gemeinde im Landkreis reagiert Memmelsdorf; mit einem konkreten Hilfsangebot: Nächste Woche wird ein auf die Gemeinde zugeschnittener Demenz-Ratgeber vorgestellt.

Wenn eine ältere Frau fünf Mal am Tag zum Bäcker kommt und drei Brötchen kauft. Dann ist das vermutlich kein Spleen, sondern es könnte vielmehr auf eine Demenzerkrankung hinweisen. Das weiß Ergotherapeutin Petra Weisgerber. Sie ist im Seniotel in der Lichteneiche beschäftigt und hat täglich mit dementen Bewohnern zu tun. Von 48 hier lebenden älteren Menschen sind 25 dement.


Der Memmelsdorfer Ansatz

Dafür, dass das Personal im oben geschilderten Bäckerei-"Fall" nicht nur den Kopf schüttelt, sondern die Familie über die Anzeichen in Kenntnis setzt, sollen gezielte Schulungen sorgen, konkretisiert Bürgermeister Gerd Schneider den Memmelsdorfer Ansatz. Dabei sind Schulungen wichtig. Solche, die Demenz erkennen lassen, möglichst breit angelegt sind, auch das öffentliche Leben und damit Einzelhandel und Ähnliches einbeziehen. Die Schulungen sollen zugleich lehren, wie man am besten mit dem Betroffenen umgeht, und aufzeigen, wo Angehörige welche Hilfe bekommen können.

Über Schulungen beziehungsweise Informationsveranstaltungen hat der harte Kern der Memmelsdorfer Demenz- "Offensive" zusammengefunden, der sich in der Gemeinde um das Thema kümmert: Da ist Damaris Hans (Generationen treff-Leiterin), Petra Weisgerber (Ergotherapeutin im Seniotel Lichteneiche), Christa Filpe (Erste Vorsitzende VdK Memmelsdorf-Lichteneiche) und Memmelsdorfs Bürgermeister Schneider. Die Demenzinitiative von Stadt und Land, die Alzheimer Gesellschaft Bamberg und vor allem aber die Generationenbeauftragte des Landkreises, Sina Wicht sind wichtige Impulsgeber für Memmelsdorfs eigenen, neuen Weg in Sachen Demenz. Der bildet auch eine Etappe des seniorenpolitischen Konzepts der Gemeinde.

Bürgermeister Schneider spricht beim Thema Demenz von einem Bewusstseinsprozess, der zugleich ganz konkrete Hilfsangebote umfassen werde.

Die Fäden laufen beim "Runden Tisch" zu diesem Zukunfts-Thema zusammen. Den harten Kern wiederum bildet ein vierköpfiges Kompetenzteam. Zu dem gehören Damaris Hans, Christa Filpe, Petra Weisgerber und Elvira Karmann.


Unterschiedliche Erfahrungen

Der harte Kern verfügt über die unterschiedlichsten Berührungspunkte mit Demenz. Christa Filpes Schwester hatte Demenz: "Das war wirklich schlimm", fasst sie Erlebtes zusammen. Damaris Hans' Oma war betroffen. "Schade, dass ich mich erst jetzt genauer mit der Krankheit befasse. Mit dem jetzigen Wissen hätte sie "anders reagieren und da sein können".

Die Menschen in Memmelsdorf haben die Chance und erfahren Unterstützung. Die erste greifbar in dem vom Runden Tisch angestoßenen und umgesetzten Flyer. Man will sich weiter mit Kompetenz vernetzen und Erkenntnisse ("was gibt es, was braucht es", so Schneider) in praktische Hilfsangebote münden lassen sowie möglichst viele Partner gewinnen.

Gefordert sei beim Thema Demenz indes die gesamte Gemeinde. Schneider sieht den Memmelsdorfer Weg als eine Art Nachbarschaftshilfe, als soziales Miteinander in diesem besonderen Bereich. Memmelsdorf will der Demenz gesamtgesellschaftlich begegnen. "Wie leben wir gut mit unseren Älteren", sei die Frage, die es schon jetzt in die Zukunft gerichtet zu beantworten gelte. "Sich gemeinsam kümmern", erklärt Schneider die Quintessenz des Memmelsdorfer Ansatzes, den er gern auch als Impuls sähe.


DER VORTRAG

Thema Demenz Am Donnerstag, 29. Oktober, ist im Memmelsdorfer Pfarrsaal ab 18.30 Uhr ein Vortrag zum Thema Demenz. Titel: "Verwirrt, verschroben... Menschen mit Demenz verstehen" Es geht darum, mehr über den Umgang mit der Krankheit zu erfahren. Auch für Fragen und zum Austausch ist Gelegenheit. Als Referentinnen fungieren Claudia Zankl und Birgit Limmer von der Alzheimergesellschaft Bamberg.

Veranstalter Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt von Gemeinde Memmelsdorf, Generationentreff Mittendrin mit Caritas und Horst-Bieger-Altenstiftung, Pfarrei Memmelsdorf, Seniotel Lichteneiche und VdK Memmelsdorf-Lichteneiche.

Vorstellung Präsentiert wird auch der Demenz-Ratgeber.