Noch vor Beginn der eigentlichen Gemeinderatssitzung in Memmelsdorf über die Abstimmung eines Bürgerbegehrens zur Errichtung einer zweiten Tankstelle kam es zu weiterem Unmut unter den Bürgern. "Gelebte Demokratie nennt sich so etwas!", schimpfte beispielsweise eine Frau, die zusammen mit rund einem Dutzend weiterer Bürger vor den verschlossenen Türen zum Sitzungssaal stand. Weil die Verwaltung eine Überfüllung befürchtete, wurde einigen Zuhörer der Zutritt verwehrt, nachdem bereits die Stuhlreihen dicht besetzt waren. Nach kurzer Zeit jedoch wurde das Zutrittsverbot wieder aufgehoben und jeder durfte die öffentliche Sitzung mitverfolgen; auch wenn es dadurch sehr beengt im Sitzungssaal zuging.

Auch Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) betonte bei seiner Begrüßung, dass es sich an diesem Abend um eine Gemeinderatssitzung und nicht um eine Bürgerversammlung handle. Stimmrecht hätten daher nur die Gemeinderäte sowie die Akteure des Bürgerbegehrens und der Investor. Zudem appellierte er, künftig wieder auf eine sachliche und nüchterne Umgangsweise untereinander zurückzukehren. "In den letzten Tagen hat es viel böses Blut gegeben und selbst Gemeinderäte wurden beschimpft oder unter Druck gesetzt. Wir sollten uns nach der Sitzung wieder gegenseitig achten und respektieren", forderte Schneider.

Vor der eigentlichen Abstimmung, ob es letztendlich zu einem Bürgerentscheid oder zur Einstellung des Bauleitplanes komme, hatten unter anderem die Macher des Bürgerbegehrens sowie der Investor das Wort. Zunächst legten Johann Schug und Alfons Klossek, die Initiatoren des Bürgerbegehrens, ihre Argumente dar. Sie fürchteten beispielsweise, dass durch den Bau einer zweiten Tankstelle in der Bahnhofsstraße dort der verkehrsreichste Platz von Memmelsdorf geschaffen werde. Ferner würden ihrer Meinung nach die Belange der Fußgänger und Radfahrer nicht ausreichend berücksichtigt und sie befürchten zudem eine Verschandelung des historischen Ortskerns. "Wir haben 1700 Stimmen zusammengetragen. Diese signalisieren deutlich, dass das Bauleitverfahren bei den Bürgern unerwünscht ist", sagte Alfons Klossek.

Johann Schug appellierte an die Gemeinderäte, die Kosten für einen Bürgerentscheid nicht außer acht zu lassen, die sich seiner Meinung nach zwischen 10 000 und 15 000 Euro belaufen würden. "Der Bürgerentscheid entfällt, wenn Sie die bisherigen Maßnahmen im Bauleitplan zurücknehmen. Damit könnte man die Kosten, die für den Entscheid nötig wären, beispielsweise für einen guten Zweck spenden", so Schug.

Der Investor und Unternehmer Werner Massak hingegen schilderte die Vorzüge, die Memmelsdorf durch den Bau einer zweiten Tankstelle haben werde. Zum einen entstünde mehr Wettbewerb, die Gemeinde bekäme mehr Steuern und Gebühreneinnahmen, der Tankstellenverkehr werde langfristig sichergestellt, es käme neue Kaufkraft nach Memmelsdorf, die derzeit in benachbarte Gemeinde abwandere, und es würden rund 15 neue Arbeitsplätze entstehen. Ferner bleibe der Ortskern attraktiv.

Eine Zunahme des Verkehrs sieht Massak nicht, ebenso wenig, dass eine Gefahrenstelle geschaffen werde. "Ich habe zu lange nicht auf die diffamierenden Äußerungen und Beleidigungen reagiert, aber ich werde die vielen Unwahrheiten, die im Vorfeld verbreitet wurden, nicht mehr hinnehmen", wetterte der Unternehmer. Es sei als Memmelsdorfer Bürger zudem sein Recht, seine Firma durch den Aufbau eines dritten Standbeines abzusichern. Auch warnte er vor einer falschen Signalsetzung. "Jeder neue Gewerbetreibende wird sich nach diesen Diskussionen genau überlegen, ob er sich in Memmelsdorf ansiedelt, wenn es hier bereits einen Vertreter seiner Art gibt. Denn anscheinend soll in unserer Gemeinde ein Tankstellenmonopol geschützt werden", so Massak. Gegen ein Bürgerbegehren habe er nichts einzuwenden. Allerdings werde er künftig stärker für seine Tankstelle und den Erhalt seiner Firma kämpfen.

Ähnlich knapp wie die bisherigen Entscheidungen über den Bauleitplan zur Errichtung einer zweiten Tankstelle in Memmelsdorf entschied dann auch der Gemeinderat. Eine Diskussion darüber gab es keine mehr. Lediglich ein Teil der Gemeinderäte war eine Zeit lang uneinig über die Antragsformulierungen. Ein Ratsbegehren, also die Abstimmung über zwei Fragen, wurden ebenso abgelehnt wie der Beschluss der Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens. Bei der Abstimmung votierten 13 der 21 anwesenden Räte für die Durchführung eines Bürgerbegehrens. Damit werden nun rund 7100 wahlberechtigte Bürger am 10. April zur Urne gebeten und müssen entscheiden, ob sie eine zweite Tankstelle in der Bahnhofsstraße haben möchten oder nicht.