OB Andreas Starke (SPD) schaffte es, die Wogen zu glätten. Er räumte Fehler ein, sprach von einem "diplomatischen fauxpas". Natürlich werde es auf der großen Freifläche am Berliner Ring südlich des Malerviertels nicht schon am kommenden Dienstag einen Spatenstich geben. Auch wenn dazu eingeladen worden war. Wie auch? Noch gehört das Grundstück der Stadt Bamberg und nicht dem Autohaus Sperber, dem hoffnungsvollen Bauherren eines 14-Millionen-Euro-Projektes.

Trotz der Beschwichtigungsversuche musste der Oberbürgermeister, der in Personalunion auch Wirtschaftsreferent der Stadt Bamberg ist, zeitweise um eine stabile Mehrheit für das von ihm mit vielen Vorschusslorbeeren angekündigte Großprojekt zittern. Grund war weniger das Vorhaben als solches. Die Zusammenführung zweier Standorte des Autohauses Sperber am Berliner Ring wurde quer durch alle Fraktionen begrüßt.

Es waren die Begleitumstände, die zu einer stundenlangen Debatte führten. Und mehrere Stadträte ließen es sich nicht nehmen, "Optimierungsvorschläge" zu machen, auch wenn sie dabei dem eigenen OB in die Parade fuhren.

Zum Beispiel SPD-Stadtrat Heinz Kuntke. Bei aller Euphorie sei doch wohl festzuhalten, dass das Vorhaben mit großem Autohaus und 320 Stellflächen eine massive Versiegelung bedeute - dies auf einer Fläche, die den Bewohnern Bamberg-Ost als dauerhafter Grünzug versprochen worden war. Kuntke kündigte an, dass die SPD das Projekt kritisch begleiten werde, um die "Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten". Kritik an der Ausschließlichkeit des städtischen Vorgehens kam auch von der GAL. Sprecherin Ursula Sowa hätte sich gewünscht, dass das "Filetstück" am Berliner Ring nicht einfach für einen einzigen Interessenten aufgeplant, sondern ausgeschrieben worden wäre. Dadurch hätte es aus ihrer Sicht die Chance zu einer "effizienteren Nutzung der kostbaren Reservefläche" gegeben.

Dieter Weinsheimer (FW) bemängelte, dass die Stadträte vor "vollendete Tatsachen" gestellt worden sind und wurde sehr konkret: "Das hier war der Spielplatz für das Malerviertel. Es waren unsere Kinder, die hier gespielt haben. Und wir haben den Bürgern jahrelang versprochen, dass das so bleibt." Auch Daniela Reinfelder (Bub) kritisierte den OB: "Wir hätten uns das gleiche Engagement bei der Ansiedelung der Justizvollzugsanstalt gewünscht", sagte sie und machte sich dafür stark, die Grenze zwischen Autohaus und dem benachbarten Jugendtreff durchlässiger zu gestalten.


Heller: Wild zugewachsen

Freilich gab es in der Debatte auch viel Zustimmung. CSU-Sprecher Franz-Wilhelm Heller begründete sein Ja mit der Stärkung des Wirtschaftsstandortes Bamberg. Es liege doch auf der Hand, dass das Unternehmen nach Hallstadt abwandern könnte, sollte der Stadtrat die Pläne ablehnen. Auch eine "erhebliche Beeinträchtigung" des angrenzenden Malerviertels mochte Heller nicht erkennen. "Das ist kein Park. Das ist wild zugewachsen." BBB-Sprecher Andreas Triffo (BBB) lobte die Verwaltung für ihre präzise Vorbereitung. Das Autohaus Sperber sei nicht irgendwer.

Bei der Abstimmung zum Unterpunkt Bebauungsplankonzept setzten sich schließlich die Befürworter mit acht gegen die Skeptiker mit fünf Stimmen durch. Zu dem Ergebnis beigetragen hatten auch die Fakten, die Baureferent Thomas Beese und Frank Schönfelder von der Planungsgruppe Strunz beisteuerten. Demnach werde das Grundstück anders als bei anderen Autohäusern üppig begrünt. Obwohl es sich um eine Brache handele, erhalten die hier laufende Ost-West-Verbindung und der Umgriff des Jugendtreffs mehr Raum als bisher. Lärmbelastung soll durch die Gebäudeanordnung und die Erschließung vom Süden durch die Ohmstraße möglichst vermieden werden. Schließlich verspricht die Aufgabe des bisherigen Standorts am Kunigundendamm neue Wohnbauflächen für Bamberg.


Warmer Regen für die Stadt

Auch im Stadtsäckel wird man das Großprojekt spüren: Wie OB Starke sagte, verspricht das neue Autohaus mit langfristig 90 Arbeitsplätzen erhebliche Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer, die bisher Hallstadt zu gute kamen.
Wie geplant wird am kommenden Dienstag auch gefeiert. Wie der OB verriet, allerdings nicht der Spatenstich, sondern die "Grundstücksfindung"