Schulwechselformalitäten hat Doris Fende schon zig Mal erledigt, Einschulung mit Schultüte und so hat sie so oft hinter sich, dass sie nachrechnen muss, um auf die Zahl zu kommen. Und vor kurzem hat die 51-Jährige wieder einmal einen Knirps für den Kindergarten angemeldet. Die dreijährige Marie. Eines von mittlerweile über 40 Kindern, für die die Großgressingerin Mutter ist, "Mama Doris", wie viele sie nennen. Doch für Mama Doris sind es emotional alle ihre Kinder, auch wenn es sich auf dem Papier "nur" um Pflegekinder handelt. Die ProfiMutter wird den Muttertag mit "ihren" Kindern Marie und Lisa sowie der eigenen Mutter Renate feiern.

Feiern ist zu viel gesagt. "Für mich ist jeder Tag Muttertag, weil ich eben gerne Mutter bin." Selbstverständlich auch für die beiden leiblichen Kinder Nadine und Sebastian, aber die sind schon seit längerem aus dem Haus.


Der Traumberuf

Doris Fende wollte schon immer was mit Kindern machen, Erzieherin werden. Was ihr aber zunächst nicht möglich war. Später, als sie und ihr Mann Detlef einen Pferdehof betrieben, kam man darüber in Kontakt mit der evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, man hat dann so jahrelang zusammen gearbeitet, der Hof wurde Erziehungsstelle. Doris Fende fand es dann an der Zeit, ihren Traumberuf doch noch zu realisieren.

So absolvierte sie parallel zu der Arbeit auf dem Pferdehof und den Feriengästen ein Fernstudium, das sie 2005 beendete. "Eine ganz schön anstrengende Zeit, aber es hat sich gelohnt" , sagt sie mit leuchtenden Augen. "Ja, es hat sich gelohnt", wiederholt sie und ihr Blick fällt dabei auf die dreijährige Marie und die elfjährige Lisa. Zwei von nunmehr 40 Pflegekindern. Im Laufe der Jahre haben sie nur mehrere Wochen oder auch viele Jahre in der Familie gelebt. Warum? "Uns geht es so gut," sagt ihr Mann Detlef, "da wollen wir auch was zurückgeben."

Dass der idyllische Nachmittag nicht die Regel ist, sondern auch Ergebnis intensiver Bemühung machen Schilderungen des des Ehepaars deutlich. Wenn Fendes vom Jugendamt ein Kind in Obhut bekommen, sie also von den leiblichen Eltern hierher wechseln, dann sind dem gravierendste Probleme vorausgegangen. Vernachlässigung, Drogen, Missbrauch, um nur einiges zu nennen. "Bis auf ein Kind, das wieder gegangen ist, hat mir das immer leid getan", erklärt Doris Fende. Ansonsten bleiben es immer "ihre" Kinder. Mit vielen stehen sie über Jahre in Verbindung, bekommt Briefe, Mails, manche machen noch regelmäßig Ferien oder Urlaub hier. Einige werden sich wohl auch am Muttertag melden.

Jedenfalls "viele sind froh, wenn sie hier eine Mama haben und betonen das gegenüber anderen", hat die Erzieherin erlebt.


Unsichtbares Band

Dennoch, "es gibt ein unsichtbares Band zu den eigenen Eltern, das ist gut so , das soll auch so bleiben." Deswegen werde am Hof nie schlecht über die leiblichen Eltern geredet."Ich sage immer, die können Dich im Moment nicht bei sich haben, aber wollen das Beste für Dich und deswegen bist Du hier, wo es Dir gutgeht."

So wie die Familie hier mit einander umgeht, kann der Außenstehende nicht erahnen, dass sie keine leibliche Familie vor sich hat. Gibt es einen Unterschied zu eigenen Kindern? Mama Doris lacht. "Ja, den gibt es wohl: Bei den eigenen gibt es keine Pläne und Ziele, die auch offiziell überprüft werden." Trotz aller Vorgaben, es lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren, jeder ist anders, auf jeden geht Doris Fende individuell ein.
Die kleine Lea kann die Unterhaltung freilich noch nicht verfolgen. Die elfjährige Lisa schon. Als es um Muttertagsgeschenke der Pflegekinder geht, ist sie hellhörig geworden.


Viele Präsente

Schnell findet sie einige der Präsente, die sie der Mama gemacht hat und die diese selbstverständlich aufgehoben hat: Herze aus Holz oder Stoff und auch für dieses Jahr hat Lisa schon etwas geschaffen. Mama Doris wird sich in jedem Fall freuen, noch mehr freut sie sich über die Fortschritte jedes einzelnen Kindes. "Das ist für uns das Schönste", ist sie sich mit Ehemann Detlef einig.

Anmerkung: Die Vornamen der Kinder haben wir geändert.
Einen weiteren Beitrag zum Muttertag finden Sie heute auch auf