Da ließ selbst der Kultusminister die verbale Etikette links liegen: "Bamberg ist einfach geil", schwärmte Ludwig Spaenle (CSU) zum Abschluss seines Besuchs am Abend in einer Diskussionsveranstaltung. Hierzu hatte der Bamberger Kreisverband der CSU ins Caritas-Haus eingeladen. Spaenle spielte vor allem auf die Entwicklung der Bamberger Universität an, die er zuvor besucht hatte. "Es ist schon sehr beeindruckend, wenn ich sehe, welchen ausgezeichneten Weg die Uni hier gegangen ist." Sie hätte sich von einer philosophisch-theologischen Hochschule zu einer bedeutenden Einrichtung entwickelt. So würden gerade das Graduiertenkolleg und die Aufnahme des Bildungspanels NEPS ins Leibniz-Institut ein hohes Qualitätsniveau der Uni widerspiegeln. Ob es allerdings ähnlich wie in Würzburg zu einer Ausweitung der Hochschule auf das Konversionsgelände komme, wollte Spaenle zwar nicht ausschließen, aber auch nicht fest zusagen. Zumal eine derartige Entscheidung in den Finanzbereich falle.

Keine eindeutige Stellung bezog der Kultusminister auch in Sachen Verstaatlichung der städtischen Berufsschulen. Die Stadt hätte, wie Bürgermeister und Schulreferent Werner Hipelius (CSU) betonte, seit 1970 bereits den achten Antrag hierzu gestellt. "Unsere städtischen Schulen kosten uns jährlich rund 3,4 Millionen Euro. Langfristig macht uns diese Summe das Leben schwer", sagte Hipelius. Spaenle erwiderte, dass der Freistaat alle städtischen Schulen unterstütze, indem er 61 Prozent der Lehrergehälter als Förderung übernehme.

Ludwig Spaenle hob in dem knapp 90-minütigen Dialog den Erhalt der Lehrerstellen hervor und lobte neben der dualen Ausbildung vor allem auch die Durchlässigkeit der Schulformen untereinander. "Inzwischen kommen rund 43 Prozent aller Hochschulbesucher von der Mittelschule oder einer Realschule. Und unser duales Ausbildungssystem ist der Exportschlager in andere Länder schlechthin."

Zu viele junge Lehrer?

Der Kultusminister sah aber auch Probleme bei der Übernahme von Lehrern. Während an Mittel-, Sonder- und Berufsschulen nahezu sämtliche Referendare übernommen werden konnten, gebe es in manchen Fächerkombinationen an Realschulen und Gymnasien einen Überbedarf an Junglehrern. Eine Rückführung der Pflichtstunden für Referendare auf zehn in der Woche (derzeit unterrichten sie in der Regel 17 Stunden pro Woche) hielt Ludwig Spaenle allerdings nicht als das "Wunderheilmittel" zur Schaffung neuer Lehrerstellen. Vielmehr denke der Freistaat über eine Beschränkung der Zulassung für das Zweite Staatsexamen nach.

Bei einem Besuch der Staatsbibliothek in der Neuen Residenz hatte sich der Minister über das vielfältige Aufgabenspektrum und die Bestände einer regional verankerten und international renommierten Forschungsbibliothek informiert. Er zeigte sich beeindruckt von den herausragenden historischen Sammlungen der Staatsbibliothek, die den zweitbedeutendsten Altbestand in Bayern beherbergt: Zu ihren Schätzen gehören über 1000 mittelalterliche Handschriften, wertvolle frühe Drucke sowie eine hochrangige Graphiksammlung mit Meisterwerken seit der Dürerzeit. Das besondere Interesse des Staatsministers galt dem "Lorscher Arzneibuch", einer medizinischen Handschrift, die um 795 im südhessischen Kloster Lorsch entstand und im Juni 2013 von der Unesco zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde. Neben einem Rundgang durch die historischen Schauräume der Staatsbibliothek stand die Besichtigung von Restaurierungswerkstatt und Digitalisierungsstelle auf dem Besuchsprogramm.

Zum Besuchsprogramm des Kultusministers stand obendrein das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe am Wilhelmsplatz. Dort werden Prozesse im Bereich Bildung und Kompetenzentwicklung in Deutschland untersucht.