Ein Mann erzählt: Er habe auf dem Rücken eines großen Fisches gelegen, als sich ein fliegendes Kamel neben ihm niederließ. Um sich auszuruhen. Der Mann nutzte die Gelegenheit, und schwang sich auf das Kamel. Das Kamel und der Mann erhoben sich gen Himmel. Bis er mit seinem Mantel am Zacken eines Sterns hängen blieb: "Und dort hänge ich noch heute!"

Eine solche Predigt in der Moschee zu halten, das wagte nur einer: Nasreddin Hodscha. Der türkische Till Eulenspiegel, ein klassischer Schelm, ein Tunichtgut, ein Taugenichts. Ob es ihn tatsächlich gab, ist ungeklärt. Historiker datieren seine Geburt ins 13. Jahrhundert, erste Manuskripte mit festgehaltenen Geschichten stammen aus dem 16. Hodscha, so Paul Maar, sei einer gewesen, bei dem man nie wissen konnte: "Philosoph oder Narr?"

Maar hat sich für seine Lesung der Geschichten Nasreddin Hodschas Unterstützung geholt. "Wenn Festival", habe er gesagt, verrät Asli Heinzel, "dann nur mit dieser Gruppe." Die Capella Antiqua Bambergensis präsentiert Melodien aus der Zeit und Region des Protagonisten. Ibrahim Sarialtin aus Freiburg spielt Saz, eine türkische Laute, Murat Coskun diverse Rahmentrommeln. Er spricht außerdem die Stellen, an denen Nasreddin zu Wort kommt.


Es ih-aht auf der Bühne

Am Ende, zur letzten Zugabe, greift Maar auch selbst zum Schellenring. Schon vorher konnte man den Eindruck gewinnen, er würde, angetrieben von den verschlungenen Rhythmen der orientalischen Lieder, am liebsten aufspringen und ein bisschen tanzen.

Das Verhältnis von Text und Musik ist ausgewogen, was überhaupt nur funktionieren kann, weil es sich eher um Anekdoten handelt, Kürzestgeschichten. Wenn im Text dann ein angeblich entlaufener Esel im Stall ih-aht, ih-aht auch die mittelalterliche Viola auf der Bühne. Dieselbe Geschichte lesen Sarialtin und Coskun im Anschluss noch einmal auf Türkisch. Damit das Publikum sich einen Eindruck von den unterschiedlichen Eseln machen kann. Nun ih-aht er.

Im zweiten Teil des Abends liest Maar die Geschichten, die er für sein 2010 erschienenes Buch neu erdacht hat: Nasreddin Hodscha in der Gegenwart. Er hat ein Telefon, das immer klingelt, wenn er in der Wanne liegt und spart Benzin, indem er sich zwar mit seiner Familie ins Auto setzt, aber nicht losfährt. Diese neuen Märchen sind erst recht verdichtet: Es gibt eine alltägliche Situation und einen Dialog, in dem Nasreddin seine berüchtigte Schlagfertigkeit beweist. Es ist ein Abend des kollektiven Schmunzelns.

Der Taugenichts wächst dem Zuhörer innerhalb weniger Zeilen ans Herz. Am Ende gibt es Standing Ovations. Nicht nur die beweisen die unerreichte Popularität Paul Maars in Bamberg. Wie vor einem Popkonzert warteten zwei Stunden früher zwei Damen vor dem Einlass, in der Hand ein Pappschild: "Suche Karten."