Ligetis "Atmosphères", Alban Bergs Violinkonzert und die Dritte von Brahms, ein derart anspruchsvolles Programm frei von Patzern zum Klingen zu bringen, gelingt selbst erfahrenen Profiorchestern nicht alle Abende. Am Donnerstag aber war es im Joseph-Keilberth-Saal der Konzerthalle das Bayerische Landesjugendorchester, das sich dieser drei großen Werke der Spätromantik, der Wiener Schule und der frühen Sechziger unter dem Dirigenten David Afkham angenommen hatte.

Dank Stanley Kubricks "Space Odyssey" haben es die "Atmosphères" von György Ligeti zu Filmmusikpopularität gebracht. Ein dichtes Feld von sich überlagernden Stimmen ist das, ein gleißender Klangfarbenteppich, der von der überwiegend sehr leisen Dynamik und der Instrumentation lebt, einschließlich eines offenen Flügels, über dessen Saiten gestrichen und gebürstet wird. Es war eine bezwingende Aufführung zu erleben, die so sehr in Atem hielt, dass nach dem Verklingen zunächst (gerade hier angebrachte) Stille herrschte, bis erster Applaus einsetzte.

Bergs 1936 aus der Taufe gehobenes Violinkonzert ist ein "Dem Andenken eines Engels" gewidmetes Requiem (nämlich Manon, der achtzehnjährig an Kinderlähmung verstorbenen Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius, einem "Kind, das zu himmlisch war, um auf Erden leben zu können", wie Bruno Walter schrieb). Es sollte zugleich zu Bergs eigenem Memento mori werden. Alina Pogostkina, Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, beeindruckte auf ihrer Stradivari durch feinen Ton, natürliche Musikalität und makelloses Zusammenspiel mit dem Orchester. Als Zugabe dann der obligatorische Bach, mit leichter Hand dahingeworfen und erfüllt von barockem Überschwang die Verzierungen, innigst ausgesungen die Melodie.

Die populärste der vier Sinfonien von Brahms ist wohl die Dritte. Einfühlsam befeuert von Afkham brachten die BLJO-ler die Partitur durch waches Aufeinanderhören und feines Espressivo im bisweilen fast kammermusikalischen Zusammenspiel zu schönster Blüte. Großartig in der Klangkultur und spannungsgeladen im Aufbau geriet das eröffnende Allegro (phänomenal: der Klarinettist). Neben den Celli durften im Allegretto das Solo-Horn und abermals die Holzbläser glänzen. Ungemein leidenschaftlich spielten die jungen Musiker im Finalsatz auf, ob nun im markanten, auch mal jubilierenden Tutti oder in den zarten Solopassagen. Ein begeistert beklatschter Höhepunkt und ein Abend, der lange nachklingen wird, bei allzu wenigen.

Denn auch angesichts der (durchaus traurigen) Tatsache, dass an der Regnitz - von den heimischen Symphonikern einmal abgesehen - nur in Ausnahmefällen Orchester von Rang zu hören sind, hätten die erfrischend engagiert zu Werk gehenden Musici mehr Zuhörer verdient gehabt. Immerhin lauschten dem Nachwuchs Jonathan Nott und etliche Symphoniker, von denen einige selbst ihre Anfänge im Landesjugendorchester gemacht haben. Und dass Afkham eine leuchtende Karriere bevorsteht, hat sich längst in Amsterdam, London, Salzburg, in Chicago, Cleveland und Los Angeles herumgesprochen.