Das nördliche Ende der Brennerstraße ist eine Sackgasse, im doppelten Wortsinn, wie sich jetzt zeigt. Hier hat die Baugenossenschaft Stadt und Landkreis Bamberg vor nicht allzu langer Zeit ein Studentenwohnheim mit 153 neuen Wohnungen gebaut. Heute würde sie es nicht mehr tun.

An qualitätvoller Ausstattung mangelt es in dem quadratischen Gebäudekomplex nicht. Das Haus mit hohem energetischem Standard und Tiefgarage kann mit allerlei Luxus aufwarten: mit dreifach verglasten Fenstern, mit Balkons und Terrassen zum Gärtnerland, mit standardmäßigen Flachbildschirmen und Möbeln aus heimischer Fertigung. 20 Millionen Euro hat die Baugenossenschaft ausgegeben.
Doch jetzt machen sich ausgerechnet die rar, für die das Haus errichtet wurde: Monate nach der Eröffnung steht immer noch ein Drittel aller Wohnungen leer - "ein schönes Draufzahlgeschäft. Rechnen tut sich das nicht", sagt Günther Straub.

"Der Markt ist tot"

Am Preis kann es nicht liegen, dass die Studenten das Angebot links liegen lassen - glaubt der Geschäftsführer. Die Baugenossenschaft nimmt 8,50 Euro pro Quadratmeter für die großen WG-Zimmer und 13 Euro für die Einzelappartements. Ist es Katerstimmung, die sich auf der Immobilienbranche in Bamberg breit macht? "Der Markt ist tot, sagt Straub. Die Leute warten auf das Konversionsgelände."

Was ist aus der viel beklagten Wohnungsnot von einst geworden? Fünf Jahre nach dem Protestcamp zweier Studentinnen im Burgershof scheint sich die Lage gedreht zu haben. Wie schon der Blick in Immoscout zeigt. In dem Immobilienportal haben sich die Mietangebote für Einzimmerwohnungen in Bamberg in den letzten Monaten auffällig vermehrt. Häufig zu finden sind Wohnungen im Ziegelbau auf der Erba-Insel - einst viel gepriesene Anlageform.

Studentenappartements auf der Erba-Insel hat auch das stadteigene Wohnungsbauunternehmen "Stadtbau". Auch hier hängen mittlerweile Plakate mit der Aufschrift "zu vermieten" im Fenster. Stadtbau-Geschäftsführer Veit Bergmann bezeichnet die Entwicklung als Rückkehr zur Normalität. Von 346 Studentenwohnungen stehen bei der Stadtbau zur Zeit 21 leer. Bei Preisen von acht bis 13 Euro hat die Gesellschaft den Mietzins zwischenzeitlich um einen Euro gesenkt. Eine nicht ganz schmerzfreie Erfahrung: Studentenwohnungen würde Bergmann beim Blick auf die Bevölkerungszahlen nicht mehr bauen.

Paul Hummer ist stellvertretender Vorsitzender des Studentischen Konvents der Uni Bamberg. Dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Bamberg "entspannt", räumt auch er als Studierendenvertreter ein. Er bestätigt: Es ist nicht mehr so schwierig, eine passende Wohnung zu finden wie vor zwei, drei Jahren, als die Bamberger jede Besenkammer zu Geld machen konnten. Hört man Hummer, erklärt sich der Leerstand dadurch, dass "einzelne private Anbieter über das Ziel hinausgeschossen sind". "Es ist einfach so, dass die meisten dieser Wohnungen extrem unattraktiv sind. Wohnungen zwischen 450 und 500 Euro im Monat kann sich nur ein kleiner Teil der Studierenden leisten."

Noch ein Luxusprojekt

13 500 Studierende bevölkern derzeit die Bamberger Otto-Friedrich-Universität. Vizepräsident Sebastian Kempgen geht davon aus, dass sich die Zahl bis 2020 zwar verringert, aber nicht unter 12 000. Gibt es aus seiner Sicht noch einen Wohnungsmangel? "Es gibt einen Mangel an bezahlbaren Wohnungen", sagt Kempgen dazu.
Doch der Markt scheint nicht zu lernen: Während auf dem ehemaligen US-Gelände seit über einem Jahr 2500 Wohnungen leer stehen, kreisen auf der Erba-Insel derzeit wieder die Bagger. Zwischen Hörsaalgebäude und Erba-Turm baut die App.Q GmbH aus Haßfurt ein Appartementhaus mit 120 möblierten Einheiten.

Die Durchschnittspreise liegen laut Internet bei rund 4000 Euro pro Quadratmeter, der Stellplatz in der Tiefgarage kostet weitere 23 000 Euro. Beworben und angeboten wird das neue Hochpreisobjekt von der LBS Oberpfalz. Harald Hofrichter betont, dass sich das Angebot nicht nur an Studenten richtet. Er spricht von "guter Lage und günstigen Finanzierungsmöglichkeiten". Bei einem Mietzins von 12,50 Euro pro Quadratmeter seien attraktive Renditen möglich.

Ob sich diese Hoffnungen bewahrheiten? Klar ist, dass sich das Konversionsgelände unter anderem durch seine Vielzahl an kleineren Wohnungen im Bestand auszeichnet. Allein in der ehemaligen Panzerkaserne stehen derzeit 1384 Wohnungen zwischen 35 und 60 Quadratmeter ungenutzt herum, ein großer Teil davon jedoch innerhalb der sogenannten Optionsfläche, für die der Stadtrat den Erhalt nicht zwingend vorgeschrieben hat.

Studentenwerk baut

Auch im Bamberger Norden kommen neue Wohnungen dazu. Am 24. Juli feiert das Studentenwerk an der Coburger Straße Richtfest für ein langgestrecktes Gebäude mit rund 100 Wohnungen. Neun Millionen fließen hier in den Bamberger Boden. Im Unterschied zu privat finanzierten Angeboten sind die Baukosten öffentlich gefördert. Die Kaltmiete pro Platz soll daher unter 200 Euro zu haben sein.