Ein hünenhafter Schönling, schick frisiert und etwas geschwärzt, duckt sich und springt, stolpert, tastet sich vorwärts, entdeckt endlich zwischen einstürzenden Decken, brennenden Büromöbeln und explodierenden Gasleitungen seine ohnmächtig am Boden liegende Angebetete, wagt sich hin, stemmt die Ohnmächtige hoch und trägt sie breit vor der Brust ins Freie. Gerettet - ganz im Stile Hollywoods! Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie, das erfährt der Besucher des Atemschutzzentrums der Bamberger Feuerwehren in Strullendorf.
Ansonsten ist man besser nicht in der Nähe, wenn Feuerwehrleute ihr Leben riskieren, um ein von Feuer und Qualm eingeschlossenes Opfer zu retten. Denn: Heutzutage entsteht abgesehen von den Flammen und der Hitze bei nahezu jedem Wohn-, Gewerbe- oder Fahrzeugbrand ein gefährliches, ja tödlich giftiges Gasgemisch. Es bildet sich meist schon bei Schwelbränden aus den modernen Bau- und Isolierstoffen. Wer ein paar Atemzüge von dieser wahrhaft dicken Luft überlebt, darf sich glücklich schätzen. Vielleicht trägt er nur für den Rest des Lebens einen Lungenschaden davon. Von Feuerwehrleuten aber wird erwartet, dass sie - ohne eigenen Vorteil - zur Rettung von Mensch oder Tier in ein verqualmtes, brennendes Gebäude eindringen oder auch dem Insassen eines entflammten Fahrzeugs zu Hilfe kommen, solange noch ein Funke Hoffnung besteht. Um diesen abenteuerlich-riskanten Dienst leisten zu können, bedarf es einer gründlichen Ausbildung sowie einer optimalen Ausrüstung. Dabei spielt im Raum Bamberg das Atemschutzzentrum in Strullendorf die Hauptrolle: Seit nunmehr 20 Jahren werden in dem einst vom Landkreis für knapp zwei Millionen Mark an der Bamberger Straße errichteten Gebäude die Chemieschutzausrüstung sowie die Atemschutzgeräte der Kreisfeuerwehren gewartet. Und die Feuerwehrleute - Männer wie Frauen aus Bamberg Stadt und Land - werden hier trainiert, damit sie im Ernstfall nah ran kommen oder sogar in die Brandstelle eindringen können, um nach vermissten Personen zu suchen und sie in Sicherheit zu bringen. Der Ernstfall unterscheidet sich vom Brand im Kino- oder Fernsehfilm vor allem darin, dass die Retter praktisch nichts sehen, denn es bildet sich sofort nach Brandausbruch ein rußiger oder hellgrauer, dichter Qualm, der zunehmend die Räume füllt. Allenfalls am Boden ist es etwas lichter; der Schein der Flammen erhellt die verrauchte Atmosphäre kaum, die Stromversorgung ist normalerweise zusammengebrochen, Lampen sind erloschen. Mit Atemschutzmasken und Helmen auf den Köpfen, den Sauerstoffflaschen auf die Rücken geschnallt, bekleidet mit hitzebeständigen Schutzanzügen bewegen sich die Retter auf Knien rutschend oder auch kriechend, robbend voran. Das ist nichts für Angsthasen oder psychisch labile Menschen. Es bedarf einer gehörigen körperlichen Fitness und gründlicher Kenntnis in Theorie und Praxis, sich als "Atemschutzgeräteträger" bei gefährlichen Einsätzen tapfer seiner Aufgabe zu stellen: retten, was zu retten ist!
Für 20 bis 40 Minuten (je nach Kraftaufwand und Einsatzbedingung) reicht der mitgeführte Sauerstoff, dann ist hoffentlich der Auftrag erfüllt oder der Trupp ist zurück und muss ausgetauscht werden. Mindestens einmal jährlich übt jeder Atemschutzträger der Feuerwehren diesen Einsatz. In der Strullendorfer Anlage steht dafür eine vom Kreisbrandinspektor Manfred Gröhling und seinem Team realitätsnah gestaltete Übungsstrecke zur Verfügung. Nach kurzer Aufwärmphase auf der Endlosleiter und auf einem Laufband kriecht der Zwei-Mann-Trupp in die Strecke, bei Dunkelheit effektvoll beschallt, durch enge Gittergänge, Leitern hoch und runter, durch Türen und Luken, durch möblierte Kammern schließlich in einen Nassraum, wo dann auch noch eine 80 Kilogramm schwere Puppe geborgen werden muss: ziehend, zerrend und schiebend, auf dem Boden kniend. Mit Hilfe von Infrarot- und Wärmebildkameras werden die Probanden aus dem Kontrollraum heraus an Monitoren beobachtet. Wie im Einsatz sind sie während der Übung ganz auf sich gestellt.