Christian Irmisch ist enttäuscht. Der Bamberger, der seit Jahren bei Siemens in Erlangen als Experte für Verkehrssysteme arbeitet, hat jahrelang dafür gekämpft, dass Fußgänger und Radfahrer in der Langen Straße mehr Platz erhalten. "Aufenthaltsqualität" war das Zauberwort. Nun hat der Stadtrat die Hoffnung mancher Bürger zunichte gemacht, dass sich in dieser wichtigen Innenstadtstraße schnell etwas verändert.

Dabei sah es noch vor zwei Wochen ganz anders aus. Mit knapper Mehrheit von sieben zu sechs Stimmen sprang der Bausenat über seinen Schatten und beschloss, dass die 14 Kurzeitparkplätze den Ergebnissen des Mediationsverfahrens Innenstadt folgend aufgelöst und der Radweg auf der Südseite auf die Straße verlegt werden sollte. Irmisch und seine Mitstreiter jubelten, die Geschäftswelt ging auf die Barrikaden.

Nun wieder die Rolle rückwärts. Der Nachprüfungsantrag der CSU, der aus Sicht der CSU auch deshalb nötig war, weil Franz Pichler (CSU) gegen seine Fraktion stimmte, hat sein Ziel erreicht. Mit 24 zu 17 Stimmen setzten sich im Ringen um die Lange Straße jene durch, die den Ängsten der Geschäftswelt vor Umsatzeinbußen die Priorität vor den Gestaltungswünschen aus der Bürgerschaft einräumten.

Zu ihnen gehörte zuvörderst die CSU, deren Vorsitzender Helmut Müller eine Entschleunigung bei Änderungen an der Verkehrsinfrastruktur anmahnten. Auch stellte die CSU den Wunsch der Anwohner in den Mittelpunkt, die laut Müller nicht möchten, dass aus der Langen Straße eine reine Partymeile wird. Widerspruch kam aus den Reihen der Grünen und der SPD. Heinz Kuntke, der beim Vorgehen der Stadt alles andere feststellen konnte, nur keine "übergroße Hast", sprach von einem gefährlichen Tohuwabohu der Verkehrsteilnehmer in der Langen Straße. Die Situation müsse dringend verbessert werden: "Von 14 Parkplätzen hängt das Wohl und Wehe der Geschäftswelt nicht ab."

An der geschlossenen Front derer die sich für den Erhalt der Parkplätze einsetzen, änderte dies aber wenig. Zu ihnen gehörten die Fraktion "Für Bamberg", die FDP-BR-Fraktion, Daniela Reinfelder (CSU), aber auch Armin Andres (SPD), der wie Pichler gegen seine Fraktion stimmte. Eine Mittlerrolle übernahm die Fraktion der Freien Wähler. Dieter Weinsheimer, der im Bausenat noch dafür gestimmt hatte, die Straße nadelöhrartig zu verengen, setzte sich nun dafür ein, dass die Ergebnisse der Ideenwerkstatt von 2010 wenigstens als Orientierungsrahmen gelten sollen.

Baureferent Michael Ilk machte freilich wenig Hoffnung, dass in naher Zukunft viel Spielraum bleibt, um die Aufenthaltsqualität in der Straße tatsächlich zu erhöhen. "Dieser Beschluss kommt einer Nulllösung gleich. Einen Pflanzkübel möchte ich nicht aufstellen."

Zustimmung löste die Kehrtwende im Stadtrat indes bei den Gewerbetreibenden in der Straße aus. Pius Schiele, Sprecher der Interessengemeinschaft Lange Straße, glaubt, dass Kurzzeitparklätze große Bedeutung für seine Mitglieder haben. 95 Prozent seien für die Parkplätze. Schiele: "Wir wünschen uns weder mehr Gastronomie, noch glauben wir, dass sich die Sicherheit erhöht, wenn der Radweg auf die Straße verlegt wird."