Auf das größte Bamberger Volksfest und seine Besucher kommen möglicherweise ungewohnte Veränderungen zu. Fünf Wochen nach dem Ende der 65. Kirchweih zu Füßen von St. Elisabeth dominierten im Stadtrat am Mittwochabend skeptische Töne, was eine weitergehende finanzielle Förderung der Traditionsveranstaltung durch die Stadt angeht.

Dabei sind sich die Mitglieder der großen Fraktionen CSU, SPD und Grüne einig, dass zur Finanzierung des Sicherheitskonzeptes und einer geschätzt 100.000 Euro teueren Lautsprecheranlage neue Wege gegangen werden müssen. Ausdrücklich wurden Eintrittsgelder oder auch Sponsoring durch Unternehmen nicht ausgeschlossen.


Keine Sonderbehandlung für die Sandkerwa

Am zurückhaltendsten äußerte sich noch der Chef der CSU-Fraktion Helmut Müller. Doch auch er gab unmissverständlich zu verstehen, dass die Sandkerwa aller Bedeutung zum Trotz eine Sonderbehandlung nicht grundsätzlich verlangen könne: "Wir haben viele Vereine und viele Großveranstaltungen. Da sollten wir nicht aus Hüfte schießen", sagte Helmut Müller.

Deutlicher äußerte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Stieringer. Eine Förderung wie im Jahr 2015 müsse die absolute Ausnahme bleiben. Es sei nicht die Aufgabe der Stadt, finanzielle Risiken eines Veranstalters durch den Haushalt abzusichern, sagte Stieringer. Der Stadtrat, der auch Geschäftsführer vom Stadtmarketing ist, hob das Beispiel des Villacher Kirchtags als Vorbild für Bamberg vor. Dessen Besucher zahlten sieben Euro Eintritt und finanzierten so die Veranstaltung.

Auch andere Redner hieben im Harmoniesaal in die gleiche Kerbe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb 100.000 Euro bei einer Veranstaltung wie der Sandkirchweih nicht zu generieren sei, sagte FDP-Stadtrat Martin Pöhner und schlug als möglichen Ausweg einen Sicherheitszuschlag auf Getränke oder ein Sponsoring durch heimische Brauereien vor.

Auch die Bamberger Grünen mögen kein zusätzliches Geld in die Sandkirchweih buttern. Von Sorgen angesichts der Haushaltsentwicklung und von Quellen, die nicht länger sprudeln, sprach Fraktionschefin Ursula Sowa.

Doch es fanden sich auch Verteidiger der Sandkerwa. Dieter Weinsheimer den Freien Wählern wollte den Zuschuss, der die Großveranstaltung im laufenden Jahr erst möglich gemacht hatte, rund 30.000 Euro, nicht schlechtreden. Etwas ähnliches könnte sich auch für die Veranstaltung im Jahr 2016 als nötig erweisen, meinte Weinsheimer und lobte das bewährte Konzept mit ehrenamtlichen Trägern. Auch dürfe man die Bedeutung der Kirchweih nicht vergessen. "Das kann man mit keiner anderen Veranstaltung vergleichen."


Tscherner: Bergkirchweih und Annafest werden zu 90 Prozent von Städten finanziert

Norbert Tscherner vom Bamberger Bürger-Block bezeichnete die Sandkerwa als "beste Botschafterin für Bamberg". Auch die Bergkirchweih in Erlangen und das Annafest in Forchheim würden zu 90 Prozent von den jeweiligen Städten finanziert, begründete der BBB-Stadtrat seine Forderung nach einer großzügigen Haltung gegenüber dem Volksfest. "Die 30.000 Euro sind nur ein Kleckerlesbetrag", sagte Tscherner und konnte sich einen Stich gegen Klaus Stieringer nicht verkneifen: "Für Stadtmarketing gibt es im Jahr 61.000 Euro. Auch dabei handelt es sich nur um einen Verein."

Der Appell, nicht alles über einen Kamm zu scheren, kam von Michael Bosch (BR). Er hob vor allem den nicht kommerziellen Charme der Kirchweih hervor, der durch Sponsoring verlieren zu gehen drohe.

Hoffnung, dass an einem demnächst stattfindenden runden Tisch Lösungswege gefunden werden könnten, äußerte BUB-Stadträtin Daniela Reinfelder. Die Sandkerwa sei eines jener Feste, "von denen die Stadt gewaltig was hat".