Der Cowboy Lucky Luke kann seinen Revolver bekanntlich schneller ziehen als sein Schatten. Und wenn es dann in den westlichen Territorien des Landkreises mal brenzlig wird, weil, wie in Stegaurach geschehen, der Gaudiwurm von finsteren Gesellen wie den schwarz gekleideten Blues Brothers heimgesucht wird, dann muss er ran. Bürgermeister "Doktor" Thilo Wagner blieb nichts anderes übrig, als den wackeren Cowboy zu bitten, sein Pferd Jolly Jumper zu satteln. Hat er auch gemacht, und beide, Lucky & Jolly, waren atemlos unterwegs, nicht durch die Nacht, aber durch dicht gedrängte Menschentrauben.

Die unanständig gut gelaunten, fröhlichen, aber disziplinlosen Massen machten eine erfolgreiche Verfolgung der Dunkelmänner aussichtslos; denn die unverschämte Bande, ob groß oder klein, alt oder jung, jubelte unentwegt, applaudierte und verlangte ständig nach mehr. Mehr Kamelle, mehr Handstandüberschläge, mehr Nahrung, bevorzugt flüssig. Selbstverständlich wurden die Autos stehen gelassen, denn schließlich waren das FBI und Bundesmarshals vor Ort.

Dicht auf den Fersen

Außerdem ließ sich der Cowboy, der eigentlich auf der Ranch der Reservistenkameradschaft Aurachtal eine Herde Longhorns betreut, nur zu gerne ablenken. Das Pferd auch. Die unbekümmerten Blues Brothers konnten sich sogar mehrere Tanzeinlagen leisten, was dem einen oder anderen der getarnten Stegauracher Firefighter zum Verhängnis wurde, denn die schwer bewaffnete Interstate-Police war ihnen dicht auf den Fersen.

Die ebenfalls im Zug vertretenen FBI-Leute und JVA-Beamten aus der Stegauracher "Enklave" Erlau hatten ihren Job längst erledigt und ihren prominenten Gefangenen ziemlich sicher hinter Gitter gebracht.

Da saß er nun, der Uli Hoeneß, in einem buchstäblich offenen Strafvollzug. "Atemlos in den Knast", na, das ist doch was, und da durfte auch ein gemeinsames Ringelreihen von Häftlingen und Wärtern nicht fehlen.

"Regenbogengold" suchten sie alle, die Baunacher Garden, die bewegungsfreudige Zumba-Gruppe der SpVgg Stegaurach, die Muppets der Bürger e. V., die Youngster-Garde aus Strullendorf oder die "Flaschen" aus Mühlendorf, der "Bierkasten" vom Schorsch. Regenbogengold gab's nicht, aber dafür die Albenstrahlen einer lachenden Sonne, denn man war eben nicht in Amsterdam, sondern in der "Gemeinde mit Herz", in der jetzt alle an einem Strang ziehen, wie der Gemeinderat glaubhaft versicherte. Wo Totgeglaubte länger leben. Zu dieser Erkenntnis kam der Gewerbeverein.

Und die Maurerzunft bot sich an, den Bau des Berliner Flughafens kostengünstig zu beenden. Statt Grachten die von Bibern aufgestaute Aurach, "alles geht den Bach runter", und rote Rosen regnete es auch nicht, aber, wie es sich gehört, reichlich Kamelle, auch handfestes Naschwerk, viel Musik von der Mühlendorfer und der Walsdorfer Blasmusik, und - Bücher, die nicht wahllos, sondern gezielt verteilt wurden. Könnte ja auch schon mal weh tun, so ein Buch am Kopf. Im Kopf weniger.

In der Aurachtalhalle brodelte es

Ziel des Umzuges war die brodelnde, bald knackvolle Aurachtalhalle, wo die DJs Jörg Wagner und Fabi Hollet die Stimmung anheizten, und wo ein am Ende recht freizügiges Mühlendorfer Putzgeschwader sein virtuoses Können mit dem Besen unter Beweis stellte, die Zuckerpuppen der SpVgg zu Latino-Klängen rockten und die Blues Brothers nach einem höchst kriminellen Auftritt das Publikum animierten, einen flotten Twist aufs Parkett zu legen.

Drei der 24 Wagen und Fußgruppen wurden prämiert, bewertet von drei gänzlich unabhängig voneinander agierenden Beobachtern. Die Preise übergab die beim Weiberfasching im Sportlerheim gekürte Stegauracher Faschingsprinzessin Heidi I.

"Sie hatte sich nicht schnell genug versteckt", war auf Nachfrage zu erfahren, "und sie konnte am besten singen. Mendocino, zum Beispiel." Faschingsprinzessin wird also, wer zwar gut singen, aber nicht schnell laufen kann.
Nach eigenem Bekunden waren die letzten Tage "schon anstrengend", aber Ihre Majestät entledigte sich ihrer Aufgabe gleichwohl mit viel Charme und Souveränität.

Natürlich wurden wieder die schönsten Faschingsauftritte prämiert. Mit 84 von 100 möglichen Punkten kletterten die Helden des Wilden Westens, Lucky Luke und Jolly Jumper, auf das Siegertreppchen, dicht gefolgt vom Ortsverein Mühlendorf II, den bierliebenden Flaschen. Platz 3 belegten die Muppets, aber Kermit, Miss Piggy & Co. waren schon wieder unterwegs. Möglicherweise hatte Hollywood ja angerufen.