Im Juni 2016 überraschte eine verfrühte Einladung zum Spatenstich an den Berliner Ring Bambergs Würdenträger und die amüsierte, teilweise auch verärgerte Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt befand sich weder das Grundstück südlich der Häuser des Malerviertels im Besitz des Bauherren, noch bestand Baurecht.

Ein halbes Jahr danach ist die Wahrscheinlichkeit gewachsen, dass der Spatenstich für ein neues großes Autohaus tatsächlich irgendwann erfolgen kann. Mit großer Mehrheit passierte das Projekt Sperber am Mittwoch den zweiten Schritt im Bauleitverfahren. Nur die Grünen stimmten dagegen.

Insgesamt 31 Anregungen waren von öffentlichen Institutionen und Privatpersonen eingegangen, wie Frank Schönfelder vom Planungsbüro Strunz aufzählte. Sie wurden entsprechend der gesetzlichen Vorschriften geprüft. Wichtigstes Ergebnis dieser öffentlichen Beteiligung: Die Position des künftigen Autohauses wird um zehn Meter nach Süden gerutscht. Außerdem sollen der auf dem Gelände befindliche Jugendtreff Filterlos samt Beachvolleyball-Platz und Streetcourt-Feld auf eine Ersatzfläche unweit der blauen Schule verlegt werden. Umzug und Neubau kosten stattliche 300 000 Euro. Den Löwenanteil davon will mit 200 000 Euro allerdings Bauherr BMW-Sperber beisteuern.

Der Kurswechsel bietet die Aussicht, einen komplizierten Konflikt zumindest zu entschärfen. Das von Bambergs OB Andreas Starke (SPD) mit Nachdruck vorangetriebene Ansiedelungsprojekt verlockt zwar durch die Chance, neue Arbeitsplätze für Bamberg zu gewinnen. Bei den Anwohnern des Malerviertels, die um ihren seit Jahren unveränderten grünen Umgriff fürchten, stößt das Vorhaben aber auf Gegenwehr. Sie sehen, wie aus langen Unterschriftenlisten hervorgeht, einen massiven Rückgang ihrer Lebensqualität, wenn auf einer Fläche, die bisher als "Gemeinbedarf Schule" ausgewiesen war, nun das größte Autohaus Oberfrankens mit 320 Stellflächen gebaut wird.

Mit dem Vorschlag, das Verkaufsgebäude nach Süden zu verlegen und dadurch den Grüngürtel zu den Häusern deutlich zu vergrößern, ist auch die dortige Neupflanzung von 55 Bäumen verbunden. Sie sollten bisher zwischen den Parkplätzen stehen.

Bei der Mehrheit der Stadträte fand diese Veränderung Gefallen. Der Kompromiss könne sich sehen lassen, sagte Peter Neller von der CSU. Er habe Verständnis für die Anwohner, doch müsse man auch die wirtschaftliche Bedeutung des Autohauses berücksichtigen. Heinz Kuntke, Sprecher der SPD, die für eine Verbreiterung der Grünzone Unterschriften gesammelt hatte, bezeichnete sich als "froh und glücklich", dass ein Interessenausgleich habe gefunden werden können. Kuntke, selbst Anwohner im Malerviertel, bestätigte, dass es es nicht gelang, alle Nachbarn zufrieden zu stellen. Freilich: Auch die SPD müsse die Bedeutung sehen, die Arbeitsplätze für das Gemeinwohl hätten.

Nicht zufrieden zeigte sich die grüne Fraktion. Sie bemängelt die trotz kleiner Änderungen nach wie vor hohe Versiegelung. "Bei besserer Planung hätte man auf diesem wertvollen Grundstück auch zwei Unternehmen untergebracht", kritisierte Ursula Sowa die Stadtspitze und legte dem Bauherren nahe, über eine mehrgeschossige Bauweise nachzudenken.

Sehr wahrscheinlich ist es aber nicht, dass dieser Appell fruchtet. Wie der Bamberger Architekt Stefan Seiler sagte, stammen die standardisierten Pläne nicht von ihm, sondern von der BMW-Group und werden in aller Regel nicht modifiziert. "Unsere Einflussmöglichkeiten sind da sehr gering."