Der kleine braun-getigerte Kater lässt seinem Unmut akustisch freien Lauf. Miau! Wut und Frust mischen sich in dem zarten aber energischen Stimmchen. Miau! Er will hier raus. Raus aus dem kleinen Quarantäne-Abteil. Ein durchdringendes Miau folgt dem anderen. Der Kleine hangelt nach dem Riegel. Keine Chance. Weder darauf, das Türchen selbst zu öffnen, noch auf eine wesentliche Verbesserung seiner Lage. Denn auch in den regulären Katzenzimmern im Tierheim Berganza ist die Stimmung nicht wesentlich besser. Zu viele in jedem Raum. "Die Katzen sind genervt, wenn zu viele zusammen leben müssen", weiß Marion Hymon-Löffler, Zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Bamberg und Umgebung und Katzen-Expertin.

Die Lage ist ernst, bestätigt auch Vereinsvorsitzender Liebhard Löffler. Normalerweise befinden sich im Schnitt 50 Stubentiger in der Obhut des Vereines. Derzeit sind es 75 im Tierheim und 35 auf privaten Pflegestellen. Grund: die Urlaubszeit. Einerseits entledigen sich etliche Zeitgenossen ihrer Tiere, bevor sie in alle Himmelsrichtungen entschwinden. Andererseits macht es wenig Sinn, sich ein Tier zuzulegen, wenn man vor der Urlaubsreise steht. Und das Ganze genau in der Zeit, in der wie immer viele Katzen auf die Welt kommen.

Freiwillige Helfer sind willkommen


Eigenartigerweise entdecken dann noch Menschen just vor dem Urlaub ihre Tierhaar-Allergien oder merken, dass sie des Tieres überdrüssig geworden sind. Die Begründung mit der Allergie lässt sich schlecht nachprüfen. Allerdings ist es Löffler wesentlich lieber, wenn man im Berganza bei der Abgabe diesbezüglich angelogen wird, anstatt dass die Besitzer ihr Tier einfach so aussetzen oder im schlimmsten Fall umbringen.

So bleibt im Tierheim am Rothofer Weg nichts anderes, als die derzeitige Situation nach Kräften zu managen. Da seit längerem Wert auf Flexibilität beim Personaleinsatz gelegt wird, zieht man derzeit eben vom Kleintierbereich Kräfte ab, um der vermehrten Arbeit im Katzenhaus Herr zu werden. Entlastung würde es bringen, wenn sich Interessierte, die planen, sich im Herbst eine Katze zuzulegen, jetzt schon kämen. Freiwillige Helfer könnte man ebenfalls gut brauchen.

Und es würde es die Situation auch entschärfen, wenn Katzenfreunde als zusätzliche private Pflegestellen gewonnen werden könnten. Insbesondere für die kleinen Kätzchen. Futter- und Tierarztkosten zahlt in dem Fall der Tierschutzverein.Die Katzenschwemme im Tierheim Berganza sei indes kein Bamberger Phänomen, sondern treffe die anderen Regionen und deren Tierheime genauso.

Das Tierheim vermittelt Pensionen


Zwar kann das Bamberger Tierheim generell keine Pensions-Katzen aufnehmen, so Löffler mit Blick auf die Urlaubszeit. Man habe aber Adressen von Privatleuten und Pensionen, die man Interessenten gerne mitteilt. Vielleicht erhält diese Option der einen oder anderen Katze ihr angestammtes Zuhause, hoffen die Tierschützer.
Für Hunde gebe es die Möglichkeit der Urlaubsbetreuung. Allerdings nur dann, wenn die Zahl der Fund- und Abgabehunde dies zulässt.

Denn die haben wegen der originären Aufgabe der Einrichtung naturgemäß Vorrang. 30 Hunde warten derzeit auf ein neues Zuhause. Einer davon ist die kleine, kahle Chihuaha-Hündin Rosi. Ob die nun ein Urlaubsopfer ist, kann Tierpflegerin Steffi Kraus nicht sagen. Aufgegriffen wurde sie jedenfalls vor wenigen Tagen in der Nähe der Kleingartenanlage. Doch ist das Aussetzen von Hunden durchaus eine traurige Erscheinung, die sich zur Urlaubszeit auffällig häuft.

Noch während man am Rothofer Weg versucht, die aktuelle Situation zu meistern, blickt man bereits mit weitaus größerem Unbehagen dem Zeitpunkt entgegen, wenn die US-Streitkräfte Bamberg den Rücken kehren. Aus den Erfahrungen derjenigen Städte, die Abzug und Konversion schon hinter sich haben, weiß man in Bamberg um die Brisanz. Schweinfurt, mit weitaus mehr Stationierten, drohen da größere Dimensionen, prognostiziert Liebhard Löffler. Man sei bereits vernetzt und versuche, gemeinsam Strategien zu entwickeln.

Wer sich nun berufen fühlt, einem kleinen Stubentier ein vorübergehendes oder dauerhaftes Zuhause zu geben, kann sich unter der Rufnummer 0951/62492 an das Tierheim Berganza wenden. Warum das kleine miesgelaunte Tigerkaterchen derzeit in der Quarantäne sitzt? "Neu eingetroffene Tiere müssen diese Station durchlaufen", erklärt der Vereinsvorsitzende. Schließlich muss man sie eine zeitlang beobachten, um zu wissen, ob sie nicht etwa krank sind. Eine Ansteckung der anderen tierische Bewohner hätte schließlich fatale Folgen.