Mama Ute hat für etwa 25 Euro Hefte gekauft und einen 45 Euro teuren Taschenrechner bestellt. "Dann braucht Isabel noch für jede Fremdsprache ein Übungsheft. Macht 20 oder 25 Euro. Annika braucht das Übungsheft für Englisch: die nächsten elf Euro." Die Schulaufgabentrainer mit CD für's Hörverstehen seien zwar keine Pflicht. "Aber sie machen das Leben leichter." Ute Raab seufzt, lacht: "Also kaufe ich die auch. Insgesamt kommt schon eine Menge zusammen."


Teure Schuljahre

Isabel, mit zwölf Jahren die "Große" der Familie Raab aus Burgebrach (Landkreis Bamberg), geht in die achte Klasse der Realschule Ebrach. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Annika besucht seit zwei Wochen das Dientzenhofer-Gymnasium Bamberg - und steckt in einem der teuersten Schuljahre überhaupt. Die Klassen 1 und 5 schlagen verschiedenen Studien zufolge jeweils mit 300 Euro bis 450 Euro zu Buche.
In der ersten Klasse ist vor allem der Schulranzen teuer. Isabel hat zur Einschulung einen sehr stabilen von ihrer Patentante bekommen, Annika konnte diesen weiter nutzen. Aber jetzt ist für sie ein Schulrucksack fällig - neben vielen Neuanschaffungen, die der Übertritt ans Gymnasium mit sich bringt.


Staat zahlt 8000 Euro pro Jahr

Der Schulbesuch selbst ist an staatlichen Schulen kostenlos. Bayern investiert dem Statistischen Bundesamt zufolge pro Schüler im Schnitt knapp 8000 Euro jährlich. Wer seinem Kind neben der Schule Bildung ermöglichen möchte, zahlt: "Gestern kam Isa wieder, dass sie zwei Bücher fürs Schlagzeug braucht: 45 Euro", rechnet Ute Raab. Ihre große Tochter besucht die Musikschule - Jahresbeitrag etwa 650 Euro, Annikas privater Klavierunterricht kostet monatlich etwa 50 Euro.

Auch Hannah Türcke aus Dörfles-Esbach (Landkreis Coburg) spielt Klavier. Ihr Lehrer kommt zu ihr nach Hause. "Das kostet 60 Euro im Monat", verrät Mutter Sandra. Dienstags hat Hannah Balletttraining. Das braucht sie, um in der Schautanzgruppe des Vereins Coburger Mohr mittanzen zu können. 38 Euro ist dies Hannahs Eltern jeden Monat wert. Die Zeit hingegen ist nicht in Euro zu fassen. Samstags ist Schautanztraining, hinzu kommen noch Turniere.


Sammelbox beim Sportverein

Fahrten am Wochenende zu Veranstaltungen - das kennt auch Ricarda Jürgens aus Bamberg. Nur dass sich ihr Sohn Lian nicht mit Ballett beschäftigt, sondern lieber die Gegner auf dem Rasen austanzt. Er spielt in der D1-Jugendmannschaft der TSG 05 Bamberg. Beim Fahren wechseln sich die Eltern der Fußballkinder ab. Fußball ist Lians Leben. Zweimal die Woche hat er Training. Da macht es ihm auch nichts aus, dass für andere Hobbys wie Musikunterricht kaum Zeit bleibt. "Das würde auch aus finanziellen Gründen nicht gehen", schränkt Lians Mutter ein.
Bei Trainingshosen und Trikots hat Ricarda Jürgens eine innovative Lösung gefunden. Sie ist Mitglied im Bamberger Förderkreis goolkids. Der stellt bei Sportvereinen Sammelboxen auf, in die der Nachwuchs Sportsachen hineinwerfen kann, aus denen er her ausgewachsen ist - damit auch Kinder finanziell schwächerer Familien Sport treiben können. Lians Fußballschuhe hat seine Mutter gebraucht gekauft. Genau wie zuletzt im Internet das Heft Grundwissen Mathe oder im vergangenen Jahr einen Weltatlas. Auf diese Weise spart die Mutter einiges. "100 bis 120 Euro kostet der Schulanfang dennoch", sagt sie. Der teuerste Posten für die Alleinerziehende ist allerdings die Nachmittagsbetreuung für Lian in einem Schülerhort: 200 Euro im Monat kostet es, dass der Sechstklässler nach Schulschluss dort Hausaufgaben macht und verpflegt wird.


Wie wichtig sind Marken?

Isabel Raab hat manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn Mama schon wieder die Geldbörse zücken muss. Aber die Schülerin benutzt ohne Murren die Heftumschläge vom vorigen Jahr und legt auch keinen Wert auf Markenkleidung. "Es gibt bei uns schon ein paar, denen Marken wichtig sind, aber mir nicht." Beim Schulmaterial schaut die Familie auf Qualität. "Bei Malkasten, Pinseln und Stiften sind auch von den Lehrern ausdrücklich Marken erwünscht", erklärt Ute Raab. "Die Billig-Farben decken nicht ordentlich."
Lians Mutter tauscht beim Malkasten nur die Farben aus, die verbraucht sind. "Ab drei Farben und Deckweiß kostet das so viel wie ein neuer Kasten", ärgert sie sich. Aber es geht ihr ums Prinzip. "Ich kaufe so wenig wie möglich neu. Nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus Umweltschutzgründen", sagt sie.
Auch Hannah Türcke nutzt im neuen Schuljahr ihren alten Farbkasten weiter. Wird Neues angeschafft, kauft die Familie im Schreibwarenfachgeschäft vor Ort ein. "Meine Schwiegermutter hat alles in einem besorgt", sagt Mutter Sandra Türcke. Oma zog mit der Liste los, die Hannah Ende des vergangenen Schuljahres bekommen hat. Hefte liniert, kariert, mit Rand, ohne Rand sind unter anderem aufgeführt. Dazu Schnellhefter in vorgegebenen Farben, ein Hausaufgabenheft, ein Karteikasten DIN A6 aus Plastik mit weißen linierten Karteikarten. 42 Euro hat Schwiegermama ausgegeben.


"Zu viel Kopien"

Hinzu kommen laut Sandra Türcke noch 30 Euro für vier Arbeitshefte und Arbeitsmaterial in den Hauptfächern und zwölf Euro für das Fach WTG (Werken und Textiles Gestalten). Außerdem rechnet sie mit einer Pauschale für Kopien. "Im vergangenen Jahr waren das acht Euro." Die Mutter findet: "Es wird viel zu viel kopiert und dann fliegen die Blätter herum. Ein bisschen mehr Abschreiben von der Tafel würde den Kindern als Schreibübung bestimmt gut tun."


Teure Ausflüge

Im zweiten Halbjahr der 4. Klasse steht auch eine Woche Schullandheimaufenthalt für Hannah an. Was das kostet, stehe noch nicht fest. Für Familie Raab waren die Ausflüge im vergangenen Schuljahr der teuerste Posten: Ute Raab überschlägt: Isas Sommersportwoche 270 Euro, drei Tage Frankreich 140 Euro. "Die Kleine hat nur Tagesausflüge gemacht: um die 50 Euro. Da fragt man sich schon, wie das bei manchen Familien funktionieren soll. Wir verdienen nicht schlecht, müssen aber auch schauen, wie wir rumkommen."
Dass dies nicht immer einfach ist, ist auch der zwölfjährigen Isabel klar: "Bei manchen an unserer Schule weiß man, dass sie kein Geld haben", erklärt sie. Die Schülerin findet wichtig, dass solche Kinder zum Beispiel durch Elternbeirat oder Förderverein unterstützt werden, damit sie mit auf Klassenfahrt können.