Jetzt also doch nicht. Die Nachricht, dass Bambergg nicht mit einem Pufferlager für bis zu 5000 Flüchtlinge rechnen muss, hat sich am Mittwoch kurz vor zwölf Uhr verbreitet - und sie stieß in Bamberg auf meist positives Echo. Auch Bambergs OB Andreas Starke (SPD) begrüßte die Entscheidung, die der Bund gemeinsam mit dem Land getroffen hatte. "Damit wird eine Überforderung Bambergs verhindert", sagte das Stadtoberhaupt. Starke zeigte sich überzeugt, dass die Hilfsbereitschaft wachse, wenn die Flüchtlinge gerecht auf die Kommunen verteilt würden.

Es war Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) , die dem Oberbürgermeister die Nachricht am Mittwoch persönlich mitgeteilt hatte. Nachdem vergangene Woche die Möglichkeit der Unterbringung von weiteren Flüchtlingen unter anderem in der US-Kaserne in Bamberg geprüft worden war, habe der Bund am Dienstag die Überlegungen wieder verworfen. "Dies hätte zur Folge gehabt, dass in Bamberg über 7000 Asylbewerber leben würden. Dies hätte die Stadtgesellschaft deutlich überfordert", sagte der OB.

Das Szenario einer weiteren Großunterkunft für 5000 Menschen in Bamberg hat aber möglicherweise doch eine Entwicklung angestoßen: Um ähnlichen Überlegungen in Zukunft zuvor zu kommen, haben Starke und Bürgermeister Christian Lange (CSU) noch am Mittwoch die Verwaltung beauftragt, zusammen mit dem Freistaat zu prüfen, in wieweit die leer stehenden US-Wohnungen schnell dem Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden können.

Auf diese Weise sollen, so der OB, anerkannten Asylbewerbern auch über Bamberg hinaus ebenso wie der einheimischen Bevölkerung aus Bamberg der dringend benötigte Wohnraum angeboten werden. Angesichts der Flüchtlingsströme und der hohen Anerkennungsquote von Bewerbern aus Bürgerkriegsgebieten werde der Bedarf an Wohnraum noch einmal erheblich zunehmen, prognostiziert der OB: "Das frühere US-Gelände kann unsere Antwort sein, um allen Bürgern und den anerkannten Flüchtlingen zusätzlichen und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Integration erhält dadurch weiteren Schub."

Kritisch stehen die Grünen der Entscheidung gegenüber, Bamberg doch nicht zu berücksichtigen. Stadträtin Ursula Sowa befürchtet, dass den Flüchtlingen aus populistischen Gründen nun die nötige Hilfe versagt und der Konflikt auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen werde, obwohl in Bamberg objektiv nutzbarer Wohnraum zur Verfügung stehe. Einen Widerspruch zwischen dem Verlangen der ortsansässigen Bevölkerung nach Wohnraum und dem Bedürfnissen der Flüchtlinge sieht Sowa nicht. "Die ganze Lagardekaserne steht leer, die Mannschaftsunterkünfte, Hunderte Familienwohnungen. Wir haben den Platz, um Zeltstädte zu verhindern."

Anders die CSU: "Mit Freude" nahm der Bamberger CSU-Fraktionsvorsitzende Helmut Müller die Entscheidung zur Kenntnis, dass es nun doch nicht zu einer weiteren Aufnahmeeinrichtung kommen soll. Bambergs CSU hatte im Internet eine Petition gegen eine solche Lösung gestartet, die mittlerweile von 1800 Nutzern unterzeichnet worden ist. Die Partei sehe sich durch die Resonanz in ihrer Haltung bestätigt, dass die Bamberger bei aller Hilfsbereitschaft durchaus auch Grenzen der Aufnahmefähigkeit sehen. "Eine solche Einrichtung hätte den Konversionsprozess sehr gestört. Deshalb freut es mich, dass wir die Entwicklung im Bamberger Osten nun geordnet und im Interesse der gesamten Bamberger Bevölkerung vorantreiben können" , sagte Müller.


SPD: Stimmung wäre gekippt

Erleichterung auch bei der Bamberger SPD: Stadtrat Heinz Kuntke, der auch Vorsitzender des Bürgervereins Ost ist, hatte die Befürchtung, dass die Stimmung in Bamberg Ost kippen würde, käme es zu einem Pufferlager in der geplanten Größenordnung. Auch der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum auf dem Konversionsgelände wäre auf absehbare Zeit nicht mehr zu bedienen gewesen, glaubt Kuntke. Nun will er sich mit der SPD-Fraktion dafür einsetzen, dass auch die Häuser der östlichen Pines-Area und des Lindenanger schnell für den Wohnungsmarkt aktiviert gemacht werden.

Zufrieden mit der Abkehr von den ursprünglichen Überlegungen ist auch Daniela Reinfelder (BUB). Dadurch bleibe die gesellschaftliche Balance in Bamberg gewahrt. Dies bedeute auch, dass der Konversionsprozess wie geplant weiterlaufen könne. Als Erfolg verbucht es Reinfelder, dass zum 1. Februar 2016 die ersten US-Wohnungen zur Miete angeboten werden sollen. Dazu habe auch die BUB mit ihrem Vorschlag einer "Pinselsanierung" beigetragen.

Aufatmen auch in der Wohnbevölkerung: "Natürlich hatten die Leute in der Gartenstadt Angst, dass in ihrer Nachbarschaft ein Großlager entsteht", sagt Peter Neller aus dem Bürgerverein Gartenstadt. Bei aller Bereitschaft zur Unterstützung von Menschen in Not wäre eine solche Konzentration von Menschen organisatorisch, aber auch hygienisch kaum vorstellbar. Neller plädiert für eine gerechte Verteilung von Migranten in Europa und natürlich auch in Deutschland. "Es wäre für alle in Bamberg bedauerlich, wenn die Kaserne zum einzigen großen Flüchtlingslager würde."

Dennoch glaubt der Stadtrat aus der Gartenstadt nicht, dass das Thema endgültig vom Tisch ist. "Wenn die Flüchtlingsströme so anhalten wird es sich wieder stellen. Möglicherweise noch vor dem Winter."