Fesselsdorf liegt am Meer. Eine blau glitzernde Fläche. Wellen bis zum Horizont. Nicht aus Wasser - es sind Wellen aus Solarmodulen. Ein ganzer Solarpark ist es, der Fesselsdorf und die angrenzenden Gemeinden umfließt: der Jura-Solarpark.

Weit wie das Meer

Allein die Anlage zwischen Fesselsdorf und Buckendorf, die beide zu Weismain gehören, ist 17 Hektar groß. Das sind 170.000 Quadratmeter. Knapp 24 Fußballfelder.

Ein hoher Zaun trennt das Solarmeer von einem schmalen Grasstrand auf der einen und der Autobahn auf der anderen Seite. Davor steht Oliver Partheymüller (46), Projektmanager bei der Bad Staffelsteiner Firma IBC Solar. Die hat die Megaanlage geplant, gebaut und betreibt sie.

"Drei Monate haben wir hier in Fesselsdorf gebaut", sagt Partheymüller, und sein weißes Hemd strahlt mit der Sonne um die Wette. Drei Monate, in denen durchweg 200 Monteure im Einsatz waren. Fast zeitgleich sind sieben weitere Parks entstanden: Buckendorf 1 und 2, Stadelhofen 1 und 2, Feulersdorf 1 und 2 sowie Schirradorf 1.

Momentan laufen für die Solarfrei flä chenanlagen Leesau (im Markt Thurnau) und Schirradorf 2 noch die Baugenehmigungsverfahren. "Dann haben wir eine Gesamtsolarfläche von 100 Hektar", sagt Oliver Partheymüller. 100 Hektar, die wie ein riesiges Meer nach Land greifen und die Landkreise Bamberg, Kulmbach und Lichtenfels erobern.

Der Schatten ist der Feind

Kein Baum, keine Hecke, die Schatten spenden könnten. Denn Schatten ist der größte Feind der Solarenergie. "Am schlimmsten sind die Vögel", sagt Partheymüller. "Die sitzen auf den Kanten der einzelnen Module, gucken rein wie in einen Spiegel und machen Schatten." Und ab und zu lassen sie auch etwas fallen. Überall auf den 1,60 Meter hohen und einen Meter breiten Modulen, die in Reihen wie sehr lange Biertische angeordnet stehen, finden sich mal kreisrunde, mal vom Regen verwischte Kleckse. Denn der Regen ist der einzige, der die Module reinigt.

Und er lässt das Gras wachsen. "Nach und nach verwildert hier alles", sagt der Projektmanager. Und das ist gewollt: Weil der Boden nicht mehr gedüngt wird, kommen Wildkräuter zurück, Nagetiere und Insekten siedeln sich an. Und werden angesiedelt. Wie die fünf Bienenvölker, die die IBC auf das Gelände geholt hat. "Mehrfachnutzung" nennt Partheymüller das. "Wir haben einen Imker, der zweimal die Woche kommt - und irgendwann gibt's dann Solarhonig." Er lacht. Die Sonne scheint. Fast herrscht Urlaubsstimmung am Solarmeer.

70 Millionen investiert

Fast. Wenn da nicht der große Zaun wäre, durch den sich Kabel winden. Mikrofonkabel, die sofort Alarm geben, wenn sich jemand Zutritt verschaffen will, der das nicht soll. Denn hinterm Zaun steht ein Vermögen. 70 Millionen hat der Jura-Solarpark schon verschlungen. Zehn kommen noch dazu.

"Das ist die höchste Investitionssumme, die in den letzten Jahren im Solarbereich in Bayern getätigt wurde", sagt Oliver Partheymüller, während er eine Plastiktüte aufhebt. Ordnung muss sein, weil oft "Touristen" ans Meer kommen: "Das Interesse ist sehr groß. Vor allem für Schulklassen machen wir oft Führungen zum Thema Umweltbildung."

Eingriff in die Natur

Die Umwelt, die ist Partheymüller wichtig. "Wir nehmen riesige Eingriffe in die Natur vor. Das müssen wir irgendwie wieder gutmachen." Als Ausgleich legt die IBC neben den Solarparks Streuobstwiesen und Grünflächen an, um sich gegen die Vorwürfe zu wehren, die Anlagen verbrauchten zu viel landwirtschaftliche Fläche.

Begeistert sind trotzdem nicht alle. Aber die IBC Solar hat einen Weg gefunden, die Gemüter zu beruhigen: "Die Buckendorfer zum Beispiel haben sich eine Lärmschutzwand zur Autobahn gewünscht." Die IBC hat sie gebaut.
Dahinter: blaues Glitzern, soweit das Fesselsdorfer Meer reicht.

Wie Sonne zu Wärme und Strom wird

Sonnenwärme wird genutzt, um Luft und Wasser zu heizen.

Photovoltaikanlagen wandeln die Sonnenwärme in elektrische Energie um.

Funktionsweise: Die Sonne strahlt auf Solarmodule. Auf jedem Modul sind Siliciumplättchen angebracht, die durch Sonneneinstrahlung Gleichstrom erzeugen. Jedes Modul ist durch eine Anschlussbox mit einem Wechselrichter verbunden. Hier wird aus Gleichstrom Wechselstrom. In einer Kompaktstation wird der Wechselstrom auf 20 Kilovolt transformiert und in ein Umspannwerk geleitet. Darin wird der Strom von 20 auf 110 Kilovolt umgeformt. Die IBC Solar speist den so entstandenen Strom direkt in das Energienetz der Eon Bayern ein.