Wie aus einer anderen Zeit wirkt die Silberschmiede von Andreas Schwarzl am Kaulberg durch die vielen verschnörkelten Kerzenständer, Kannen, Tabletts und Schatullen, die hier glänzen. Vieles sei dem Barock oder Jugendstil zuzuordnen, erklärt Matthias Schmidt, einer der Bamberger Landessieger des Praktischen Leistungswettbewerbs der Handwerkskammer Oberfranken.


Ein Apfel beim Bundesentscheid

Zusammen mit Cécile Verry, Monolith Bildhauerei und Steinrestaurierung GmbH, und Julia Wiesnet, Wiesneth Mühle GmbH in Sambach, bekamen er und sein Ausbilder Andreas Schwarzl deshalb hohen Besuch: Der Präsident der Handwerkskammer Oberfranken, Thomas Zimmer, besuchte die Landessieger, um persönlich Glückwünsche auszusprechen.

Mit seinem Gesellenstück als Abschluss der dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Silberschmied, einer apfelförmigen Zuckerdose, wurde der 25-Jährige einer der Landessieger in Amberg. Die Dose hat er aus Tomback, was ähnlich einer Messinglegierung mit einem größeren Kupferanteil ist, geschaffen.

Auf die Frage hin, wie der junge Silberschmied auf diesen außergewöhnlichen Beruf gekommen sei, holt er aus: Bereits während seiner Schulzeit am Clavius- Gymnasium habe er als Facharbeit in einer Schlosserei eine bewegte Plastik gebaut und dabei seine Leidenschaft für Handwerkliches entdeckt. Nach dem Abitur führte er dann in der "Suchen und Finden"-Phase ein Berufsberatungsgespräch.

Als ihm der "Berater" seinen Ehering aus der Silberschmiede Schwarzl zeigte, beschloss Matthias, dort ein Praktikum zu machen. Obwohl er neben diesem noch ein Praktikum in einer Antiquitäten-Schreinerei absolvierte, um sich zwischen Holz und Metall zu entscheiden, beschloss er schon nach einer Woche, bei Andreas Schwarzl hier die Ausbildung zum Silberschmied zu machen.


Der Beruf des Silberschmieds

Im Vergleich zur Ausbildung zum Goldschmied sei der Theorieteil gleich, aber die praktischen Ausbildungen unterscheiden sich. Denn ein Goldschmied befasst sich vor allem mit der Kreation von Schmuck, wohingegen ein Silberschmied meist mit Restaurationen und Erneuerungen beispielsweise von Beschlägen antiker Möbel oder kirchlichen Gegenständen betraut ist. "Meine ehemalige Berufsschule in Würzburg ist mehr auf Goldschmiede spezialisiert", meint Matthias und findet das schade.


In zweiter Generation

Die sich seit 1958 in Familienbesitz befindende Silberschmiede von Andreas Schwarzl war beispielsweise an der Oberen Pfarre Bambergs beschäftigt: Dort wurde in Zusammenarbeit mit dem Künstler Albert Ultsch der Altarraum, sprich der Ambo, die Messingleuchter und Lüftungsgitter gestaltet.

In der Silberschmiede sind temporär neben dem Meister und Chef Andreas Schwarzl noch ein Altgeselle und ein Geselle beschäftigt. Matthias Schmidt zählt leider nicht mehr dazu, denn er wird den Beruf krankheitsbedingt nicht mehr ausüben können.

Doch auch im Nachhinein ist er noch begeistert von der Arbeit als Silberschmied: Ihm habe das abwechslungsreiche kreative Werken gefallen. Außerdem sei es toll, die Veränderungen vom Grundmaterial bis zum fertigen Endstück sowie die Zufriedenheit der Kunden zu sehen. Darüber hinaus habe er große Freiheiten genossen und durfte alle Werkzeuge und Maschinen selbst ausprobieren. "Der Arbeitsplatz direkt neben dem Chef war hier kein Problem", lacht Matthias Schmidt und das Ganze klingt beinahe nostalgisch.