"Man muss miteinander reden", empfiehlt Werner Nützel. Der Geschäftsführer des BBV-KReisverbandes Bamberg-Forchheim hat dabei Irritationen im Blick, die sich bisweilen angesichts dringender landwirtschaftlicher Arbeiten ergeben. Dringend, weil eben Niederschläge oder gar Unwetter drohen, die neben einer Vielzahl von Mühen auch Investitionen und damit Bares zunichte machen können. Manchmal müssen Bauern eben noch nachts oder auch an Sonn- und Feiertagen mähen, dreschen, ernten.

Lange haben die Bauern heuer warten müssen, bis sie erstmals Heu machen, also auf den Wiesen den ersten Schnitt machen konnten. Üblicherweise ist das Ende Mai der Fall. Da war es aber zu nass. Mit der Folge, dass in etlichen Bereichen der erste Schnitt sozusagen mit dem zweiten zusammenfällt. Zumindest den mussten die Landwirte sicher unter Dach und Fach bringen. Das ist mittlerweile ziemlich über die Bühne gegangen, schätzt Nützel. Bereits im Gange ist die Getreideernte. Wintergerste ist weitgehend abgeerntet. Danach wird Raps gedroschen, im Anschluss die Sommergerste, dann Roggen und ganz zum Schluss Weizen.


In den Zeiten immer größerer, zusammengelegter Flächen und damit auch Maschinen ist das nötig, was Fachleute als Ernte-Kette bezeichnen Arbeitsschritte werden gestrafft: Da kommen zum Beispiel gleich mit dem Mähdrescher vom Trecker gezogene Abfuhrwagen in ausreichender Menge mit aufs Feld, damit der Mähdrescher nicht warten muss. Oder wenn Silage gemacht wird, rollen mit dem Häckselfahrzeug etliche Erntewagen und Muldenkipper an.

Seitens des BBV lege man Wert darauf, dass die gängigen Arbeitszeiten eingehalten werden, also werktags zwischen 6 und 22 Uhr gearbeitet oder einfach Rücksicht geübt wird. Nach einer Änderung sind die gesetzlich vorgegebenen Lärmschutzwerte (Bundesemissionsschutzgesetz) für die Landwirtschaft so festgelegt, dass es an sich keine Probleme geben sollte. Sie liegen schließlich mit 55 dB(A) deutlich über den sonst zulässigen Werten, zudem dürfen kurzzeitige Geräuschspitzen die Werte noch einmal um bis zu 10 dB(A) überschreiten. Ungeachtet der rechtlichen Rahmenbedingungen legt der BBV seinen Mitgliedern ans Herz, unnötigen Lärm zu vermeiden. "Es ist wie im Straßenverkehr", weiß Nützel. "Der Großteil ist vernünftig."


Polizei wird gerufen

Freilich werde auch seitens der Bevölkerung oftmals sofort die Polizei gerufen. Früher so Nützel, habe es generell noch mehr Verständnis für die Notwendigkeiten der Landwirte gegeben, Verständnis für deren unbedingte Wetterabhängigkeit. Den Ruf nach der Polizei bräuchte es in den meisten Fällen nicht, so Nützel. Er rät stattdessen, zum Landwirt hinzugehen, bzw. ihn anzurufen und die Sache zu klären.

Matthias Weigand, Geschäftsführer des Maschinenrings Bamberg bittet gerade heuer um Verständnis dafür, dass Landwirte die Zeiten einmal überschreiten. Angesichts der immensen Niederschläge seien die trockenen Arbeits-Zeit-Fenster - in denen man auf Felder, Wiesen und Äcker kann - äußerst eng. "Die Bestände sind reif, so muss man die trocknen Zeiten unbedingt nutzen." Bei den geringen Preisen, so Weigand, können die Landwirte nicht auch noch Trocknungskosten zahlen.

So werde auf jeden trockenen Druschmoment gewartet und dann durchgefahren. "Heuer geht es nicht anders." Freilich werde den rund 800 Mitgliedern ans Herz gelegt, immer noch so zu fahren, dass man an den Ortsrändern (Wohngebieten) möglichst nicht zuletzt arbeite.

Wie war das Jahr bis jetzt aus Sicht der Landwirtschaft? Für den Bayerischen Bauernverband (Bezirksverband Oberfranken) geht Bezirkspräsident Hermann Greif in einer Mitteilung auf dieses Thema ein. So waren die Böden im Frühjahr sehr nass und verzögerten die Bearbeitung der Felder.


Eher unterdurchschnittlich

So gab es auch für Gülleausbringung und Maissaat nur enge Zeitfenster. Die Feldfrüchte konnten den Regen mehrheitlich gut nutzen und sich entwickeln. Dennoch geht Greif insgesamt von einer unter dem Durchschnitt liegenden Getreide-Ente aus.