Irak, Syrien, Ukraine, Südsudan, Ebola in Westafrika - und jetzt noch diese Katastrophe: Kaschmir versinkt in Fluten. Es ist die schlimmste Überschwemmungskatastrophe seit einem Jahrhundert. Sowohl im indischen als auch pakistanischen Teil von Kaschmir ist die Lage dramatisch. Über zwei Millionen Menschen sind betroffen und auf der Flucht. Zwar weichen die Wassermassen nach den heftigen Monsunregen zurück. Doch noch immer sind Tausende von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Ihnen fehlt sauberes Trinkwasser und Nahrung. Es drohen Seuchen, die medizinische Versorgung reicht nicht aus. "Ganze Dörfer wurden weggeschwemmt, Schutzwälle und Dämme sind gebrochen", berichtet Amjad Gulzar als Direktor der Caritas Pakistan. Etwa 600 Menschen habe die Flut in den Tod gerissen.

"Die Einwohner von Kaschmir gehören zu den Ärmsten der Welt", weiß Erzbischof Ludwig Schick. Der "Außenminister" der Deutschen Bischofskonferenz weiß auch, dass die kirchlichen Hilfswerke wie Misereor und Caritas International mit ihren Partnerorganisationen vor Ort alles tun, um die bittere Not zu lindern. Doch das können sie nur, wenn genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen: "Es ist wichtig, dass wir trotz der vielen anderen Katastrophen in unserer Welt auch die Notlei-denden in Kaschmir nicht vergessen und ihnen mit einer großzügigen Spende helfen", appelliert der Erzbischof an alle Leser des Fränkischen Tags. "Erweisen wir den Menschen in Kaschmir Barmherzigkeit durch unsere Hilfe!"

In Mumbai aufgewachsen

Roma Pohl ist ausgesprochen dankbar, dass sich Erzbischof Schick zu Wort meldet. Sie ist in der indischen Metropole Bombay (Mumbai) geboren und aufgewachsen, lebt seit 1981 in Bamberg, hat hier 1982 auch geheiratet. Fieberhaft versucht Roma Pohl, unmittelbare Nachrichten aus ihrer Heimat von Freunden zu bekommen, die wiederum Kontakte nach Kaschmir haben. "Die Situation ist erschütternd, bedrückend", hat sie erfahren, die zudem die spärlichen Nachrichten in den westlichen Medien über diese Katastrophe aufsaugt. Roma Pohl ist fassungslos: "Die Menschen in Kaschmir leben nicht nur in politischen Unruhen, sondern müssen jetzt auch noch gegen die Natur ankämpfen!" Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 reklamieren Indien und Pakistan die Himalaya-Region Kaschmir für sich. Beide Atommächte haben schon drei Kriege um die Region geführt, die zwischen ihnen geteilt ist. Erst kürzlich wurden diplomatische Verhandlungen erfolglos abgebrochen.

"Wir können nur mit direkten Spenden helfen", betont Roma Pohl. Von Deutschland aus Sachspenden nach Kaschmir zu schicken, mache keinen Sinn. Anders sehe es in Indien selbst aus: Ihr Freund Cusrow Minocher etwa organisiert von Bombay aus Hilfslieferungen nach Kaschmir. Er sammelt Reis, Mehl, Kleidung für Männer und Saris für Frauen, Schuhe, Taschenlampen, Batterien, Schulhefte und -bücher für die Kinder. "Es fehlt an allem, die Menschen haben durch die Flut ihr gesamtes Hab und Gut verloren", so Roma Pohl.

Jahre für den Wiederaufbau

Ulrich Füßer, Leiter der Asien-Abteilung bei Misereor, hat neben der Nothilfe durch Lebensmittelpakete, Desinfektionsmittel, Hygieneartikel, Decken, Zelte, Küchensets oder Solarlampen schon die Beseitigung der Schäden und den Wiederaufbau im Blick. "Der wird Jahre dauern", befürchtet Füßer. Jedenfalls werde Misereor-Partner IGSSS (Indo-Global Social Service Society) früh damit beginnen, die betroffenen Menschen mit Saatgut, Ziegen, Geflügel und landwirtschaftlichem Gerät zu unterstützen.

Auch Caritas International arbeitet vor Ort eng mit IGSSS zusammen. Jetzt sollen im indischen Teil von Kaschmir Notfallambulanzen mit Ärzteteams errichtet werden, wie Monika Hoffmann, Sprecherin der deutschen Not- und Katastrophenhilfe Caritas International, erklärt. Entsprechende Erfahrungen aus der verheerenden Flut von 2010 in Pakistan kämen den Helfern jetzt zugute. So seien damals auch in der Region Kaschmir etliche stabile, fundamentverstärkte Ziegel- statt der traditionellen Lehmhäuser gebaut worden: "Diese neuen Häuser haben dem Wasser standgehalten", so Monika Hoffmann.


"Ein Weckruf"

"Die aktuellen Überschwemmungen in Kaschmir sind ein erneutes Warnsignal und ein Weckruf, dem Klimaschutz höchste Priorität einzuräumen", betont Misereor-Referent Füßer. Diese Jahrhundert-Katastrophe zeige noch einmal das erschreckende Ausmaß des Klimawandels. So beklagt auch Erzbischof Schick die "nur vagen Versprechungen zum Klimaschutz", zu denen sich der jetzige UN-Klimagipfel in New York durchgerungen habe. "Der Klimawandel muss aufgehalten werden, damit Flutkatastrophen, Hurrikans und Tsunamis, so weit es geht, verhindert werden", so der Erzbischof. Den Armen in der Welt dürften durch von Menschen mit verursachte Naturkatastrophen nicht mehr solche Schäden zufügt werden.


Spenden für Kaschmir

Für notleidende Menschen in der Region Kaschmir können Spenden auf folgende Konten überwiesen werden:
Misereor, Spendenkonto IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10, BIC GENODED1PAX, Stichwort: "Flut Kaschmir"
Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, IBAN DE26 7509 0300 0009 0030 02, BIC GENODEF1MO5, Stichwort: "Fluthilfe Südasien