Wenn Otto Ebert nach seiner Beziehung zu der Stadt Prag gefragt wird, fällt die Antwort kurz aus: "Prag ist die zweite Seele in meiner Brust". Was vor 38 Jahren als eine Begegnung mit seiner zukünftigen Frau begann, ist inzwischen zu einer handfesten Liebesgeschichte in zweierlei Hinsicht geworden: nicht nur seine Frau hat es ihm angetan, sondern auch die Tschechische Republik selbst. Und so lässt es sich der inzwischen pensionierte Lehrer nicht nehmen, das 20-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Bamberg und Prag I gebührend zu feiern. Prag besteht aus 10 Stadtbezirken, Praha I umfasst das Gebiet der Altstadt.

Als eines der Gründungsmitglieder des Deutsch-Tschechischen Clubs, der aus der Ackermann-Gemeinde der Diözese Bamberg hervorging, begleitet Ebert jetzt eine Bamberger Delegation, an der unter anderem auch Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) und acht Stadträte teilnahmen, in die tschechische Hauptstadt. Detlef Lingemann, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Prag, hatte in das geschichtsträchtige Palais Lobkowicz geladen, um die Verbindung zwischen den beiden Städten zu würdigen.

2012 scheint ohnehin ein besonderes Jahr in den deutsch-tschechischen Beziehungen zu sein: Vor 20 Jahren trat nicht nur der Partnerschaftsvertrag zwischen Bamberg und Prag I in Kraft, sondern auch der deutsch-tschechoslowakischen Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrag.

Bürger engagieren sich

Die Deutsch-tschechische Erklärung feiert dieses Jahr ihr ebenfalls 15-jähriges Bestehen. "Die deutsch-tschechischen Beziehungen sind so gut wie nie zuvor", erklärt Botschafter Lingemann und erinnert daran, dass den Worten auf politischer Ebene immer eine konkrete Umsetzung folgen müsse. Bamberg und Prag I sei das gelungen, was vor allem dem Engagement der Bürger geschuldet sei.

Für Bürgermeister Hipelius ist die Städtepartnerschaft eine Herzensangelegenheit: Bamberg und Prag I teilen neben den historischen Altstädten noch andere Gemeinsamkeiten. Beispielsweise haben die Bamberger Symphoniker-Bayerische Staatsphilharmonie ihre Wurzeln in der "Goldenen Stadt" an der Moldau. Und Teile beider Städte stehen seit 1992 und 1993 auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes.

Der Städtepartnerschaft zugrunde lag der Wille zur Völkerverständigung, ebenso wie der Wunsch die leidvolle Vergangenheit während der NS-Zeit zu überwinden und den Gedanken eines zusammenwachsenden Europas umzusetzen. Das Fazit von Bürgermeister Hipelius über die Partnerschaft fällt positiv aus: "Es wurde viel erreicht, was man sich vor zwei Jahrzehnten vorgenommen hat. Die Städtepartnerschaft ist lebendig und eine Bereicherung." Oldrich Lomecký, Bürgermeister von Prag I, spricht von einer "Quelle gegenseitiger Inspiration".

Austauschschüler

Ein wichtiger Bestandteil der Partnerschaft ist der Schüleraustausch, der ebenfalls seit 20 Jahren durchgeführt wird. Unter anderem nehmen das Bamberger Dietzenhofer-Gymnasium (DG)und das Prager Jan-Patocky-Gymnasium daran teil. Claudia Losgar ist Lehrerin am DG und betreut den Austausch. 25 Schüler aus der 10. Klasse bekommen jedes Jahr die Möglichkeit daran teilzunehmen.

"Die Offenheit der Kollegen und Schüler ist essentiell für den Erfolg des Programms", erklärt Losgar. Das Interesse bestehe und über die Jahre hätten sich viele bleibende Freundschaften zwischen Bamberger und Prager Austauschschülern entwickelt. Und so waren auch zwei Schüler des Dietzenhofer-Gymnasiums Teil der Bamberger Delegation und überreichten in Prag ein von Austauschschülern gestaltetes Plakat. Für die musikalische Begleitung der Feierlichkeiten sorgten Schüler der Bamberger Musikschule und des Prager Jan-Neruda-Gymnasiums.

Otto Ebert wünscht sich für die Zukunft allerdings wieder engere Beziehungen zwischen Bamberg und Prag I. Die Partnerschaft sei in den letzten Jahren "etwas eingeschlafen". Klaus Stieringer, Bamberger Citymanager, teilt diese Meinung. Man müsse Lösungen finden, um die Menschen wieder stärker aneinander heranzuführen, denn solche Partnerschaften seien essentiell für das gegenseitige Verständnis. Im Rahmen der Städtepartnerschaften, die Bamberg mit insgesamt sechs Städten pflegt, plädiert Stadtratsmitglied Dieter Weinsheimer auch für ein stärkeres Engagement von Seiten des Oberbürgermeisters Andreas Starke.

Das Resümee der Feierlichkeiten in Prag ist durchweg positiv: "Aus Sicht der beteiligten Bamberger Gruppen war die Feier zum Jubiläum sehr angenehm. Es waren überraschend viele Persönlichkeiten aus Prag I vertreten", so Bürgermeister Hippelius. Er ist zuversichtlich, dass die Kooperation zwischen den beiden Städten eine vielversprechende Zukunft erwartet.