Nun müssen sie endlich keinen mehr wegschicken. Maria Wächter, Standesbeamtin und Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt, steht in ihrer Bürotür im Erdgeschoss des Burgebracher Rathauses. Sie schaut zufrieden in Richtung eines etwa mannshohen Gerätes, das für einen Automaten ziemlich stilvoll aussieht. Schmale Stange, daran eine flache Arbeitsfläche mit Computerbildschirm zum Tippen, oben eine Art Bilderrahmen, in dem man sich selbst sieht. Alles gehalten in glänzendem Weiß.

Der nagelneue Terminal steht dort erst seit ein paar Tagen. Seinetwegen kann sich mancher Bürger aus der Gemeinde in Zukunft einen zweiten Weg ins Rathaus sparen, sollte er sein Passfoto vergessen haben. Doch das Gerät schießt nicht nur ein Bild für den neuen Ausweis, es nimmt gleich komplett alle notwendigen Daten auf.
"Self-Service-Terminal" heißt die neue technische Errungenschaft offiziell. Im Landkreis Bamberg sei man die erste Kommune mit einer solchen Selbstbedienungsstelle, sagt Bürgermeister Johannes Maciejonczyk (CSU), sogar bayernweit steht ein weiteres Gerät nur in Erlangen. Informationen, die er vom Lieferanten des Terminals hat. Doch wie kommt die Gemeinde überhaupt dazu? Und warum hat sie es angeschafft?

Fotogeschäft ist weggezogen
Das einzige Fotogeschäft in Burgebrach sei Ende vergangenen Jahres in einen anderen Ort gezogen, erzählt der Bürgermeister. Wer ein Passfoto für den Personalausweis oder Reisepass brauchte, musste nun auf einmal überlegen, wo er ein Portraitbild herbekommen könnte.



"Als wir vergangenes Jahr bereits wussten, dass unser Fotograf geht, sind wir in München bei einer Messe für kommunale Dienstleistungen auf das Terminal gestoßen", führt Maciejonczyk aus. Der Geistesblitz: So ein Gerät muss her. Die Gemeinde mietet es für rund 480 Euro pro Monat. Zwar hätte sie es für 20 000 Euro kaufen können. "Durch die Miete haben wir aber die Gewähr, dass immer neue Software installiert wird", so der Bürgermeister.

Solche Computer-Programme sollen es zukünftig ermögliche, zum Beispiel ein Führungszeugnis auf die digitale Ausweiskarte zu laden - die man in einen Adapter am Selbstbedienungsterminal stecken kann. Noch wartet die Kommune auf die Software.

Was dagegen schon vollständig funktioniert: Identitätsdokumente komplett elektronisch beantragen. Die Navigation auf dem Bildschirm führt den Nutzer Schritt für Schritt verständlich weiter. Da wählt man zum Beispiel den Reisepass aus, gibt seine Daten ein und für das Passbild fährt der Automat auf die richtige Höhe.
Sollte das geschossene Foto nicht den biometrischen Vorgaben entsprechen, weil der Nutzer zum Beispiel zu sehr lacht, erkennt das der Computer und fordert zu einem neuen Versuch auf. Aus drei Bildern kann man dann mit einem Fingertipp den Favoriten auswählen.

Auch unterschrieben wird auf dem Bildschirm, mit einem speziellen digitalen Stift. Zugegeben, etwas krakelig kann das schon aussehen. "Man kann natürlich auch bei uns mit der Hand unterschreiben", merkt Maria Wächter an. Und ja, auch auf dem klassischen Wege könne man nach wie vor, von Mensch zu Mensch, seinen neuen Pass im Rathaus beantragen - sofern man ein Passbild mitbringt.

Kein ausgedrucktes Foto
Wer sich für den neuen Automaten entscheidet, bekommt gar kein ausgedrucktes Papierbild mehr. Das digitale Foto - das den Bürger sechs Euro kostet - wird mit allen anderen eingegebenen Daten direkt in das System des Burgebracher Rathauses weitergeleitet. "Der elektronischen Antrag geht dann nach Berlin und von dort kommen schließlich per Post die fertigen Ausweisdokumente", erläutert die Standesbeamtin. Berlin, weil dort die Bundesdruckerei sitzt. Die Behörde, die die Dokumente herstellt. Angst, dass ihr und den Kollegen wegen der neuen Technik im Rathaus die Arbeit ausgehen könnte, hat Maria Wächter nicht. "Wir haben 1500 bis 2000 Anträge auf Personalausweise und Reisepässe pro Jahr", sagt sie, im Schnitt etwa fünf pro Tag. Da sei das Terminal eine Entlastung.

Das muss noch ein paar Kinderkrankheiten auskurieren. Es wurde gerade erst in Betrieb genommen, manchmal hängt die Datenübertragung. Doch beim Vorführ-Test für diesen Artikel funktioniert alles reibungslos. Sogar die Fingerabdrücke scannt der Computer sofort reibungslos ein. Auch der Negativ-Test klappt: Ein zu breites Lächeln auf dem biometrischen Passfoto erkennt die Technik, fordert zu einer neuen Aufnahme auf.

Wer das moderne Gerät beim nächsten Pass nutzen möchte, kommt einfach zu den Öffnungszeiten ins Burgebracher Rathaus. Im Erdgeschoss wartet die filigrane Konstruktion. Sie hat an den bisherigen Kosten für Ausweisdokumente nichts geändert. Der Reisepass kostet 59 Euro, der Personalausweis 28,80 Euro.

So schick das weiße Terminal auch aussieht und so gut es bereits funktioniert - ein älteres Ehepaar, das im Gang wartet, weiß mit der Technik nichts anzufangen. Der Mann sagt: "Ich bin schon froh, wenn ich mich mit dem Handy auskenne."

Eine junge Frau, die ebenfalls anonym bleiben möchte, findet dagegen: "Der Selbstbedienungsdienst ist eine praktische Sache. Vor allem, wenn man noch schnell ein Passbild braucht und nicht warten will."