Alles beginnt mit drei Musikern, die auf einem einzigen Schlagzeug spielen. Gefolgt von einem Künstler, der zur Band wird, wenn er die Bühne betritt. Gibt's nicht? Gibt's doch - gleich zum Auftakt von "SOG": Unter diesem Namen startet eine neue Konzert- und Performancereihe, die sich im Grunde aber jeder Kategorisierung entzieht. Was Jérémie Gnaedig und Felix Forsbach ihrem Publikum bieten, fällt aus dem Rahmen. Auch bei der Wahl ihrer Locations richten sich die Veranstalter nach Kunst und Künstlern, die die Bühne okkupieren. So geht gleich das Eröffnungsfestival, das mit den Tres Bombos und Musikern aus Frankreich in der Alten Seilerei beginnt, auf Wanderschaft - quer durch die Domstadt.

",SOG' ist ein Experimentierfeld der innovativen Musik. Wir veranstalten Konzerte an den Schnittstellen ,Musik', ,Performance', ,Schauspiel' und ,X'", sagt Gnaedig, der als freischaffender fränkischer Musikveranstalter dementsprechend vernetzt ist - bis in die französische und dänische Undergroundsszene. Was sich allein schon bei der Besetzung des Eröffnungsfestivals zeigt, zu dem neben Protagonisten aus Frankreich Künstler aus den Staaten und Österreich erwartet werden.


Fernab des Mainstreams

Den Performance-Bereich des Duos vertritt Forsbach: Ein freischaffender Künstler, der sich neben Gnaedig auch für "kontakt - das Kulturfestival" engagiert. "Uns geht's darum, Leute zu Veranstaltungen fernab vom Mainstream einzuladen", berichtet der Wahlbamberger. Wozu sich die Organisatoren unterschiedliche Konzertsituationen wünschen. "Dabei verzichten wir weitestgehend auf die strenge Trennung zwischen Bühne, Künstler und Publikum", meint Forsbach, der mit seinem Partner nach dem Eröffnungsfestival "mindestens einmal pro Monat internationale Acts präsentieren möchte."

Warum eigentlich der Name "SOG", wollten wir von dem Veranstalter wissen? "Die Idee hatte Jérémie - wegen der damit verbundenen Assoziationen. ,Sprudel' hatten wir verworfen, weil's nach Mineralwasser klingt." Oder dem "Sprung ins kalte Wasser"? Egal, zurück zu den Programmen, die uns in Kürze aus dem "Experimentierfeld der innovativen Kunst und Musik" erwarten.


Flotter Dreier

Erwähnt hatten wir eingangs schon die Tres Bombos, die sich als "flotten Dreier fürs Vorprogramm" sehen: Johannes Klütsch, David Grimm und Jakob Fischer überschreiten mit ihrem Spiel auf dem gemeinsamen Schlagzeug Grenzen zwischen Musik und Performance. Eine Idee, die den Bambergern "im Anschluss an eine Improvisation zur Premierenfeier von ,Ödipus' kam": Einem Bühnenstück des Theaters im Gärtnerviertel, das bekanntlich ebenfalls auf Wanderschaft geht, um Locations zum Teil der Aufführung zu machen.



Neben den Tres Bombos gestaltet Frank Garcia den Eröffnungsabend. Sheik Anorak taufte der französische Multiinstrumentalist aus Lyon die Band, die zu seinem Soloprojekt wurde. Als Schlagzeuger, Gitarrist und Sänger in einer Person spielt er eine Mixtur aus No Wave, Indie Rock, Avantpop, Noise und Free Jazz.


Bliebe noch Noctura zu nennen, das neue Projekt der französischen "Companie Virgule Flottante", das ebenfalls in die Alten Seilerei kommt: Ein Schlagzeuger und ein Tänzer des contemporary dance präsentieren sich Zuschauern im Dialog. Wobei das Publikum die Bühnenbeleuchtung mittels Taschenlampen übernimmt, was die Distanz zu den Künstlern aufbrechen soll. Mit Noctura können Zuschauer den Veranstaltern zufolge einen "nachtwandlerischen Traum" erleben, in den eigene Assoziationen einfließen.

https://www.youtube.com/watch?v=Sk4z-sIsJLs

Unkonventionell, experimentell, innovativ: So geht's weiter im Konzept, das Forsbach mit seinem Partner ersann. Als Konzeptband praktiziert Rakete Bangkok am 18. April eine Mischung aus Theater und Rockmusik: "ArtRock." Theatral inszenierte Werke liefert auch das Duo Quintron & Miss Pussycat aus New Orleans, das zwischen Funk, Rock und Psychedelic einzuordnen ist. Ja, und am 23. April kommt dann auch schon mit Stefan Fraunberger aus Wien als österreichischer Ausnahmekünstler nach Bamberg, der avantgardistische Kunstmusik im Kesselhaus bietet.



"In Bamberg ist unheimlich viel los - verglichen mit anderen Städten der Größenordnung", sagt Gnaedig, der vor einigen Jahren aus dem Elsass nach Franken zog. Nur vermisste er in seiner Wahlheimat bislang "Veranstaltungen mit experimentellem Charakter" - wie sie Gnaedig nun über "SOG" präsentiert. Um Kultur auf diese Weise zur Erfahrung zu machen.


Locations gesucht

"Musik sollte erlebt, nicht ,nur' gehört werden", sagt Felix Forsbach. In diesem Sinne wird die Veranstraltungsreihe nach dem Eröffnungsfestival auch an anderen - ungewöhnlichen Orten fortgesetzt: "Etwa Kirchen, Weinlagern, Gewölbekellern und Ateliers - sofern man uns solche Locations auch zur Verfügung stellt."



Auf einen Blick

Freitag, 8. April, 19 Uhr: "Drum Performances" mit den Tres Bombos (aus Bamberg) , Sheik Anorak als Soloprojekt von Frank Garcia (Lyon) und Noctura (Nancy), Alte Seilerei (Schaeffler-Gelände)

Montag, 18. April, 20 Uhr: "Theater Musik" mit Rakete Bangkok (Bamberg), Quintron & Miss Pussycat (New Orleans), Jazzkeller, Obere Sandstraße 18

23. April, 20 Uhr: "Hackbrett meets Harfe 2.0" - Mario Fischer/ Felix Pielmeier (Bamberg), Stefan Fraunberger (Wien) und L' Etrangleuse (Lyon), Kesselhaus (Untere Sandstraße 42)

29. April, 21 Uhr: "Stummfilmkonzert" mit Les Trucs versus Murnaus "Der letzte Mann" (Frankfurt), Lichtspielkino (Untere Königstraße 34)

Im Netz gibt's weitere Infos unter der Homepage der Veranstalter