Der Mann ist von Haus aus Bäcker - wer hätte das gedacht? Er müsste Wärme also abkönnen. Doch die Temperaturen, mit denen es Marcel Gaulke hier zu tun hat, haben eine andere Größenordnung. Bei bis zu 3000 Grad Celsius wird geschweißt. Gaulke und sein Kollege Andrej Parkin sind wesentlich daran beteiligt, dass bald wieder die Züge zwischen Lichtenfels und Breitengüßbach rollen. Die stehen seit der Vollsperrung der Bahngleise am 11. Januar still, stattdessen fahren Busse.

Die Schweißer Gaulke und Parkin schließen mit weiteren Kollegen die letzten Gleislücken der Großbaustelle. Damit könnte dann - rein theoretisch - schon wieder ein Zug über den Abschnitt rollen. Das soll am 4. September praktisch geschehen, dann sollen wieder die Regionalzüge auf zwei der vier Gleise verkehren. "Wir sind in der Zeit", sagt Frank Kniestedt, Sprecher des Bahn-Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 zwischen Nürnberg und Berlin.


40 Kilometer Schienen verlegt

Seit der Sperrung im Januar wurde einiges bewegt. Die alte zweigleisige Trasse war abgetragen worden. Es entstehen Straßen- und Bahnbrücken sowie vier Haltepunkte. Später soll der ICE über eine separate zweigleisige Trasse rollen.

Doch jetzt ist erst einmal die Gleisverbindung für den Regionalverkehr an der Reihe. Für den Neuaufbau der ersten beiden Gleise zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf wurden laut Bahn rund 20.000 Schwellen, über 40 Kilometer Schienen und acht Weichen eingebaut. Die je 120 Meter langen Schienenstücke wurden mit knapp 400 Schweißungen verbunden.

Einige Schweißnähte stammen von Marcel Gaulke und Andrej Parkin. Die beiden kommen bei ihrer Arbeit ordentlich ins Schwitzen. In der Luft liegt ein Geruch wie kurz nach dem großen Böllern an Silvester.

Auch jetzt ist es Nacht: Am Donnerstag zeigt die Uhr halb elf. Nur das Schienenfahrzeug spendet Licht. Dass die Arbeiten zu dieser Zeit durchgeführt werden, hat einen Grund: Die Schiene sollte nicht zu warm sein. Temperaturen über 25 Grad Celsius sind schlecht. Und noch eines ist wichtig: "Man muss sich auf den anderen verlassen können", sagt Gaulke. Gemeinsam mit seinem Kollegen bereitet er die Formhälften vor, die gut abgedichtet sein müssen - dann beginnt das "Feuerwerk". Beim sogenannten aluminothermischen Schweißen läuft eine flüssige Mischung aus Eisen und Aluminium in den Schmelztiegel. Und härtet nach wenigen Minuten aus. Die Schienenstöße sind verbunden.

Es ist die letzte Weiche, die auf dem Abschnitt zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf auf diese Weise komplettiert wird. Ein Licht im Dunkeln. Die Funken sprühen, wenn Marcel Gaulke den Schienenübergang mit schwerem Schleifgerät formt. In dieser Nacht arbeiten er und seine Kollegen bis sechs Uhr morgens. Dann, am frühen Morgen ist der Schienenschluss geschafft. An diesem Freitag ist alles erledigt.

Dennoch steht noch einiges an: Nun folgen Leitungs- und Signalarbeiten. Der viergleisige Ausbau soll 2017 beendet sein. Dann will die Bahn, dass auch der ICE rollt. Bis dahin müssen die Gleise der Strecke neu sortiert und miteinander verknüpft werden. "Es bleibt spannend", sagt Bahn-Sprecher Kniestedt.