Wenn Petra Scholl und Karin Frenzl auf dem Weg in das Hospiz- und Palliativzentrum im Christine-Denzler-Labisch-Haus sind, bedeutet das eine Überraschung für die Patienten. Denn die Damen haben ihre beiden Hunde Rusty und Basko dabei. Der Golden-Retriever-Mischling und der Golden Re triever sind dienstlich unterwegs. Im Auftrag des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) besuchen sie gemeinsam mit ihren Besitzerinnen alle drei Wochen schwerstkranke Patienten. Darüber hinaus gehen sie auch in Kindergärten, Schulen und die Offene Behindertenarbeit in Forchheim.

Seit fünf Jahren engagieren sich Petra Scholl und Karin Frenzl ehrenamtlich beim ASB. Bevor Rusty und Basko allerdings ihre Arbeit antreten durften, mussten sie einen Eignungstest bestehen, der ihnen ihre Charakterfestigkeit bescheinigt. "Es ist wichtig, dass die Hunde nicht beißen, wegrennen oder panisch werden, wenn etwas umfällt, kaputt geht oder ein Rollator an ihnen vorbeigeschoben wird", sagt Petra Scholl. Basko, der Golden Retriever von Karin Frenzl, macht die Besuchsdienste sozusagen nebenberuflich. Seine Hauptaufgabe ist es, ihrem behinderten Sohn Begleiter und Spielgefährte zu sein. "Ist mein Sohn einmal nicht daheim, ist Basko sozusagen arbeitslos."

Patienten stehen an erster Stelle


Im Hospiz- und Palliativzentrum stehen die Bedürfnisse der Patienten an oberster Stelle. Jörg Cuno, Leitender Arzt, betont, dass es sich bei dem Zent rum nicht um ein reines "Sterbehaus" handelt, die Entlassungsquote beträgt 30 Prozent. Patienten, die durch neue Medikamenten-Einstellung soweit stabilisiert werden können, dass sie entweder daheim vom ambulanten Palliativ-Dienst oder im Pflegeheim weiter versorgt werden können, werden entlassen. Die Versorgung erfolgt nach einem speziellen Pflegekonzept. 75 Prozent der Beschäftigten haben eine palliative Zusatzausbildung absolviert.

Die häufigsten Krankheiten sind Tumore, chronische internistische Leiden und Demenz. Der Patient steht dabei immer als Experte im Vordergrund, "der mutmaßliche Patientenwille wird eruiert", erklärt Cuno. Neben der palliativmedizinischen Versorgung können die Patienten Angebote wie Physiotherapie, Lymphdrainage, Massagen, aber auch Kunst-, Gestaltungs- oder Musiktherapie in Anspruch nehmen. Es ist ihnen sogar möglich, ihre eigenen Haustiere mitzubringen. Gelegenheit, mit Hunden und Menschen gleichzeitig in Berührung zu kommen, bietet der Hundebesuchsdienst des ASBs.

Tiere wecken Interesse


Die Patienten nehmen das Angebot gut an. Allgemein lockern die beiden Hunde ungemein die Stimmung auf - meistens ist die Frage "Hatten Sie auch mal Tiere?" Beginn eines angeregten Gesprächs, das über die Familie zur früheren Arbeit und gemeinsamen Bekannten führt. Bei anderen steht eher das Gespräch mit den beiden Frauen im Vordergrund, manchmal halten sie einfach nur "Händchen".

Herbert Kieslich in Zimmer 1 ist begeistert von dem tierischen Besuch. Er empfindet es als etwas Schönes, wenn ein Hund auftaucht. Jeden Tag würde er das aber nicht wollen, da er Bedenken hat, ob er gesundheitlich damit zurechtkäme. An diesem Tag ist Verwandtschaft zu Besuch gekommen, unter anderem auch Christine Dippold. Sie ist ebenfalls der Meinung, dass der Hundebesuchsdienst eine gute Idee ist. "Ein Tier zu spüren, das wirkt beruhigend und hebt die Stimmung", meint sie. Sie ist positiv überrascht, da sie gar nicht wusste, dass es so etwas gibt.

Und auch medizinisch gesehen ist der Besuch auf vier Pfoten nützlich. Jörg Cuno findet es spannend, wie die Hunde neben Glücksgefühlen, die die Schmerzen in den Hintergrund treten lassen, positive Erinnerungen an die Kindheit wecken, als sie selbst ein Haustier hatten. Außerdem animieren die Tiere zum Anfassen, was die Feinmotorik verbessert. Gerade bei Demenz-Kranken hat Petra Scholl deutliche Zustandsverbesserungen wahrgenommen. Teilnahmslos dasitzende Menschen zeigen Interesse, indem sie der Bewegung des Hundes mit den Augen folgen und sogar zu reden beginnen.

Hund weiß genau, in welches Bett er darf


Der Patient in Zimmer 9 freut sich ebenfalls über die Gesellschaft, er empfindet es als eine "sehr schöne Sache". Rusty legt sich prompt auf die Brust des Mannes. Wo der Golden-Retriever-Mischling aufs Bett darf und wo nicht, weiß er genau, da er schon im zarten Welpenalter von 10 Wochen mit seinem Frauchen zur Arbeit ins Altersheim durfte. Der Herr erkundigt sich interessiert nach der Rasse des Hundes, streichelt ihn und erklärt, dass er "auf Tiere fixiert" ist.

Eine weitere Patientin ist nicht in Stimmung für einen Besuch, dennoch reagiert sie auf Rusty - sie streichelt ihn und kurz huscht sogar ein Lächeln über ihr Gesicht. Solche Momente sind es, die den beiden Hundeführerinnen besonders im Gedächtnis bleiben.

Der Hund bestimmt


Die Arbeit, die Petra Scholl und Karin Frenzl im Palliativzentrum leisten, ist nicht einfach. Auf die Frage, wie sehr sie diese Besuche belasten, meint Karin Frenzl, dass sie ihr anfangs schwer fielen, mittlerweile könne sie aber gut damit umgehen "Wir sind immer zu zweit unterwegs und nach den Besuchen gehen wir mit den Hunden spazieren. Auf diese Weise muss keiner von uns die Arbeit mit nach Hause nehmen."

Eines steht bei den Touren der beiden Frauen immer im Vordergrund, nämlich die beiden Tiere. "Die Hunde bestimmen", sagt Petra Scholl. Wird einer unruhig und zeigt, dass es ihm reicht, dann gehen wir", erklärt sie weiter. Durch die Arbeit hat Karin Frenzl auch eine andere Einstellung zum Tod entwickelt. Sie erlebe die Patienten durchwegs als "zufrieden, sie haben alles organisiert und gehen in Frieden."