Die 17. Kammer für Handelssachen am Landgericht München I hat dem BFV unter Androhung eines Ordnungsgeldes mehrere entsprechende Bedingungen in Vereinbarungen mit Fußballvereinen in Bayern- oder Landesliga untersagt. Sie betreffen insbesondere die Reglementierung der Akkreditierung zur Berichterstattung und die damit einhergehende Pflicht des Vereins, Personen ohne Akkreditierung des BFV den Zutritt zu Filmzwecken zu verwehren. Damit ist dem BFV die bisherige Praxis im Umgang mit der Vi deoberichterstattung im Amateurbereich verboten - auch hinsichtlich der Zulassungsunterlagen für die kommende Saison.

Der Verband hatte für die Dreharbeiten strenge Regeln festgelegt. Demnach durfte nur filmen, wer vom BFV akkreditiert worden war - noch dazu hatte das Videomaterial dem BFV kostenlos und zur freien Verfügung überstellt werden müssen, so dass es auch auf der Verbandsseite zu sehen war. Somit mussten sich Medienhäuser in der Praxis oft entscheiden, ob sie mit ihrer Berichterstattung in Konkurrenz treten sollten zur BFV-Internetseite oder als nicht akkreditiertes Kamerateam viel Geld zahlten.

Diese Regelung hatte der BFV bei den Vereinen rigoros durchgesetzt, sie sollten von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und nicht akkreditierten Teams den Zutritt verweigern. Bislang hatten mehrere Vereine die Vereinbarung mehr oder weniger freiwillig unterschrieben, in der kommenden Saison sollte sie gar Teil der Zulassungsunterlagen für die Bayern- und Landesligisten werden.

"Für uns ist die Verfügung natürlich eine Riesenerleichterung, obwohl wir bei der Video-Berichterstattung mit den Landes- und Bayernligen bisher nur wenig Berührungspunkte hatten", erklärt Markus Schütz vom Online-Portal anpfiff.info. Bisher sei man hauptsächlich auf Kreisebene aktiv gewesen und habe Videos zu unterklassigen Fußballspielen gedreht. "Aber selbst da mussten wir uns verpflichten, das Material binnen weniger Stunden beim BFV hochzuladen, es dem Verband kostenfrei zur Verfügung stellen. Das war natürlich ein Mehraufwand und wir fragten uns schon, ob das gerecht ist", sagt Schütz weiter.

Auch wenn die Einstweilige Verfügung nur die Bayern- und Landesligen betrifft, hält sie Schütz für ein wichtiges Signal. "Was für die oberen Amateurligen gilt, hat meiner Meinung nach auch in den unteren Bestand. Wir begrüßen die Entscheidung und fühlen uns bestärkt. Wie wir damit umgehen, wissen wir aber noch nicht genau."

Der BFV will sich nicht mit der Entscheidung des Gerichts abfinden, sieht sich als Beschützer der Vereine und ihrer Rechte - und legt Widerspruch ein. "Wir sind für eine schnelle Klärung und setzen daher auf eine rasche mündliche Verhandlung, damit sich das Gericht dann auch erstmals mit den Argumenten des BFV auseinandersetzen kann. Das hat bis heute noch gar nicht stattgefunden", erklärt Rechtsanwalt Martin Stopper. Auf seiner Homepage weist der BFV alle wirtschaftlichen Interessen bei der Videoberichterstattung von sich, hält mit Blick auf die Bundesliga TV-Gelder auch in der fünften und sechsten Liga für angemessen.

Vorerst ist diese Praxis mit der Einstweiligen Verfügung gestoppt. Derweil läuft weiter eine Kartellbeschwerde gegen den BFV - von unserer Zeitung unter dem Dach der Mediengruppe Oberfranken (MGO) gemeinsam mit Mittelbayerischer Zeitung (Regensburg), Nordbayerischer Kurier (Bayreuth) und Main-Post (Würzburg). Eine Entscheidung soll hier bis Ende Juli fallen.

Vertreten werden die Medienhäuser von Presserechtler Johannes Weberling, der die Vorgehensweise des BFV für "eine illegale Verquickung von Verbandsrechten mit den wirtschaftlichen Interessen des Verbandes" hält. Auch der Verband Bayerischer Zeitungsverleger und der Deutsche Journalistenverband sprechen von einem Angriff auf die Pressefreiheit durch den Fußball-Verband.

Dem stimmt der Heimat- und Sportchef der MGO, stellvertretender Chefredakteur Christian Holhut, zu. "Die journalistische Leistung für lau oder 500 Euro? Es ist nicht akzeptabel, dass sich der mit staatlichen Mitteln gut gefütterte Fußball-Verband in dieser Form bedient", sagt er. Niemand brauche einen Verband, der Vereine gängele oder gar bei der Berichterstattung in Konkurrenz trete zu den Medien. "Der BFV sollte sich generell nicht die Autokratie der FIFA zu eigen machen."