Es wird eine relativ schwierige und teure Baustelle. Das steht schon fest. Das Wasserwirtschaftsamt Kronach rechnet derzeit mit rund 1,5 Millionen Euro Kosten für das Instandsetzen der historischen Kaimauer mitten in der Stadt. Auf wenigstens 100 Meter wird man sie am Alten Kanal, auf Höhe Tourismus- und Kongress-Service, abtragen und neu aufbauen müssen. Sollten heute noch nicht absehbare Erschwernisse hinzu kommen - was bei einem rund 170 Jahre alten Bauwerk denkbar ist - könnte alles noch kostspieliger werden.

Nach derzeitigem Planungsstand wird die Kaimauer im Sommer 2014 saniert. Hans-Joachim Rost, der im Wasserwirtschaftsamt auch für das Stadtgebiet Bamberg zuständige Abteilungsleiter, geht davon aus, dass bis zum Frühjahr die Entwurfsplanung ausschreibungsreif ist.

Vier Jahre wären dann ins Land gegangen seit der Entdeckung des ersten Schadens anno 2010. Er wuchs sich von einem kleinen Loch im Pflaster zu einer großflächigen Absenkung des Straßenbelags aus. Parallel begann die alte Mauer aus Sandsteinquadern sich zum Wasser zu neigen. Der leichte Schrägstand ist längst mit bloßem Auge zu erkennen, ebenso das aus den Fugen geratene Mauerwerk. Vorsorglich wurde schon ein alter, gusseiserner Kran eingelegt und eingelagert, um die Last von der Mauer zu nehmen. Auch einige der Lizenzparkplätze mussten weichen: Ein Bauzaun sperrt sie aus.

Einsturzgefährdet soll die Mauer nicht sein. Angeblich bewegt sich der sanierungsbedürftige Abschnitt seit vier bis fünf Monaten nicht mehr. Das ist laut Rost an den so genannten Spionen abzulesen: So nennt man kleine Stücke Gips, die in Fugen eingebaut werden und Risse aufweisen, wenn ein Bauwerk "arbeitet".

Die Hauptursache des Schadens vermutet die Fachbehörde im Auffüllmaterial hinter der Mauer: Ein kaputter Abwasserkanal dürfte zu Ausspülungen geführt haben. Nicht ausschließen mag Rost, dass auf diese Weise Sauerstoff an die Holzpfähle gelangt ist, auf denen die Mauern des Ludwig-Main-Donau-Kanals zwischen 1836 und 1846 gegründet wurden. Holzpfähle können viele Jahrhunderte lang ihre tragende Funktion behalten, wenn sie immer von Wasser umgeben bleiben. Kommen sie mit Luft in Berührung, droht ein Zersetzungsprozess.

Keine Schuldzuweisungen
Auch mit der Sanierung des alten Stadtbads (heute Tourismus- und Kongress-Service) auf der anderen Kanal-Seite könnte der Schaden zu tun haben. Rost wurde von Anwohnern informiert, dass damals mit einem schweren Autokran vom Alten Kanal aus gearbeitet worden sei. Der Abteilungsleiter vom WWA betont aber zugleich: "Es geht nicht um Schuldzuweisungen und Ursachenforschung. Wir wollen den Schaden beheben." Da sei man sich mit der Stadt ziemlich einig.

Wenn sich die Kommune an den Kosten der Mauer-Sanierung beteiligen muss, dann deshalb, weil sie für den Straßenunterhalt unmittelbar hinter der Kanalbefestigung zuständig ist. Das bestätigt Claus Reinhardt aus dem Baureferat. Strittig ist derzeit noch die Höhe des städtischen Anteils. Darüber laufen Verhandlungen. Im Bayerischen Ministerium für Umwelt und Gesundheit, oberster Dienstherr des WWA Kronach, scheint man den städtischen Anteil bei 40 Prozent zu sehen. Rost geht davon aus, dass es am Ende weniger sein werden, vielleicht 25 Prozent. Bei 1,5 Millionen Euro sind das immer noch knapp 400.000 Euro.

Auf die Stadt kommt ein weiterer größerer Ausgabeposten zu, wenn sie im Anschluss an die Mauer die Fahrbahn sanieren will. Der Belag zwischen Nonnenbrücke und Brucknersteg ist ein einziger Flickenteppich. Deshalb ist laut Reinhardt daran gedacht, ihn auf ganzer Länge zu erneuern. Nach ersten Schätzungen sind dafür mehr als 500.000 Euro nötig. Das Geld müsste in den Haushaltsberatungen im Dezember erst bereit gestellt werden.
Für diesen Fall gibt es eine Planung, wie die Fahrbahn künftig aussehen soll: In der Mitte soll ein vier Meter breiter Fahrstreifen asphaltiert werden, vor den Häusern wird voraussichtlich Granitkleinpflaster verlegt, an der Uferseite Großpflaster.

"Schandfleck" in der Altstadt
Bei den Anliegern wächst die Ungeduld, weil sich scheinbar nichts tut. Das berichtet Pius Schiele. In seiner Eigenschaft als Sprecher der Interessengemeinschaft Lange Straße wurde er von Bewohnern des Alten Kanals wiederholt angesprochen und hat sich deshalb kürzlich selbst im Rathaus informiert. Auch persönlich als Bürger hofft der Bamberger Geschäftsmann, dass der "Schandfleck" bald aus der Stadtbild verschwindet.

Rost sichert den Hausbesitzern auf Höhe der Mauer-Baustelle unterdessen heute schon eine Bestandsaufnahme ihrer Anwesen vor Baubeginn zu. Ein unabhängiger Sachverständiger soll sie durchführen. So will man sicherstellen, dass während der Sanierung eventuell auftretende Schäden klar zugeordnet werden können.

Wie die eigentlichen Arbeiten an der Mauer vonstattengehen werden, ob beispielsweise ein Teil des Regnitz-Nebenarms mit Spundwänden trockengelegt werden muss, steht noch nicht fest. Geotechnisch besonders schwierig wird es nach WWA-Angaben sein, das neu aufzubauende Mauerstück dann nahtlos rechts und links an die historischen Abschnitte anzuschließen.